Lade Login-Box.
Fotowettbewerb 2020 zum Digital-Abo
Topthemen: Podcast: Offen gesagt#GemeinsamHandelnCoronavirus in ThüringenCorona-Hilfsbörse

Sport

Woche der Signale: Bundesliga hofft auf Wiederanstoß im Mai

Rollt der Ball in dieser Bundesliga-Saison noch einmal? Die Deutsche Fußball Liga plant eifrig, doch es gibt viele Hürden - und Grünes Licht kann ohnehin nur die Politik geben.



Geisterspiele
Gehören wohl vorerst zum Bundesliga-Bild: Geisterspiele vor leeren Rängen.   Foto: Roland Weihrauch/dpa

Am Mittwoch sind die Beratungen von Bundeskanzlerin Angela Merkel mit den Ministerpräsidenten der Länder über das weitere Vorgehen in der Corona-Krise.

Am Freitag ist die nächste außerordentliche Mitgliederversammlung der Deutschen Fußball Liga: In dieser Woche könnte es sich entscheiden, ob es in der 1. und 2. Bundesliga einen Wiederanpfiff mit Geisterspielen gibt. Während in vielen anderen Sportarten weiter fleißig verschoben und abgesagt wird, feilt die DFL an ihrem Masterplan für die Fortsetzung der Saison ab Anfang Mai.

Bereits vor dem fußballlosen Osterfest machte DFL-Boss Christian Seifert deutlich: Die Dachorganisation der 36 Proficlubs und die Vereine werden gewappnet sein für den wochenlangen Ausnahmezustand, der derzeit trotz der Pandemie noch immer eine Beendigung der Spielzeit bis 30. Juni und ohne Zuschauer in den Stadien vorsieht. Es geht um insgesamt 750 Millionen Euro aus der TV-Vermarktung, die den in massive finanzielle Bedrängnis geratenen Clubs beim Abbruch der Spielzeit verloren gehen würden.

Um die neun verbleibenden Spieltage in beiden Ligen noch zu absolvieren, werden zahlreiche Tests und Maßnahmen für die Profis nötig sein. So könnte das Risiko von neuen Infektionsketten im wöchentlichen Spielbetrieb minimiert werden. «Es wird nicht der Fall sein, dass auch nur eine Ärztin, ein Arzt, eine Krankenschwester oder ein Krankenpfleger, die für das System wirklich relevant sind, nicht getestet werden kann, weil Fußballspieler getestet werden müssen», stellte Seifert in der «New York Times» klar.

Was ist das Hauptproblem?

Unklar ist derzeit, ob es überhaupt genügend Testkapazitäten für das Millionenbusiness Fußball gibt. Der Städte- und Gemeindebund hat flächendeckende Corona-Tests als Voraussetzung für eine Lockerung der Schutzmaßnahmen genannt. Statt derzeit 60 000 müsse es bis Ende Mai 500 000 Tests pro Tag geben. So manche Virologen sehen die Kapazität der Labore als begrenzt an, gleichzeitig gibt es Berichte über nicht ausgelastete Labore. Die Testkapazitäten werden regelmäßig gesteigert, allerdings lässt sich nicht vorhersagen, wie es um diese in ein paar Wochen bestellt ist.

Zudem würden Geisterspiele monatelange Einschränkungen und strikte Maßnahmen für die Profis erfordern. «Dieses Szenario ist natürlich nur in völliger Übereinstimmung mit den Vorgaben der Gesundheitsbehörden vorstellbar», sagte auch DFB-Präsident Fritz Keller. «Eines ist klar: Der Fußball hat keine Sonderrolle», betonte der Mainzer Sportvorstand Rouven Schröder im «Kicker». Die DFL will und kann keine moralische Debatte um eine Sonderrolle des Profifußballs haben, den sie als Wirtschaftszweig sieht.

Aus der Politik gibt es Stimmen, die einen schnellen Neustart des Spielbetriebs herbeisehnen. Der FDP-Vorsitzende Christian Lindner sagte in einem Gastbeitrag für die «Frankfurter Allgemeine Zeitung», im Profisport wie der Bundesliga, «wo es eine dichte medizinische Begleitung der Athleten gibt, sollten wir den Wettbewerb ohne Publikum wieder zulassen.»

SPD-Politiker und Gesundheitswissenschaftler Karl Lauterbach gab im «Spiegel» zu bedenken: «Fußball wäre theoretisch nur denkbar, wenn die Spieler ein paar Tage vor dem Spiel getestet und dann bis zum Spielbeginn isoliert würden, damit sie sich nicht gegenseitig infizieren. Hat sich ein Spieler angesteckt, müssen er und alle Mannschaftskollegen in Quarantäne.»

Nach einem MDR-Bericht sollen bei einem positiven Befund nicht mehr alle Spieler der Mannschaft in Quarantäne geschickt werden, sondern nur der infizierte. Die DFL hat dies bislang nicht bestätigt.

Wie sollen die sogenannten Geisterspiele ablaufen?

Mit möglichst wenigen Menschen. Die DFL hat den Vereinen darüber ein Szenario an die Hand gegeben, in dem zunächst mit 239 Personen gerechnet wird. Beim bis dato einzigen Geisterspiel (Mönchengladbach gegen Köln am 11. März) waren es noch etwa 600 Menschen. Für die Vereine sind pro Delegation nur acht Personen vorgesehen.

Welche Besonderheiten sind beim Restart der Bundesliga denkbar?

