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Sport

Wie die Fans mit den Geisterspielen umgehen: «Totentanz»

«Nein zum Fußball ohne Fans!» Ultra-Gruppen der «United supporters of Europe» fordern die Aussetzung des Spielbetriebs auf dem gesamten Kontinent. In der Bundesliga rollt der Ball am Wochenende wieder. Anhänger befürchten einen «Totentanz».



Pappkameraden
Im Borussia-Park stehen Pappaufsteller von Fans von Borussia Mönchengladbach.   Foto: Marius Becker/dpa

Pappkameraden als Fake-Fans und einsame Banner auf den Tribünen, halbherziger Jubel vor dem Fernseher - richtig Fußball ist das nicht! Für die Anhänger beginnt am Samstag die triste Zeit der Geisterspiele.

Eingefleischte Fans können sich mit dem Notbetrieb ohne Zuschauer in der 1. und 2. Bundesliga einfach nicht anfreunden. Sie sehen bestenfalls die wirtschaftliche Notwendigkeit für die Clubs. «Das ist ungefähr so», beschreibt Sig Zelt, Sprecher des Bündnisses «ProFans», den emotionalen Zustand der Szene, «als wäre man zu einer Hochzeit eingeladen, bei der man die Braut am liebsten selbst heiraten würde.»

Am Mittwoch veröffentlichten die «United supporters of Europe» einen Aufruf von hunderten Gruppierungen, unterzeichnet auch von 20 Ultra-Clubs aus Deutschland: «Nein zum Fußball ohne Fans!» Weiter heißt es: «Wir bitten die UEFA und die nationalen Verbände ausdrücklich darum, den Stopp der Fußball-Wettbewerbe aufrechtzuerhalten, bis volle Stadien wieder ungefährlich für die öffentliche Gesundheit sind.» Man verstehe nicht, wie wirtschaftliche Interessen über die Gesundheit der Menschen gestellt werden.

Fan-Experte Harald Lange von der Julius-Maximilians-Universität Würzburg findet es spannend zu sehen, was mit der Bundesliga ohne Fans passiert. «Auf jeden Fall ist der Fußball in Deutschland in einer schwierigen Situation. Die Stimmung ist in den letzten Wochen spürbar gekippt», sagte der Sportwissenschaftler der «Heilbronner Stimme». «Der Imageschaden ist nach der Diskussion der letzten Tage enorm, und es besteht tatsächlich die Gefahr, dass dem Fußball die Fanbasis wegbricht.» Fan-Organisationen drängen vehement auf einen Wertewandel im Profigeschäft und fordern einen «neuen Fußball». Rund um den Rasen kundtun können sie das in der Corona-Krise nicht.

Polizei und Politiker beschäftigt seit Wochen die Sorge, dass es vor den Stadien oder in den Städten zu Fan-Aufläufen kommt, wo die Abstandsregeln nicht eingehalten werden. Öffentliche Ankündigungen in diese Richtung gibt es allerdings nicht.

Massive Verstöße könnten sogar ein Spiel verhindern oder zum Abbruch bringen, auch wenn das der Worst Case wäre. «Das würde im konkreten Fall auf die Umstände ankommen, aber so weit will ich ehrlicherweise gar nicht gehen», sagte Christian Seifert, der Boss der Deutschen Fußball Liga (DFL), im ZDF-«Sportstudio». «Wenn Sie heute sagen würden, es bewegen sich plötzlich 3000 Menschen ganz gezielt aufs Stadion zu (...), dann kann es sein, dass man gegen die Auflagen verstößt. Ich will da nicht spekulieren.» Er habe, und das betonte Seifert ausdrücklich, aus all den Gesprächen mit Fan-Kreisen «nicht den Eindruck, dass das tatsächlich eine Gefahr ist».

Das Bündnis «Südtribüne Dortmund» hat bereits zu Beginn der Pandemie für das Derby gegen den FC Schalke 04 angekündigt: «Auch wenn bei uns natürlich der Wunsch besteht, der Mannschaft beispielsweise durch einen Busempfang die größtmögliche Motivation für ein Derby vor leeren Rängen mit auf den Weg zu geben, werden wir uns NICHT vor dem Westfalenstadion versammeln.» Ähnliche Stellungnahmen gab es auch von Fangruppen anderer Vereine.

Die gelockerten Corona-Bestimmungen könnten «unter 'ausgehungerten' Fußballfans zu einer unbedarften Leichtsinnigkeit führen». So warnte der stellvertretende Bundesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei, Jörg Radek, im «Kicker». Er hoffe aber, dass dem nicht so sein wird, fügte er hinzu. «Natürlich wird die Polizei die Situation um die Stadien im Auge haben.»

Verantwortlich für die Sicherheit auf dem Stadiongelände sind die Heimclubs, das gilt auch für die Abläufe bei den Spielen ohne Zuschauer. Im «Organisations-Rundschreiben Sonderspielbetrieb» der DFL ist genau festgelegt: Eine akustische Simulation von Stadionatmosphäre während des Spiels, zum Beispiel in Form eines Klangteppichs oder von Fan-Jubel bei Toren, ist untersagt. Genehmigt ist nur das Einspielen von Tor- und Einlaufmusik - und mit der Fanszene besprochene Aktionen wie Pappkameraden oder Fanbanner, die unter Einhaltung des Hygienekonzepts aufgestellt oder ausgelegt werden.

Mönchengladbach hat im Rahmen seiner Aktion «Sei dabei. Trotzdem!» bisher über 12 000 Pappfiguren mit dem Konterfei von Fans zu einem guten Zweck verkauft. Diese werden im Borussia-Park stehen. «ProFans»-Vertreter Zelt findet so etwas «furchtbar: Damit wird dem Fußball der letzte Rest an Authentizität genommen.» Eine Münchner IT-GmbH sammelt über eine App (MeinApplaus.de) das Klatschen und den Jubel der Fans digital ein. Dass diese Geräuschkulisse über die Stadionlautsprecher übertragen wird - nicht erlaubt!

«Es wird viele Leute geben, die die Spiele nur am Rande verfolgen, weil ihnen das Wesentliche fehlt», sagte Markus Sotirianos, der zweite Vorsitzende von «Unsere Kurve». Er meint damit nicht nur das laute und bunte Treiben auf den Tribünen, sondern vor allem die sozialen Kontakte, die ein Fan vor, bei und nach den Spielen hat. Der Darmstädter prophezeit für den Wiederanpfiff: «Das wird ein ziemlicher Totentanz und eine ziemlich traurige Angelegenheit.»

Veröffentlicht am:
13. 05. 2020
13:49 Uhr

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Autor

dpa

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Veröffentlicht am:
13. 05. 2020
13:49 Uhr



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