Benefizkonzert in Dermbach Kultur genießen und helfen

Die Organisatoren des ökumenischen Benefizkonzerts (von links): Sibylle Kölzner, David Kölzner, Pfarrer Ulrich Piesche und Pfarrerin Silke Glöckner. Foto: Beate Funk

Die beiden Dermbacher Kirchengemeinden haben gemeinsam etwas auf die Beine gestellt: Ein ökumenisches Benefizkonzert soll am Sonntag den Menschen vor Ort Kulturgenuss bieten und den Hochwasseropfern aus dem Ahrtal helfen.

Dermbach - Weit mehr als 100 Menschen kamen ums Leben, Hunderte wurden verletzt. 17 000 Frauen, Männer und Kinder haben ihr gesamtes Hab und Gut verloren. Rund 3000 Gebäude wurden schwer beschädigt, Hunderte komplett zerstört. Die Flutkatastrophe im Ahrtal hat schockiert – und eine Welle der Hilfsbereitschaft ausgelöst. Auch Sibylle Kölzner und ihr Sohn David, beide Mitglieder der katholischen Kirchengemeinde Dermbach, wollten etwas tun. „Wir haben schon länger darüber gesprochen, ein Benefizkonzert in Dermbach für die Hochwassergeschädigten zu organisieren“, sagt sie. Kleinere Hilfsaktionen, auch Spendensammlungen innerhalb der beiden Kirchengemeinden, habe es zwar gegeben, aber kein Projekt, in das das ganze Dorf involviert gewesen sei.

Als die Coronalage „relativ lang stabil und gut war“, so Sibylle Kölzner, wurde die Idee der beiden konkreter. Sie berichteten dem Pfarrgemeinderat und Pfarrer Ulrich Piesche davon – „und alle waren dafür“. Die Aktion sollte aber nicht auf die katholischen Gläubigen beschränkt bleiben. „Es war von Anfang an klar, es soll ökumenisch sein.“ Und Silke Glöckner, evangelische Pfarrerin in Dermbach, hat sofort „ja“ gesagt. „Es war uns ein Bedürfnis, uns an dieser ökumenischen Aktion zu beteiligen“, erklärt sie.

Akteure für das Konzert waren schnell gefunden: „Wir haben ja viele gute Musikgruppen – Chöre und Instrumentalensembles –, die die ganze Zeit keine Auftrittsmöglichkeiten hatten“, sagt Sibylle Kölzner. „...nicht mal proben konnten in normalem Rahmen, die Corona-Lage ließ das ja lange nicht zu“, ergänzt David Kölzner und berichtet: Alle angefragten Chöre und Gruppen hätten „sofort zugesagt, dass sie die Aktion unterstützen wollen“.

Neben der Hilfsaktion ist das Ziel der Veranstaltung auch, den Menschen aus der Region nach dem spärlichen Kulturangebot der vergangenen Monate etwas Besonderes zu bieten. Das erste musikalische Event nach dem Corona-Stillstand in Dermbach sei die fête de la musique, zu der Felicitas Kotsch von der evangelischen Kirchengemeinde geladen hatte, gewesen. „Da hat man auch gesehen, wie groß die Sehnsucht nach solchen schönen Dingen ist“, sagt Sibylle Kölzner.

Der Anlass für das geplante Benefizkonzert sei zwar ein trauriger. Gedrückte Stimmung sollte sich aber nicht durch die Musik ziehen. Dagegen habe man sich bewusst entschieden, sagt David Kölzner. Thematisch sollte das Ganze aber sein. „Da fiel meiner Mutter ‚Lieblingsmelodien’ ein.“ Der positive Aspekt sei, erklärt sie, dass die Erlöse für den Wiederaufbau verwendet werden sollen. Das Konzert solle „Hoffnung geben, dass es weitergeht“. Geplant ist nun, dass jeder Chor beziehungsweise jedes Ensemble seine drei Lieblingsstücke singt oder spielt.

Zu hören sein werden nach Angaben von David Kölzner über circa anderthalb Stunden ganz verschiedene musikalische Richtungen: „Von Melodien des Posaunenchors über traditionelle irische Musik, weltliche Chormusik bis hin zu Volks- und Wanderliedern.“

Das Benefizkonzert findet am Sonntag, 31. Oktober, in der katholischen Kirche „St. Peter und Paul“ in Dermbach statt, Beginn: 17 Uhr. Der Eintritt ist frei, um Spenden wird gebeten. Die Veranstaltung sei vom Gesundheitsamt mit der Vorgabe genehmigt worden, dass 3G-Regel und Maskenpflicht gelten, sagt Pfarrer Piesche. Die Möglichkeit, sich testen zu lassen, besteht auch am Sonntag im Dermbacher Schloss. Personen mit Erkältungssymptomen werden gebeten, zu Hause zu bleiben.

Um so viel Platz wie möglich für die Besucher bereitzuhalten, werden die Musiker den Kirchenraum nur für ihre jeweiligen Auftritte betreten.

Im Anschluss an das Konzert, sagt Sibylle Kölzner, „laden wir zu einem Umtrunk mit kleiner Stärkung auf dem Kirchhof ein“. Allerdings nur, betont Pfarrer Piesche, wenn dies wetterbedingt tatsächlich im Freien stattfinden könne.

Alle Einnahmen sollen vollständig den Hochwasseropfern im Ahrtal zu Gute kommen. Zusätzlich wurden die ortsansässigen Gewerbetreibenden angeschrieben und um Spenden gebeten. Dafür hat die katholische Kirchengemeinde extra ein zeitlich begrenztes Konto eingerichtet (siehe unten), auf das jeder einzahlen kann. „Die größten Spenden werden am Konzertabend öffentlich gemacht“, sagt Sibylle Kölzner. Nach Abschluss der Aktion werde das Geld direkt an die Caritas Ahrtal überwiesen, „weil die am besten einschätzen können, wo es am nötigsten gebraucht wird“.

Folgende Chöre und Instrumentalgruppen aus Dermbach und Umgebung haben ihren Auftritt zugesagt: Posaunenchor der evangelischen Kirchgemeinde unter Leitung von Henri Krowiorsch, Handwerkerchor (Leitung David Kölzner), Heavenly Voices (Leitung Felicitas Kotsch), Collegium Vocale Rhön (Leitung Hans Aschenbach), Angel and Creek (Leitung Beate Bach), TonArt (Leitung Martin Kram), Albasänger (Leitung Ralf Schmitz). Die Orgel spielt David Kölzner.

Spendenkonto:

Auch wer das Konzert nicht besucht, kann für die Opfer des Hochwassers auf das eigens dafür eingerichtete Spendenkonto einzahlen:

Katholische Kirchengemeinde Dermbach

IBAN: DE 5753 0612 3002 0582 9500

Verwendungszweck: Spende Hochwasser Ahrweiler.

Spendenquittungen werden im katholischen Pfarramt in Dermbach ausgestellt.

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