CNC-Fertiger am Rohrer Berg angesiedelt Made in Thüringen, made in Meiningen

Die Firma MIT ist von Schwarza ins Meininger Industriegebiet auf dem Rohrer Berg gezogen. Das Unternehmen verfügt über acht moderne Foto: /Erik Hande

Hochpräzise Teile fertigt die MIT im Industriegebiet Rohrer Berg

Meiningen - Die manuelle Drehmaschine aus den 1980er Jahren wirkt wie ein Relikt aus vergangener Zeit. Am Rand der neuen Produktionshalle steht sie weiterhin auf einer Palette verpackt. Ihr Aufbau hat noch Zeit. Zuerst wurde vorige Woche beim Umzug der MIT – Made in Thüringen GmbH von Schwarza nach Meiningen die moderne Produktionstechnik eingerichtet. Acht CNC-Fräsmaschinen und drei CNC-Drehzentren bilden das technische Rückgrat der jungen Firma im Industriegebiet Rohrer Berg. Die MIT GmbH fertigt hochpräzise CNC-Teile. Außerdem ist die 2018 gegründete Firma auf die Montage von elektronischen Baugruppen spezialisiert. Derzeit zählt der Betrieb 23 Mitarbeiter, vor allem Zerspanungs- und Industriemechaniker sowie Mechatroniker. Weitere Fachkräfte werden gesucht, solche, die sich dem täglich hohen Qualitätsanspruch stellen.

„Wir sind mehr als der normale CNC-Fertiger“, sagt Geschäftsführer und Mitbegründer Jens Sandhagen. Mit dem Quantenkoffer stellt die MIT zum Beispiel ein Produkt her, welches höchsten Fertigungsparametern gerecht werden muss. Das experimentelle Lehrmittel wird vor allem an Schulen, Hochschulen und Universitäten eingesetzt, um in der Ausbildung und im Studium die Quanten-Physik erlebbar zu machen. „Es ist eine Möglichkeit, um Jugend an eine andere Denkweise heranzuführen, sie für Naturwissenschaft zu interessieren“, erklärt Jens Sandhagen, der technische MIT-Geschäftsführer. Auftraggeber für den Lehrkoffer ist die qutools GmbH aus München von Björn Habrich. Als kaufmännischer MIT-Geschäftsführer gründete dieser zusammen mit seiner Frau Amrit und Jens Sandhagen die Firma MIT.

Knapp zehn Millionen Euro investierten die Partner am Firmenstandort in Meiningen. Die Thüringer Aufbaubank unterstützte den Unternehmensaufbau mit Zuschüssen aus der Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“. Der Spatenstich für den Fertigungskomplex auf dem „Rohrer Berg“ erfolgte bereits im Juni 2018. Die ersten Maschinen wurden im August in Betrieb genommen, allerdings in Schwarza. Dorthin musste das Unternehmen zunächst in eine angemietete Produktionshalle ausweichen.

Im August 2018 startete MIT mit acht Mitarbeitern. Aufträge waren schnell eingeworben, zumal mit den Firmen qutools und N-Hands jene Partner zur Seite standen, die den Quantenkoffer beauftragten. Deren Aufträge bestimmen aber nur einen Teil der Produktion. Des Weiteren wird für Kunden aus den Branchen Medizin-, Antriebs- und Lasertechnik gefertigt. Sogar die Tuning-Szene profitiert vom Know-how der MIT – Made in Thüringen GmbH. Ganz bewusst stand die Autoindustrie nicht im Fokus. Für die gebe es bereits genug leistungsfähige Zulieferer, erklärt Jens Sandhagen.

Die MIT hat sich hingegen auf die Fertigung hochpräsziser Teile spezialisiert, bietet verschiedene Oberflächenbehandlungen an und vervollständigt mit der Baugruppenmontage ihr komplexes Portfolio. Vom Konzeptmodell bis zum funktionsfähigen Prototyp bietet MIT umfassende Leistungen aus einer Hand.

So werden in den Produktionshallen auf dem Rohrer Berg zum Beispiel Komponenten für Industrieroboter hergestellt. „Das sind hochgenaue Teile“, macht Jens Sandhagen aufmerksam. Gefertigt wird in der Regel nach Kundenvorgaben und deren CAD-Daten. Mitunter sei es hilfreich, so der technische Geschäftsführer, den Auftraggebern aufzuzeigen, wie sie ihre Teile besser konstruieren können, um diese zeit- und kostensparender herzustellen. Deshalb möchte die MIT ihr Geschäftsfeld rund um das Prototyping noch stärker ausbauen.

Für den Standort Meiningen habe man sich übrigens bewusst entschieden, schildert Jens Sandhagen. Der Blick über die Stadt, die Nähe zur Autobahn und die gute Zusammenarbeit mit der Kommune und anderen Partnern vor Ort habe für die Ansiedlung im Industriegebiet „Rohrer Berg“ gesprochen. Dort erwarb MIT gleich mehr Fläche als momentan benötigt wird. Wenn die Geschäfte wie erhofft laufen, dann habe man somit jederzeit die Möglichkeit zur Erweiterung.

Allerdings musste MIT 2019 erst einmal durch ein wirtschaftliches Tal gehen, dem ein schwieriges Corona-Jahr 2020 folgte. Das Pandemie-Geschehen und die damit verbundenen Einschränkungen ging auch an den MIT-Mitarbeitern nicht ohne Weiteres vorbei. Die Schließung von Kindergärten und Schulen führten für etliche der jungen Beschäftigten zu Problemen. Im Unternehmen habe man alle Unterstützung gegeben, nur Home-Office ginge im Drei-Schicht-Betrieb mit den elf CNC-Bearbeitungszentren eben nicht. Werkstücke bis zu 800 mm Kantenlänge könne man schließlich nicht daheim fräsen. In der neuen Produktionshalle hingegen sind davon Losgrößen vom einem bis 1000 Stück möglich. Zwei CAM-Arbeitsplätze, ein Feinmessraum und das Laserlabor stehen darüber hinaus neben den CNC-Maschinen zur Verfügung. Die alte manuelle Drehmaschine, die werde auch noch von der Palette geholt, schmunzelt der technische Geschäftsführer. Aber nur noch zur Erinnerung, um davon zu künden, dass Metallbearbeitung trotz modernster Maschinen immer noch ein kleines Stück Handarbeit bleibt.

 

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