Lade Login-Box.
Sommerausklang in Südthüringen zum Digital-Abo
Topthemen: Freies Wort hilftCoronavirus in ThüringenFolgen Sie uns auf Instagram

Sport

«Wie der erste Schultag»: Re-Start in der Radsport-Blase

Nach gut vier Monaten Corona-Pause rollen die Räder wieder. In Siebenbürgen vollzieht die Profibranche den ersten Schritt zurück zur Normalität. Alles ist anders. War der Radsport immer ein Sport zum Anfassen, gibt es nun strikte Regeln.



Pascal Ackermann
Ist beim Radsport-Restart in Rumänien mit dabei: Sprintstar Pascal Ackermann.   Foto: Clara Margais/dpa

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen. Absperrgitter teilten den historischen Marktplatz in der Altstadt von Hermannstadt (Sibiu) in einen öffentlichen und einen gesperrten Bereich.

Im öffentlichen Bereich saßen Hunderte Menschen an den im Freien aufgestellten Tischen der umliegenden Restaurants. Sie tranken Bier, hatten gehäufte Teller mit Fleisch, Salat und gebratenem Gemüse vor sich und schauten interessiert auf den Prolog der Sibiu Tour. Eigentlich ein unbedeutendes Rennen, wäre es nicht das erste Profi-Radrennen nach der Corona-Zwangspause.

Die komplette Strecke durch die malerisch restaurierte Altstadt war abgesperrt, allerdings nicht durchgängig mit Gittern. Manchmal flatterte nur ein Absperrband im Wind. Die Menschen, die hier ihren täglichen Wegen nachgingen, in kleinen Grüppchen auch an der Strecke verweilten, hielten sich an diese Zeichen. Niemand passierte die Strecke, wenn ein Radsportler in Sicht war. Vorsicht und Rücksichtnahme regierten, und bis der Regen alle Schaulustigen unter die Dächer brachte und nur die beim Rennen eingeschriebenen Fahrer auf den Straßen unterwegs waren, herrschte sogar so etwas wie Radsportstimmung.

«Es war ein wenig wie der erste Schultag. Lange Zeit gab es ja keine Rennen. Keiner von uns wusste, wo er steht. Ich war schon drei Stunden vor dem Start sehr nervös», erzählte der spätere Sieger des Prologs, Nikodemus Holler (29), der Deutschen Presse-Agentur. Holler, Halbprofi beim deutschen Continental-Rennstall Bike Aid, hatte in der Regenlotterie die passende Strategie gewählt und so die Vollprofis von Bora-hansgrohe und Israel Start-Up Nation düpiert.

Für Cosmin Costea, Streckenmanager und zugleich Covid-19-Organisator - eine ganz neue Jobbeschreibung in diesen Zeiten - handelt es sich nicht um das erste Rennen nach Corona, sondern um das «erste Rennen mit Corona». Costea macht einen besonnenen Eindruck. Er arbeitet nach eigenen Angaben seit 1987 im Gesundheitswesens Rumäniens als Medizintechniker. Seine Verbindungen in diesem Sektor waren hilfreich für die Planung. «Wir wollen ein sicheres Rennen. Wir wollen die Fahrer schützen, damit sie sich nicht anstecken und die Infektion weiter verbreiten. Und wir wollen die Bevölkerung schützen, damit keine Infektionen von draußen durch die Teams kommen», sagte er der dpa.

Deshalb gibt es die abgesperrten Bereiche. Die Teams sind in einer eigenen Sicherheitsblase, die Organisatoren in einer weiteren, die wenigen Medienvertreter in einer dritten. Fahrer und Betreuer mussten Covid-19-Tests vornehmen. Sie waren alle negativ. In den Hotels wird zweimal täglich die Temperatur gemessen. «Gibt es Anzeichen auf eine Infektion, wird sofort ein Test durchgeführt. Ist der dann positiv, wird der Fahrer ins Krankenhaus gebracht und sein Team aus dem Rennen genommen. Ob noch weitere Teams aus dem Rennen genommen werden müssen und ob es überhaupt weiter gehen kann, werden wir dann in einer Task Force aus Teamärzten, Teamvertretern und Vertretern der Behörden beraten», erklärte Costea. Die endgültige Entscheidung über einen Rennabbruch behält sich aber der Weltverband UCI vor.

Die Fahrer fühlen sich nach den ersten Eindrücken gut aufgehoben in Siebenbürgen. «Ein bisschen Risiko ist immer dabei. Aber wir sind sicher unterwegs, sind in unserer eigenen Blase. Der Veranstalter macht einen super Job, passt auch auf, dass beim Essen niemand anderes dabei ist», meinte Pascal Ackermann (26). Der Sprintstar von Bora-hansgrohe will bei den Sprintetappen seine ersten Siege nach der Lockerung einfahren. