Ausgesummt Schülerinnen gegen den Bienen-Schwund

Die vier Elftklässlerinnen Ida Fischer, Lilly Triebel, Lara Schaab und Emma Schmidt (von links) beziehen in ihre Seminarfacharbeit auch einen vergessenen Schulbereich mit ein, der bienenfreundlich belebt wird. Foto: /Michael Bauroth

„Ausgesummt“ lautet in Kurzform der Titel der Seminarfacharbeit von vier Schülerinnen des Heinrich-Ehrhardt-Gymnasiums, die erstaunlich praktisch und nachhaltig ausfallen soll.

In welchen Farben es bald auf dem Grünstreifen hinter dem Heinrich-Ehrhardt-Gymnasium in Zella-Mehlis blühen wird, wissen Ida Fischer, Lilly Triebel, Lara Schaab und Emma Schmidt zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht. Dafür, dass die 20 Quadratmeter große Fläche, die bisher brach lag, jedoch bald eine richtige Bienenweide sein wird, sorgen sie bereits seit Wochen. Denn in ihrer Seminarfacharbeit „Ausgesummt“ beschäftigen sich die vier Elftklässlerinnen mit der Biene, dem Bienensterben, den Auswirkungen und ihrem Schutz. Nicht nur theoretisch behandeln sie das Thema, sondern integrieren mit verschiedenen Projekten zugleich auch einen ungewöhnlich großen praktischen Teil.

Und das wiederum zieht Kreise, was auch beabsichtigt ist. Schon mit der Planung wurde klar, dass die Schülerinnen Partner brauchen. Solche, wie den Förderverein der Schule etwa, der sich um die Finanzierung der nötigen Wassertonne kümmerte, damit Regenwasser nicht ungenutzt bleibt. Mit ihrer Anschaffung war der Startschuss für die Blühwiese hinter dem Schulgebäude gegeben. Gemeinsam mit dem Hausmeister haben die vier Schülerinnen eine geeignete Fläche ausgewählt, die Anfang Mai wiederum mit Hilfe von Eltern und Verwandten angelegt worden ist. Das hieß, die alte Grasfläche abtragen, abmagern, die Samenmischung aufbringen, leicht einarbeiten und gießen. Zugleich haben sie an anderer Stelle Alant-Jungpflanzen gesetzt. Eine hoch werdende Heil-, Gewürz- und Färberpflanze mit großen Blättern, deren leuchtend gelbe Doldenblüten wahre Insekten-Magnete sind. Darüber hinaus wird hier auf Initiative der Gruppe auch ein Klarapfelbaum, der üppig Blüten tragen soll, wurzeln. Damit in der trockenen Zeit auch alles anwächst, zeigt ein Gießplan an, wann wer mit Gießen dran ist. Nicht nur während der Schultage gilt er, ebenso an Wochenenden und in der Ferienzeit. Sogar eine Sitzgruppe ist inzwischen aufgestellt.

Nachhaltigkeit und lokales Wirken sind große Themen, die Ida Fischer, Lilly Triebel, Lara Schaab und Emma Schmidt wichtig sind. Ihre Seminarfacharbeit soll Auswirkungen haben, die auch über ihr Dasein am Gymnasium hinaus wirken. Deshalb haben sie sich weiterhin zum Ziel gesetzt, Vorträge in den fünften Klassen zu halten, Unterrichtsstunden zu gestalten sowie Materialien zu erstellen, die Lehrer zum Thema im Unterricht mit einbeziehen können.

Ihre Idee, einen Apfelbaum zu pflanzen, wollen sie zur Tradition an ihrer Schule werden lassen. „Wir haben damit auf der ungenutzten Fläche begonnen. Schön wäre es, wenn jede Abschlussklasse einen weiteren Apfelbaum pflanzt, der für reiche Blüte und damit als Nahrungsgrundlage für Bienen sorgen wird“, sagt Ida Fischer. Die vier Freundinnen sind überzeugt davon, dass mit jedem Apfelbaum zugleich immer wieder die Konfrontation mit dem Thema um die Bedeutung der Biene einhergeht. Außerdem haben sie ihr Projekt in der jüngsten Zukunftswerkstatt vorgestellt. Dass ihre Ideen und Vorhaben auf ihre Stadt Zella-Mehlis übertragbar sind, wissen sie. Nun geht es um Absprachen, wie, wo, mit wem und in welchem Rahmen eine Erweiterung erfolgen könnte.

Vier Bereiche umfasst der theoretische Teil der Seminarfacharbeit, die von Ulrike Blechschmidt betreut wird. Während sich Emma mit der Bedeutung der Biene befasst, geht Ida auf die Ursache des Bienensterbens ein und Lilly auf die Auswirkungen. Lara kümmert sich um Maßnahmen gegen das Bienensterben innerhalb der Gemeinschaftsarbeit.

Deren Thema haben sich die vier Schülerinnen selbst ausgesucht, denn sie sind überzeugt davon, dass „die Biene und ihre Bedeutung für unser Leben in vielerlei Hinsicht unterschätzt wird“, macht Ida deutlich. Allein ein Blick in die Gärten ringsum, die immer weniger Lebensraum für Insekten bieten, zeugt ihrer Meinung von großen Wissenslücken. Zu oft gemähte Grünflächen, auf denen Blühpflanzen keine Chance haben, pflegeleichte Kiesbeete, pollenlose Pflanzenwahl, Einsatz von Giften oder die Versiegelung von Flächen sind nur einige Beispiele. „Dabei ist es gar nicht so schwer, bewusster zu handeln. Jeder kann etwas für Bienen tun, auch im Kleinen, sogar auf dem Balkon“, sagt Lilly. Denn ausgesummt kann für niemanden eine Alternative sein.

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