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Zeitspiel beendet: DFL stoppt Spielbetrieb doch sofort

Nichts geht mehr - und das doch sofort. Die DFL sagt den am Wochenende geplanten Geisterspieltag in beiden Bundesligen ab. In München und Dortmund werden ökonomische Sorgen geäußert. Ein erster Bundesliga-Profi ist an Covid-19 erkrankt.



Komplettabsage
Auch im deutschen Profi-Fußball ruht vorerst der Ball.   Foto: Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa

Die ersten Grenzen sind dicht, überall werden Schulen geschlossen - da entschied sich die Deutsche Fußball Liga nach langem Zögern doch noch zu einem radikalen Schritt.

Aufgrund von neuen Corona-Infektionen und entsprechenden Verdachtsfällen hat das DFL-Präsidium am Freitagnachmittag kurzfristig den 26. Spieltag in der Bundesliga und 2. Bundesliga an diesem Wochenende abgesagt.

Es reagierte damit noch vor dem ersten positiven Test eines Erstliga-Profis auf die Coronavirus-Pandemie - trotz mahnender Äußerungen aus München und Dortmund. Am Abend gab der SC Paderborn bekannt, dass Verteidiger Luca Kilian positiv getestet wurde.

Weil die Einsicht bei den Liga-Verantwortlichen spät kam, hatte sich zuvor bereits die Politik eingemischt. Nachdem die DFL-Führung am Freitagvormittag noch entschieden hatte, die Saison erst ab kommenden Dienstag für zweieinhalb Wochen aussetzen zu wollen, sagte Bremens Innensenator Ulrich Mäurer die für Montagabend geplante Partie zwischen Werder Bremen und Bayer Leverkusen kurzerhand ab.

Fast stündlich erhöhte sich danach der Druck auf die DFL, die zunächst als einzige Top-Liga in Europa auf Zeit spielen und den Spielbetrieb am Wochenende aufrecht erhalten wollte. Zunächst musste Zweitligist 1. FC Nürnberg seine gesamte Mannschaft wegen eines positiven Falles in Quarantäne schicken, später beantragten Fortuna Düsseldorf und der SC Paderborn wegen einiger Verdachtsfälle die Verlegung des für Freitagabend geplanten Bundesliga-Kellerduells.

Bei Paderborns Chefcoach Steffen Baumgart hatte sich ein Verdacht auf Sars-CoV-2 zwar nicht bestätigt, doch bei Kilian schlug der Test an. «Der SCP07 wird in enger Abstimmung mit den Behörden vor Ort umfangreiche Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus einleiten. Am morgigen Samstag werden sich die Spieler und alle Mitglieder des Funktionsteams einem Test zum Coronavirus unterziehen», teilte das Bundesliga-Schlusslicht mit.

«Die Gesundheit unserer Spieler und Mitarbeiter hat weiterhin absoluten Vorrang. Wir werden alles tun, um die Erkrankung im Rahmen zu halten und unseren Spielern und Mitarbeitern die bestmögliche medizinische Versorgung und Betreuung zukommen lassen», betonte Geschäftsführer Sport Martin Przondziono.

Während die Saison unter anderen in Spanien, Italien, Frankreich und England wegen der Pandemie unterbrochen ist und die UEFA eine Aussetzung der Champions League und Europa League verfügte, ließ die DFL die Konsequenz zunächst vermissen, erntete dafür einige Kritik.

«Das ist verrückt», twitterte Bayern-Profi Thiago mit Blick auf die geplante Austragung des Gastspiels des Tabellenführers beim 1. FC Union Berlin am Samstag. «Es gibt es viel wichtigere Prioritäten als Sport.» Noch deutlicher wurde Union-Torwart Rafal Gikiewicz: «Fußballer werden in dieser Situation behandelt wie Affen im Zirkus.»

