Altenstein bei Bad Liebenstein Sommerakademie im Park

Ilga Gäbler
Gregor Müller (2. von links) zeigt Parkverwalter Toni Kepper, Bea Berthold, die die Sommerakademie leitet (rechts), und Schlossverwalterin Susanne Rakowski, wie eine Skizze entsteht. Foto: Ilga Gäbler

Mittlerweile ist sie im Wartburgkreis und darüber hinaus zu einer künstlerischen Institution geworden – die Sommerakademie im Altensteiner Park. Im August gibt’s eine Neuauflage. Die Organisatoren der Freien Kunstschule in Schweina stellten das vielfältige Kurs-Angebot vor.

„Wir können uns glücklich schätzen, solch einen Edelstein wie den Altensteiner Park vor der Haustür unserer Jungendkunstschule zu haben“, betont Bea Berthold. In ihren Händen liegt auch diesmal wieder die künstlerische Leitung der Sommerakademie. Das wundervolle historische Park- und Schlossensemble sei für jeden Kunstbegeisterten eine einzigartige Inspirationsquelle und lade immer wieder zu einer künstlerischen Entdeckungsreise ein. Ob die uralten Baumgruppen, die bunten Wiesen, die einmaligen Ausblicke, die jäh abstürzenden Felsen mit ihren Parkarchitekturen, der Luisenthaler Wasserfall oder das Neorenaissanceschloss selbst – all das könne während der Akademie-Tage bewusst erlebt, mit Zeichenstift oder Pinsel gemalt, in Linolplatte geschnitten oder etwa in Zink „radiert“ werden.

Bea Berthold erinnert an die Gründung der Sommerakademie. „Damals trieb uns der Gedanke um, die Kunstschulräume zu verlassen, raus in die Natur zu gehen und draußen zu arbeiten. Wir wollten uns vor Ort von der faszinierenden Atmosphäre anregen lassen oder etwa das besondere Spiel von Licht und Schatten erleben.“

Inzwischen verwandelt sich der Altenstein, eine der schönsten Parklandschaften weit über Thüringen hinaus, immer in den Augusttagen in ein großes Freiluftatelier. Auch für die Parkbesucher ist das jedes Mal eine außergewöhnliche Erfahrung. Sie beobachten die Künstler gern bei der Arbeit. Bea Berthold meint, es sei schon ein beeindruckendes Bild, wenn diese mit Staffelei und Köfferchen, in dem das ganze Mal-Equipment verstaut ist, auf Motivsuche durch den Park zögen.

Für die Teilnehmer sind die Kurse meist ein Abtauchen in eine andere Welt. Einige lassen für ein oder zwei Tage den Alltag hinter sich, andere fühlen sich wie in den Ferien. Und wer glaubt, er kenne den Park, lernt ihn nun von einer ganz neuen Seite kennen.

Susanne Rakowski, Schlossverwalterin der Thüringer Schlösserstiftung auf dem Altenstein, die gemeinsam mit Parkverwalter Toni Kepper zum Sommerakademie-Gespräch gekommen ist, lobt die gute Kooperation mit der Jugendkunstschule Wartburgkreis. Sie unterstreicht: „Es ist immer faszinierend, wenn die Künstler bei uns im Park sind. Man nimmt dann das Zusammenspiel von Kunst, Kultur und Natur besonders wahr. Ich glaube, dass es gerade das ist, was sich der Herzog hier in seiner Altensteiner Sommerresidenz auch vorgestellt hat. Ich freue mich auf die Sommerakademie.“

„Ja, der Theaterherzog Georg II. war selbst ein großartiger Zeichner“, wirft Bea Berthold ein. Auch vom Altenstein gibt es Zeichnungen von ihm. Oft hat er Eindrücke von seinen Reisen mit dem Zeichenstift festgehalten. Gregor Müller, Künstler aus der Rhön, hat einige Kopien dieser Zeichnungen von Georg II. mitgebracht.

Und selbstverständlich zieht er auch den eigenen Skizzenblock aus der Hosentasche. Er zeigt Zeichnungen, die während der Sommerakademie im vergangenen Jahr entstanden sind. Es ist spannend, im Block zu blättern und zu sehen, wie Gregor Müller mit wenigen, durchdachten Strichen eine Person charakterisieren kann. Sie ist sofort am Gang oder an der Körperhaltung erkennbar.

Gregor Müller hat Design an der Hochschule in Mainz studiert und mit einem Diplom abgeschlossen. Heute ist er freiberuflich tätig. „Manche schreiben Tagebuch, andere halten ihre Eindrücke lieber mit dem Zeichenstift fest. Wenn die Worte fehlen, dann hilft häufig eine Skizze weiter“, erklärt er. Und fügt hinzu: „Es war wohl eine der Botschaften des Theaterherzogs an seine Mitmenschen, sich zeichnerisch im alltäglichen Miteinander auszudrücken.“

Diese Botschaft will die Sommerakademie in diesem Jahr aufgreifen. Sie bietet deshalb zwei Tageskurse an: „Menschen skizzieren“ und „Mit dem Skizzenbuch spazieren gehen“. Kursleiter Gregor Müller gibt gerne Anregungen, wie man durch genaues Beobachten sein Abstraktionsvermögen auf Trab bringen kann.

„Ob Zeichnung, Malerei oder Druckgrafik – alle neun Workshops in den vier verschiedenen Kursen werden von pädagogisch erfahrenen Künstlern geleitet“, sagt Bea Berthold. „Diese legen großen Wert darauf, jeden Teilnehmer – ob Anfänger oder Fortgeschrittener – individuell zu fördern.“

Der Auftaktkurs „Abstrakte Malerei“ am 6. und 7. August wird – wie schon im vergangenen Jahr – von der bekannten Künstlerin Elke Albrecht aus Eisenach geleitet. Doch diesmal werden sich die Teilnehmer nur die Inspiration im Park holen und ihre Ideen dann abstrahierend im Atelier in der Kunstschule umsetzen.

In vier Mal-Workshops begegnen die Kurs-Teilnehmer der freiberuflichen Künstlerin Elza Artamontzeva wieder. Die langjährige Kunstdozentin an der Jugendkunstschule Wartburgkreis, die unter anderem Gründerin und Fachdozentin der Kreativen Schule für Bildende Kunst im bulgarischen Sofia war, betreut die Workshops „Aquarellexperimente“, „Aquarellmalerei in der Natur“, „Wasser und Wasserspiegelung“ sowie „Landschaft trifft Architektur“.

Kursleiter Daniel Storch, der als Kunsthandwerker und Fotograf arbeitet, zeigt den Teilnehmern Schritt für Schritt den Weg zum eigenen Farblinolschnitt. In einem zweiten Workshop erklärt der gelernte Jagdwaffengraveur, wie man selbst eine Kaltnadelradierung herstellt und verrät dabei so manchen Kniff.

Die Teilnehmer der Sommerakademie dürfen sich auch diesmal wieder auf spannende, kreative Tage im Atelier im Grünen auf dem Altenstein freuen.

 

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