Zum Beispiel könnten Schiedsrichter aus München - wie Felix Brych - in der restlichen Saison auch den FC Bayern pfeifen, was sonst nicht möglich ist. Dies berichtete die «Bild-Zeitung». Die Referees sollen am Spieltag anreisen, pfeifen und wieder abreisen, zudem einen Tag vor ihrem Einsatz getestet werden. Weiter denkbar sind auch Szenarien, wonach Spiele nicht mehr zwingend am eigentlich vorgesehenen Ort stattfinden. Bei Geisterspielen wird der Heimvorteil ohnehin stark an Wert verlieren.

Was steht in der Woche nach Ostern für die Bundesliga an?

Eine weitere außerordentliche Mitgliederversammlung als Schalte am Freitag, bei der über das weitere Vorgehen beraten wird. Es ist nach Mitte März und Ende März bereits die dritte in der Corona-Krise. Bisher wurde jeweils die Aussetzung der Ligen bis zu einem gewissen Zeitpunkt beschlossen, diesmal könnte es um einen Starttermin für die Wiederaufnahme gehen. Der Profifußball ist aber entscheidend von den Signalen aus der Politik abhängig. «Wir haben es nicht in der Hand», hatte Ligaboss Seifert der Wochenzeitung «Die Zeit» gesagt.

Was kann sich bei Transfers ändern?

Die FIFA hatte zuletzt unter anderem mit neuen Transfer-Richtlinien den Weg für eine Verlängerung der Saison frei gemacht. Dabei will der Weltverband allen Anträgen, das Enddatum dieser Spielzeit nach hinten zu verschieben, stattgeben. Dafür sei keine zeitliche Begrenzung gesetzt, betonte die FIFA am Oster-Wochenende auf dpa-Anfrage.

Zudem ist auch für die Transferfenster weitere Flexibilität geplant. Bislang gibt es zwei Phasen, in denen Spieler wechseln dürfen: eine zwischen den Saisons, die nicht länger als zwölf Wochen dauern darf, und eine zur Mitte der Saison, die vier Wochen nicht überschreiten darf. «Was wir jetzt sehen könnten in der Krise, wäre, dass Verbände ein zusätzliches, drittes Transferfenster öffnen», stellte James Kitching, FIFA-Direktor Football Regulatory, in der ARD-«Sportschau» zu den neuen Empfehlungen klar.

Veröffentlicht am:
13. 04. 2020
13:18 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
ARD Bundeskanzler der BRD Bundeskanzlerin Angela Merkel Christian Lindner FC Bayern München FDP-Parteivorsitzende FIFA Football Fritz Keller Fußball Infektionskrankheiten Karl Lauterbach Krankenpflegerinnen und Krankenpfleger Politikerinnen und Politiker der SPD Profifußball Schalke 04 Sport1 (Germany) Twitter Virologen Ärzte
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Weston McKennie

01.06.2020

«Justice for George»: Proteste bringen DFB in ein Dilemma

Weltweit protestieren Sportler nach dem Tod des Afroamerikaners George Floyd in den USA gegen Rassismus und Polizeigewalt. Die Welle erreicht auch die Fußball-Bundesliga. Spieler machen ihre Haltung deutlich. Das Narrati... » mehr

Beste Plätze

17.05.2020

Geister-Schauspiel auf Bewährung: Re-Start fast unfallfrei

Der Neustart ist der Bundesliga gelungen. Größere Zwischenfälle bleiben aus, auch wenn die Geisterspiele gewöhnungsbedürftig sind. Schon gibt es Signale aus der Politik für Lockerungen für den Profifußball nach der Somme... » mehr

DFL

23.04.2020

DFL hofft auf Neustart der Fußball-Bundesliga im Mai

Die Corona-Zwangspause im Fußball dauert an. Wann es weitergeht, muss die Politik entscheiden. Die DFL hat zumindest die Voraussetzungen dafür geschaffen. Doch es gibt auch ein Worst-Case-Szenario. » mehr

Vorahnung

23.06.2020

Corona-Einigkeit vorbei: Bundesliga-Kampf um Milliarden

Der Profifußball erhält 4,4 Milliarden Euro zwischen 2021 und 2025 aus dem TV-Vertrag. Nun beginnt der große Kampf ums Geld. Von der Einigkeit und der Solidarität aus der Corona-Pause ist kaum etwas übriggeblieben. Der D... » mehr

Fritz Keller

09.04.2020

DFB-Präsident Keller rechnet mit Insolvenzen im Profifußball

In der Corona-Krise mehren sich die Hilferufe der Vereine. DFB-Präsident Keller nimmt diese sehr ernst und rechnet mit Pleiten auch im Profifußball. » mehr

Geisterspiele

21.04.2020

Schneller Start? Termin für Geisterspiele bleibt offen

Die Krise als Chance verstehen - das möchten viele organisierte Fans in Deutschland. Die DFL reagiert darauf. Das Bundesinnenministerium geht mit einem Terminvorschlag defensiv um. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Autokino Konzert mit der Band Die Letze Rettung Meiningen

Autokino Konzert | 27.06.2020 Meiningen
» 24 Bilder ansehen

AfD Treffen in Suhl Suhl

AfD Treffen in Suhl | 26.06.2020 Suhl
» 27 Bilder ansehen

Brand in Schmalkalden Schmalkalden

Brand Carport Schmalkalden | 24.06.2020 Schmalkalden
» 5 Bilder ansehen

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
13. 04. 2020
13:18 Uhr



^
OK

Diese Webseite verwendet u.a. Cookies zur Analyse und Verbesserung der Webseite, zum Ausspielen personalisierter Anzeigen und zum Teilen von Artikeln in sozialen Netzwerken. Unter » Datenschutz erhalten Sie weitere Informationen und Möglichkeiten, diese Cookies auszuschalten.