BAD SALZUNGEN – Norman Mohr ist Frühaufsteher. Sein Arbeitstag beginnt, wenn sich viele seiner Kunden noch einmal im Bett herumdrehen. Freitags macht sich der 27-jährige Unternehmer schon morgens um sechs Uhr von Bad Hersfeld auf den Weg, um rechtzeitig in Bad Salzungen seinen Marktstand öffnen zu können. Seit drei Jahren ist der gelernte Gas- und Wasserinstallateur nun sein eigener Herr. Gemeinsam mit einem Verwandten und einem Partner haben sie ihre Firma aus dem Boden gestampft und mit Schafskäse, gefüllten Weinblättern und marinierten Riesenchampignons ein einträgliches Geschäft aufgebaut. Es gibt viele Feinschmecker, die darauf warten, dass Norman Mohr mit seiner gekühlten Vitrine auf Rädern in Bad Salzungen haltmacht, denn auf den typischen Geschmack der mediterranen Küche wollen sie auch an trüben Tagen zu Hause nicht verzichten. „Der größte Teil meiner Kundschaft kommt regelmäßig“, sagt Norman Mohr über die Käufer, die jede Woche bei dem Mann, der selbst aussieht, als sei er auf einer griechischen Insel geboren, einkaufen. Manchmal bildet sich vor seinem Wagen sogar eine Schlange, so wie wir es nur noch aus DDR-Zeiten kennen. Aber während Kunden andernorts in solchen Situationen ungeduldig von einem Bein auf das andere treten und grimmig dreinschauend, nervös an ihrer Geldbörse herumnesteln, ziehen die geduldigen Kunden an diesem Stand die Luft tief ein, um das Gemisch aus fremdartigen Gewürzen und Kräutern einzuatmen, sich vorzustellen, wie die getrockneten Tomatenstücke in Olivenöl oder die Riesengarnelen in Knoblauchöl wohl auf ihrem Gaumen zergehen würden.