Auszeichnung Bad Salzungen ist einziger Landmusikort in Thüringen

Susann Eberlein
In der Kulturscheune in Gumpelstadt nahm Bad Salzungens Bürgermeister Klaus Bohl (2. von links) die Auszeichnung „Landmusikort des Jahres“ entgegen. Der Deutsche Musikrat würdigt damit kreative Ideen und herausragende Projekte im ländlichen Raum. Foto:  

Bad Salzungen trägt einen neuen Titel: Als eine von nur elf Kommunen Deutschlands ist die Kreisstadt vom Deutschen Musikrat als „Landmusikort des Jahres“ ausgezeichnet worden.

Gumpelstadt - Bad Salzungen ist nicht mehr nur Kreis-, Kur- und Garnisonsstadt. Ab sofort darf sich die Kommune mit einem weiteren Titel schmücken: Am Freitagabend ist ihr – als eine von nur elf Kommunen in Deutschland und einzige in Thüringen – die Auszeichnung „Landmusikort des Jahres“ verliehen worden. „Für uns ist das ein ganz besonderer Tag. Die Auszeichnung bestätigt, dass wir in der Region, in unserer Stadt, in unseren Stadtteilen einen Schatz haben und ihn pflegen, so dass er vielfältig strahlen kann“, sagte Bürgermeister Klaus Bohl (Freie Wähler) bei der Preisverleihung in der Kulturscheune Gumpelstadt.

Vergeben wird der Titel vom Deutschen Musikrat, der das neu aufgelegte Förderprogramm Landmusik mit Mitteln der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) durchführt. Die Jury unter dem Vorsitz der Professorin Ulrike Liedtke würdigt kreative Ideen und herausragende Projekte, die eine lebendige Musikszene im ländlichen Raum ermöglichen und impulsgebend für andere Regionen sein können. „Im Namen des Deutschen Musikrats beglückwünsche ich Sie zu der tollen kulturellen Arbeit vor Ort. Die Jury war sehr wählerisch und Sie können stolz darauf sein, dass Sie sie mit Ihrem Angebot überzeugt haben“, sagte der Leiter des Programms Landmusik des Deutschen Musikrates, Tilman Schlömp. Zu den Kriterien der Jury zählten neben der Qualität der kulturellen Arbeit die Einbeziehung und Vernetzung der örtlichen Institutionen.

Kultur ist keine kommunale Pflichtaufgabe. „Aber sie hilft einer Gemeinschaft, mit all den Emotionen und Fragen umzugehen, die uns das tägliche Leben beschert und uns verunsichern. Wirtschaft und Politik können nicht alles erklären, aber ein Theaterbesuch und Konzert kann helfen, es zu durchdenken und mit Problemen spielerisch umzugehen. Musik macht uns stark, weil sie Emotionen weckt“, sagte Tilman Schlömp.

Wert der Musik

Diesen Wert hat Bad Salzungen längst entdeckt. „Musik berührt uns. Sie kann uns dem Alltag entfliehen lassen, trägt zur Entspannung und Unterhaltung bei oder dazu, Kraft zu schöpfen. Musik gemeinsam genossen, schafft eine Atmosphäre zwischen den Beteiligten, deren Zauber man sich kaum entziehen kann. Sie ist ein besonderes Element unseres Zusammenlebens“, sagte Bürgermeister Klaus Bohl.

Das Erfolgsrezept Bad Salzungen – im Übrigen auch eines der Hauptkriterien der Jury – sieht er im Zusammenwirken vieler Partner. „Es gibt nicht einen Akteur in unserer Stadt, sondern viele engagierte Menschen an verschiedenen Orten: Die Kirche, die Musikschule, Kulturvereine, das Museum, die Bibliothek, Privatpersonen, die Stadtverwaltung. Sie arbeiten nicht für sich allein, sondern vernetzt. Ohne sie wären wir heute nicht hier“, betonte der Verwaltungschef. Mit Blick auf die gewachsene Stadt dürfe es nicht nur darum gehen, sich mit Straßen und Satzungen zu verbinden, sondern auch mit Kultur. „Wir müssen weg vom Kirchturmdenken. Nur wenn wir als ländlich geprägte Region auch mal über den Tellerrand hinausschauen, gelingt es uns, auf uns aufmerksam zu machen, auf unser kulturelles Erbe, unser kulturelles und touristisches Angebot und dass ein Leben auf dem Land erfüllend sein kann“, so Bohl.

Neue Ideen

Die Kulturbeauftragte der Stadt Bad Salzungen, Kathleen Heß, betonte die Errungenschaften der vergangenen fünf Jahre. In einem Vortrag zeigte sie das kulturelle Erbe auf, stellte die verschiedenen Akteure und Kooperationen wie zum Beispiel mit der Thüringen Philharmonie oder der Thüringer Bachwochen vor und erinnerte an neu etablierte Formate wie zum Beispiel das A-Cappella-Festival, die Reihe „Kultur vor Ort“ oder das interkommunale Projekt „BBB – Straße der Barockmusik“ und das Angebot für alle Generationen. Die fehlende Festhalle hat Bad Salzungen als Markenzeichen genutzt: Hier finden Kultur, Kleinkunst und Konzerte an mitunter ungewöhnlichen Orten statt.

Auf den Erfolgen ausruhen will sich Bad Salzungen nicht. „Das musikalische Erbe soll weiter erforscht werden, aber wir wollen auch Neues entwickeln. Es gilt, Potenziale zu erkennen und Kräfte zu bündeln, Netzwerke zu knüpfen und Kooperationen auszubauen“, sagte Kathleen Heß. Eine Idee geistert bereits in ihrem Kopf herum: Mit „Bad Salzungen singt“ könnte ein Chorfestival entstehen, bei dem den vielen Chören der Stadt eine Bühne geboten wird.

Große Vielfalt

Welch kulturelle Vielfalt Bad Salzungen zu bieten hat, stellte die musikalische Begleitung der Preisverleihung durch die Musikschule Wartburgkreis unter Beweis. Leiterin Stefanie Ihling bildete zusammen mit Annika Bach und Liliana Engel aus Kieselbach das Violinen-Trio. Von Melinda Szabo am Klavier begleitet, brachte die Sopranistin Rebekka Suninen-Järviluoto „Vocalise“ von Sergeij Rachmaninov auf die Bühne. Die Jazzband unter Leitung von Heiko Hoffmann rundete das Angebot ab.

 

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