Downhill in Ilmenau 440 Fahrer und ein heißes Schlachtfeld

Die 24. Absolute Abfahrt in Ilmenau war wohl die heißeste, trockenste und härteste von allen. Und die internationalste: Aus 17 Ländern kamen die 440 Starter des Downhill-Rennens, die sich in rund zwei Minuten von der Bobhütte zum Gabelbach stürzten. Auch die Sanitäter kamen leider zum Einsatz. Die Deutschen Meistertitel holten sich die Favoriten Nina Hoffmann und Max Hartenstern.

Uff, was für ein Ilmenauer Downhill-Wochenende war das denn? Vielleicht eines der sommerlich-heißesten, trockensten und staubigsten, die es je gab in der 24-jährigen Geschichte der Absoluten Abfahrt. am Lindenberg. Und damit auch eines der härtesten, denn: „Die Strecke glich am Ende eher einem Schlachtfeld“, meinte Max Hartenstern aus dem sächsischen Geringswalde, nachdem er sich, als letzter von knapp 440 Fahrern aus 17 Ländern gestartet, auf eben diesem „Schlachtfeld“ den deutschen Meistertitel geholt hatte – es war bereits sein sechster.

Zwischen Waldbrandwarnstufe und Wespenplage entwickelte sich aber auch eines der internationalsten Rennen, die es je von der Bobhütte über die rund 1500 Meter hinunter zum (längst trocken gefallenen) Gabelbach gab: Mit Tristan Botteram ein Niederländer als Zweiter des Elite-Rennens, mit Bryan Dickerson ein Neuseeländer als Dritter. Mit Marco Lamaris ein Grieche als Sieger der U 17-Lizenzfahrer, gefolgt von einem Norweger (siehe Beitrag links); mit Nellie Aabech eine Norwegerin als Siegerin in der Open Women-Klasse. Und was für ein sportlich erfolgreiches Wochenende schließlich für die Gastgeber vom Ilmenauer Radsport-Club (ILRC): Mit Frank Hedwig (Deutscher Meister der Pro Masters 2), Lino Neumann (Deutscher Meister der U 17-Lizenzfahrer) und Mark Balbierer (Sieger der Open Men-Klasse) durften sich gleich drei von ihnen ganz oben auf dem Podest feiern lassen – das gab es zuvor auch nicht alle Jahre!

Dass Max Hartenstern sich seinen im Vorjahr überraschend an Simon Maurer verlorenen Meistertitel zurückholen würde war allgemein erwartet worden und traf dann auch ein – und zwar mit großer Souveränität: Als einziger des Feldes blieb der 23-Jährige sowohl beim Seeding Run vom Samstag (1:55,57 Minuten) als auch beim Rennen am Sonntag (1:55,86) unter der 1:56-Minuten-Grenze und hatte am Ende vor Botteram (1:58,05) und Dickerson (1:59,01) einen beachtlichen Vorsprung.

Und nun ab in die USA!

„Im vergangenen Jahr bin ich diese Meisterschaft kurz hinter einem längeren und harten Wettkampf-Aufenthalt in den USA gefahren, da war ich platt“, erläuterte er. „Aber diesmal läuft meine Saison richtig gut.“ Das zeigte auch sein elfter Platz eine Woche zuvor beim Weltcup-Rennen in Andorra. „Dieser Meistertitel hält mich jetzt auf meinem Hoch, wenn ich morgen Mittag wieder diese Wettkampfreise in die USA antrete.“

Die Strecke von Ilmenau, so kurz und kompliziert sie auch sein mag, liegt Max Hartenstern offenbar besonders. Einst hatte er hier mal den Coup geschafft, als Junior-Fahrer schneller zu sein als die gesamte Elite der Erwachsenen. „Ich glaube, die Flachstücke oben mit den vielen Kurven, die man gut ausfahren musste, waren heute die Schlüsselstellen. Sie sind mir auch gut gelungen.“

Ein besonderer Coup gelang aber auch Johannes Fischbach aus Rehau (Landkreis Hof), der als Gesamtvierter Meisterschaftssilber erkämpfte. Als Jahrgang 1988 ist der Sieger der Absoluten Abfahrt von 2012 einer der ältesten Elite-Fahrer überhaupt. Lange stand gar nicht fest, ob er hier überhaupt würde starten können, denn er hatte sich Corona eingefangen. „Erst am Donnerstag war ich erstmals wieder negativ und hatte mich deshalb entschlossen, hier mitzumachen. Aber die ersten zwei Tage danach waren die Hölle: Ich habe kaum richtig Luft gekriegt. Deshalb war das jetzt hier auch das Maximale“, erklärte er im Ziel. „Wenn man gegen ,Harti’ nicht volle hundert Prozent geben kann, dann geht es nicht bis ganz vorn.“

Bester Thüringer wurde Lucas Rham aus Goßwitz bei Unterwellenborn auf Rang elf (2:02,20). Petrick Kardenar aus Langewiesen kam mit 2:03,53 auf Gesamtplatz 18. „Es waren viele kleine Fehler, die sich summiert haben“, kommentierte er seine Fahrt. „Aber im großen und Ganzen bin ich zufrieden.“

Geradezu erdrutschmäßig fiel bei den Frauen der Sieg der Saalfelderin Nina Hoffmann aus – was von einer Weltcup-Zweiten, ebenfalls in Andorra vor einer Woche, auch erwartet werden durfte.

Einheimische Akzente wurden vor allem in der Open Men-Klasse (Hobbyfahrer) gesetzt. Hier gewann mit Mark Balbierer ein Ilmenauer – eigentlich ein Lizenzfahrer, der aber für 2022 keine Lizenz gelöst hatte. An seine 2:06,83 Minuten kam keiner im Mammutfeld der 92 Fahrer heran – auch nicht „Dauerbrenner“ Daniel Schamul, ebenfalls aus Ilmenau, diesmal mit 2:10,18 Dritter.

Der herzlichsten Beifall aber brandete auf, als Frank Hedwig im Ziel war und sich mit großem Vorsprung den Titel der Pro Masters 2 sicherte. Für „Hede“, ein Ilmenauer Downhill-Urgestein schlechthin, war es der erste Meistertitel überhaupt. Und es gab wohl keinen unter den vielen Downhill-Freunden und Zuschauern im Gabelbachtal, der ihm diesen Erfolg nicht gegönnt hätte!

Wegen der Trockenheit – daran änderte auch ein Regenschauer am Samstagmorgen über dem Lindenberg nur wenig – war die Strecke extrem staubig und mit vielen gelockerten Steinen versehen und damit sehr schwer zu fahren. Es gab auch einige Stürze, die den Einsatz der Rettungssanitäter erforderten. Auch musste der ILRC mehrere Auflagen zum Brandschutz erfüllen.

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