Achava-Festspiele Neugier auf andere Kulturen

Berit Richter
Das Abschlusskonzert der Musikschüler nach dem Workshop mit Helmut Eisel (links) gehört mittlerweile zur schönen Achava-Tradition. Diesmal ist es nicht das Thüringer Bach Collegium, das dabei unterstützt, sondern das Romano Glaszo Projekt aus Ungarn Foto: Berit Richter

Wenn im September zum 8. Mal die Achava-Festspiele stattfinden, wird Arnstadt wieder Teil davon sein. Die Zusammenarbeit mit der Musikschule ist zur schönen Tradition geworden.

Achava ist hebräisch und bedeutet Brüderlichkeit/Geschwisterlichkeit. „Seit acht Jahren bemühen wir uns um Toleranz und Verständigung, Neugier auf andere Menschen, Religionen und Kulturen. So wie Demokratie immer neu geschätzt und aktiv erhalten werden muss, ist auch ein friedliches Miteinander nicht selbstverständlich“, sagt Festival-Intendant Martin Kranz. „Die Achava-Festspiele spannen dieses Jahr einen Bogen vom Orient zum Okzident und zurück.“

„ Der stete Blick in die Vergangenheit hilft jetzt und in der Zukunft, Freundschaft der Feindschaft vorzuziehen, Hilfsbereitschaft in der Krise, Gastfreundschaft für Bedürftige und Empathie statt Misstrauen zu praktizieren“, führt er weiter aus und weiß: „Der Grundstein für die brüderliche Haltung wird in jungen Jahren gelegt, daher ist das Achava-Schülerprogramm eine wichtige Säule unserer Arbeit und die Schulen sind engagierte Partner. Unsere Konzerte und Straßenfeste, Ausstellungen, gemeinsames Singen und Erleben verbinden Menschen jeden Alters.

Seit 2015 gibt es in Thüringen die Achava-Festspiele, die ein wichtiges Zeichen für Toleranz und Dialog zwischen den Kulturen und Religionen setzen wollen. „Die Ereignisse der jüngsten Zeit zeugen von neuen erheblichen Spannungen zwischen Religionen und Kulturen. Vor diesem Hintergrund ist es wichtig, ja lebensnotwendig, die Gedanken von Menschlichkeit und Frieden, von Toleranz und Dialog verstärkt zum Ausdruck zu bringen“, umreißt Martin Kranz das Konzept. „Der Respekt gegenüber dem anderen ist das Ziel.“

In diesem Jahr wird das Festival vom 10. bis 25. September stattfinden und über 50 Veranstaltungen, davon neun große Konzerte, umfassen. Außerdem gehören Kochkurse, mehrere Workshops, Ausstellungen, Vorträge, Lesungen und Zeitzeugengespräche zum Programm. Obendrein werden auch wieder das Schülerforum im Thüringer Landtag und die Schülerpanels in verschiedenen Thüringer Schulen durchgeführt.

Besonderes Augenmerk richtet Martin Kranz dieses Jahr auf vier Themen: „Solange es möglich ist, wollen wir mit den Zeitzeugen des Holocausts arbeiten und bereiten weitere neue Bildungsformate für Schulen vor, die auch später eingesetzt werden können. Wir freuen uns besonders, dass Gotha als weiterer Veranstaltungsort und Partner dabei ist. In Eisenach sind wir dankbar für die Kooperation mit der Stadt und dem Kirchenkreis Eisenach-Gerstungen zu „500 Jahre Bibelübersetzung“ und in Erfurt ist endlich wieder die Peterskirche bespielbar. Ein wunderbarstimmungsvoller Konzertraum.“

„Gypsy Soul and Jewish Heart“

Auch Arnstadt ist wieder als Festspielort dabei. Schöne Tradition ist bereits der dreitägige Workshop von Klezmer-Spezialist und Klarinettist Helmut Eisel an der Musikschule. In diesem Jahr bekommt er Unterstützung vom zwölfköpfigen Romano Glaszo Projekt aus Ungarn. Unter dem Motto „Gypsy Soul and Jewish Heart“ wird der Workshop am 22. September im Theater Arnstadt in einem großen Konzert münden. In den letzten Jahren war das Thüringer Bach Collegium als Partner dabei und die Abschlusskonzerte ein absoluter Höhepunkt. 2021 erfolgte sogar die Einladung, in Berlin den Festakt zur Übernahme der Thüringer Bundesratspräsidentschaft musikalisch zu umrahmen.

In der Liebfrauenkirche wird am 18. September ein musikalischer Gottesdienst mit Synagogalmusik stattfinden. Beteiligt sind der Kantatenchor Arnstadt, Stephan Lutermann an der Orgel sowie die Kantoren Gabriel Loewenheim und Jörg Reddin. Stephan Lutermann wird am Tag zuvor in der Bachkirche synagogale Orgelmusik erklingen lassen. Es erklingen Werke von Schwantzer, Würzburger, Schalit und Beyer. Zwei Veranstaltungen, auf die sich auch Arnstadts Kantor Jörg Reddin bereits sehr freut.

www.achava-festspiele.de

 

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