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Lehrermedientag: „Trostlos“, aber nicht hoffnungslos

Kinder- und Jugendliche werden mit einer Menge an Informationen bombardiert wie keine Generation zuvor. Was ist in der Nachrichtenflut Realität und was Fälschung? Lehrer holen sich Rat bei ihrer Tageszeitung.



Noch nie haben Kinder und Jugendliche so viel Zeit mit dem Konsum von Medien zwischen Internet und Fernsehen verbracht wie heute. Und selten zuvor waren sie so leicht für dumm zu verkaufen. 80 Prozent der Jugendlichen können nicht zwischen Werbung und Nachrichten unterscheiden, hat eine Studie der renommierten Universität Stanford aufgedeckt. „Insgesamt“, schreiben die Forscher, „kann die Fähigkeit junger Leute, über die Informationen im Internet auch nachzudenken, mit einem Wort zusammengefasst werden: trostlos. Sie sind leicht zu täuschen.“

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Der Umgang mit Medien muss gelernt werden – und gelernt wird in der Schule. Die Vielfalt der Angebote und Herausforderungen droht aber selbst Pädagogen zu überfordern. Freies Wort , Südthüringer Zeitung und Meininger Tageblatt haben deshalb gemeinsam mit dem Thüringer Institut für Lehrerfortbildung, Lehrplanentwicklung und Medien (Thillm) den „Lehrermedientag der Zeitungen“ als Fortbildungsveranstaltung organisiert. 16 Zeitungsverlage aus ganz Bayern sowie die drei Südthüringer Blätter beteiligten sich an der Aktion, die am gestrigen Mittwoch zeitgleich an verschiedenen Orten stattfand.
Pädagogen aus ganz Südthüringen haben sich in Suhl getroffen und darüber diskutiert, wie man in der Schule mit gefälschten Nachrichten („Fake News“), Hass-Kommentaren und sozialen Netzwerken umgeht. „Es gibt viele Formen von Manipulation und Fake News. Die jungen Menschen lernen den Umgang damit nur, wenn sie schon von kleinauf an eine vernünftige Einordnung herangeführt werden“, sagte Synke Franz vom Staatlichen Berufsbildenden Schulzentrum Hildburghausen.
Das Internet hat das Leben zahlreicher Menschen bereichert, neue Chancen eröffnet und die Welt vielfach verbessert. Aber wo viel Licht ist, ist auch Schatten. Viereinhalb Stunden verbringen Jugendliche zwischen 14 und 19 Jahren jeden Tag im Internet, aber nur drei Minuten davon lesen sie Nachrichtenartikel. Der Rest der Zeit geht für Videos, Musik und den Austausch von Bildern und Gedanken mit Freunden drauf. Nur jeder Vierte in der Altersgruppe der 14- bis 29-Jährigen liest in der Tageszeitung. Bei den 45- bis 59-Jährigen sind es dagegen zwei von dreien, die auf professionell recherchierte und überprüfte Informationen nicht verzichten wollen.
Was sonst als hanebüchener Unsinn gilt, wird durch die Verbreitung an Hunderttausende oder gar Millionen Nutzer im Internet plötzlich zu „alternativen Fakten“: Kondensstreifen aus Flugzeugen versprühen Chemikalien, um die Bevölkerung ruhig zu stellen; Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton leitet einen Kinderporno-Ring; Flüchtlingen in Deutschland wird der Bordellbesuch bezahlt... „Als in Suhl die Sügida-Demonstrationen stattfanden, da konnte ich mit meinen Neuntklässlern nicht mehr diskutieren. Die hatten Scheuklappen auf“, meinte eine Lehrerin in der Diskussion.

„Fake News“ erkennen

„Die Diskussion mit den Schülern lohnt sich aber. In diesem Alter hat man noch kein gefestigtes Weltbild und kann sich auf andere Meinungen einlassen“, sagte Sebastian Haak, Politik-Korrespondent dieser Zeitung. Er gab den Lehrern eine Anleitung, wie sie haltlose Gerüchte mit Breitenwirkung entkräften können.
„Zuallererst: Benutzen Sie Ihren gesunden Menschenverstand und fragen Sie sich, ob die Information überhaupt plausibel ist“, erklärte er. Danach sollte man nach der Herkunft der Information schauen und ob diese Quelle ernstzunehmen ist. Wenn dann weiter Zweifel bestehen, gilt es selbst auf die Suche nach der Wahrheit zu gehen – indem man etwa in den Original-Gesetzen nachschlägt oder Journalisten die Recherche übernehmen lässt und in der Zeitung nachliest. „Spätestens dann wird auch der Dümmste feststellen, dass die Bundesrepublik noch nie für Bordellbesuche bezahlt hat und das auch in Zukunft nicht tun wird, auch nicht für Flüchtlinge“, sagte Haak. Zum Abschluss gelte es dann aber auch, die Gegenargumentation mit den Schülern zu führen. „Unsere Jugendlichen interessieren sich sehr für Politik und sind vielfach engagiert. Da sind sie besser als ihr Ruf. Aber das schützt natürlich nicht vor Fake News.
Als Lehrer hat mir der heutige Tag viel gebracht“, sagte Marina Luther von der Regelschule Bad Liebenstein. Neben dem „Lehrermedientag der Zeitungen“ bieten Freies Wort , Südthüringer Zeitung und Meininger Tageblatt das Projekt „Klasse!“ für ältere Schüler und „Klasse! Kids“ für Grundschüler an. Vier bis sechs Wochen erhalten die Schüler dann die Tageszeitung kostenlos und werten sie gemeinsam mit ihren Lehrern aus. Die Eltern dürfen in dieser Zeit natürlich auch mitlesen.
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