Die unter anderen von Wolfsburgs Trainer Oliver Glasner geforderte Kehrtwende war am Ende unausweichlich. «Wir haben uns am Nachmittag dazu entschieden, alle Spiele abzusagen, weil weitere Verdachtsfälle aus der 1. und 2. Bundesliga dazu gekommen sind», begründete Alexander Wehrle, DFL-Präsidiumsmitglied und Geschäftsführer des 1. FC Köln, die Entscheidung. «Es ist nicht auszuschließen, dass morgen oder am Sonntag weitere hinzukommen. Die Gesundheit aller hat oberste Priorität», sagte er dem TV-Sender RTL/ntv.

Bis zum Freitagnachmittag war lediglich die Zweitliga-Partie Hannover 96 gegen Dynamo Dresden von einer Absage betroffen, weil sich die Niedersachsen bereits in Quarantäne befanden, nachdem sich die Profis Timo Hübers und Jannes Horn infiziert hatten. «Keiner kann seriös sagen, wie es in den nächsten Wochen weitergehen wird. Deshalb macht es Sinn, auch diesen Spieltag abzusagen, um wieder etwas Zeit zu gewinnen», meinte Werder Bremens Sport-Geschäftsführer Frank Baumann.

Bayern Münchens Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge hatte die zunächst geplante Durchführung des Bundesliga-Spieltages zuvor begrüßt. «Im Profi-Fußball geht es am Ende des Tages auch um Finanzen. Es steht noch eine hohe Zahlung von den TV-Broadcastern aus. Wenn diese Zahlung ausbleiben würde, wäre zu erwarten, dass zumindest viele kleine und mittlere Vereine finanzielle Probleme kriegen würden», sagte Rummenigge am Freitag. «Da steht für die gesamte Liga ein größerer dreistelliger Millionenbetrag im Feuer. Das muss berücksichtigt werden», betonte der Bayern-Boss.

Borussia Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke malte ein düsteres Bild. Der deutsche Profi-Fußball befinde sich «in der größten Krise seiner Geschichte», sagte Watzke. «Es steht zu hoffen, dass die Bundesliga-Clubs in den vergangenen Jahren so viel Substanz gebildet haben, dass alle diese Krise überstehen.» Der BVB sei existenziell aber nicht gefährdet.

In eine ähnliche Kerbe schlug die DFL. «Ziel ist es weiterhin, die Saison bis zum Sommer zu Ende zu spielen - aus sportlichen Gesichtspunkten, aber insbesondere auch weil eine vorzeitige Beendigung der Saison für einige Clubs existenzbedrohende Konsequenzen haben könnte», hieß es in einer Erklärung. Union Berlins Präsident Dirk Zingler, der noch gegen einen Zuschauer-Ausschluss gewesen war, begrüßte nun die Komplett-Absage.

Am Montag will die DFL mit den Vertretern der 36 Profivereine auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung in einem Frankfurter Hotel über eine Fortsetzung der Saison-Unterbrechung bis zum 2. April beraten. «Alle werden mit hoher Sensibilität und Solidarität an die Geschichte herangehen», kündigte Rummenigge an. Eintracht Frankfurts Sportvorstand Fredi Bobic forderte: «Jetzt müssen wir alle einen kühlen Kopf bewahren und gemeinschaftlich kluge und sinnvolle Entscheidungen im Sinne des Fußballs treffen.»

Der Deutsche Fußball-Bund und die 21 Landesverbände legten den gesamten Spielbetrieb unterhalb der beiden Profiligen am Freitag ebenfalls still. Damit ruht der Ball ab sofort auf allen Plätzen in Deutschland. «Der Fußball tritt in diesen Tagen einen großen Schritt zur Seite. Er ist und bleibt die schönste Nebensache der Welt. Aber eben eine Nebensache, wenn es um die Gesundheit geht», sagte DFB-Präsident Fritz Keller. Er plädierte zugleich für eine Absage der Ende März geplanten Länderspiele der DFB-Auswahl in Spanien und gegen Italien. «Ich gehe davon aus, dass die Spiele auf Basis der heutigen Faktenlage nicht stattfinden können», so Keller.

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dpa

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Veröffentlicht am:
14. 03. 2020
11:50 Uhr

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14. 03. 2020
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