Bad Salzungen Läden bleiben vorerst geöffnet, öffentliche Einrichtungen zu

Der Wartburgkreis kämpft weiter gegen die Ausbreitung des Coronavirus. Es gibt Zwangsschließungen, eine unangenehme Prognose - aber auch einigen Grund zur Hoffnung.

Bad Salzungen - Im Wartburgkreis und in der Stadt Eisenach gelten seit heute offiziell und bis einschließlich 19. April jene Vorgaben, die die Thüringer Landesregierung bereits am Montag verkündet hat, um die grassierende Corona-Pandemie zu verlangsamen und einzudämmen. Das gab Vizelandrat Udo Schilling (CDU) am Dienstag im Landratsamt in Bad Salzungen bekannt. Der Erlass der Landesregierung sieht unter anderem deutliche Einschränkungen des öffentlichen Lebens vor. Demnach müssen im Wartburgkreis ab sofort viele öffentliche Einrichtungen geschlossen bleiben, für den Besucherverkehr in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen gelten strenge Reglementierungen. Der Betrieb von Gaststätten unterliegt ebenfalls Beschränkungen, was den Abstand von Tischen angeht - nicht aber bei Öffnungszeiten.

Weitere Corona-Infektion in der Region

Am Dienstagnachmittag hieß es aus Landratsamtskreisen, dass sich die Zahl der Corona-Infektionen auf 7 erhöht hat: Im südlichen Wartburgkreis sind es demnach 3 Personen, in Eisenach 2 und im nördlichen Wartburgkreis 2. Im gesamten Gebiet befinden sich den Angaben zufolge insgesamt 14 Personen in behördlich angeordneter Quarantäne, 9 davon im südlichen Wartburgkreis. Noch am Vormittag hatte die Leiterin des Gesundheitsamtes, Dr. Helena Maier, zu den bis dahin öffentlich bekannten vier Fällen erklärt, alle seien Rückkehrer aus Risikogebieten. Personen, die engen Kontakt mit den Infizierten hatten, seien in Quarantäne und würden betreut. Dazu zählt, dass sie ein Tagebuch führen müssen und regelmäßig Telefonkontakt zu Medizinern haben. Das Landratsamt folge ausnahmslos den Richtlinien des Robert-Koch-Instituts, so Maier. svw

"Wir werden die Ausbreitung des Virus nicht ganz verhindern können", erklärte Schilling, der zusammen mit der Leiterin des Gesundheitsamtes, Dr. Helena Maier, und dem Leiter des Krisenstabs im Landratsamt, Martin Becker, vor die Presse trat. Doch man wolle alles tun, um die Ausbreitung zu verlangsamen und im besten Falle zu stoppen.

Das Landratsamt rechnet mit weiteren Infektionen. Eine Schätzung, wie viele Menschen sich in den kommenden Wochen anstecken könnten, sei aber nicht möglich. Allerdings seien die Krankenhäuser in Bad Salzungen und Eisenach auf Patientenaufnahmen, mögliche Quarantäne- und Isolationsunterbringung vorbereitet. Wie viele Betten es gebe, sagte Maier nicht. Bei Engpässen gebe es aber Ausweichmöglichkeiten, etwa in Rehakliniken.

Grundlage der Maßnahmen, mit denen das Landratsamt das öffentliche Leben im Kreis einschränken will, um die Virus-Ausbreitung zu verhindern, ist eine Allgemeinverfügung, die seit heute in Kraft ist. Eine solche ist bereits vergangene Woche erlassen worden, um unter anderem die Teilnehmerzahl bei Veranstaltungen stark zu reduzieren.

Die nun zusätzlich geltene Verfügung umfasst laut dem Leiter des Krisenstabs zunächst exakt die Vorgaben der Thüringer Landesregierung vom Montag. Das bedeutet zugleich, dass die ebenfalls am Montag von der Bundesregierung in Berlin vorgestellten und noch deutlich weiterreichenden Handlungsempfehlungen zunächst nicht in der Region greifen. Unter anderem war von Ladenschließungen - außer jenen für den täglichen Bedarf wichtigen, etwa Lebensmittelmärkten und Apotheken - die Rede. Dazu kommt es laut Schilling im Wartburgkreis vorerst nicht. Wenngleich die aktuelle Allgemeinverfügung des Kreises noch stellenweise "nachgeschärft" werden könne, so Krisenstabsleiter Becker.

Das heißt: Alle Läden können zunächst weiter öffnen - es kann aber praktisch jederzeit zu Änderungen kommen. Das ist nun auch abhängig von weiteren Entscheidungen durch das Land Thüringen. Für Veranstaltungen wie Hochzeiten und Trauerfeiern gilt laut Schilling weiterhin die Allgemeinverfügung des Kreises von vergangener Woche: Veranstaltungen nur mit maximal bis zu 50 Personen. Maier riet im Sinne der Vernunft aber nun dazu, ganz davon abzusehen, so weit es geht.

Auf Gemeindeebene wird es zudem Einschränkungen geben, erklärte Schilling ebenfalls am Dienstag. Hintergrund ist ein Treffen der Bürgermeister des Kreises. Man habe sich darauf verständigt, dass Spiel- und öffentliche Plätze geschlossen werden. Die Entscheidung darüber obliegt den Kommunen. Dort werde auch individuell geprüft, ob alle Maßnahmen eingehalten werden. "Vor Ort kontrollieren lokale Ordnungsbehörden", sagte Schilling. Auch die Polizei werde unterstützend tätig. Allem voran gelte aber der Appell an die Vernunft der Bürger. Und mit dieser sieht es dem Vizelandrat zufolge bisher sehr gut aus: Die Menschen seien verantwortungsvoll - in einer Ausnahmesituation, "die ich so im Leben noch nie erlebt habe".

 

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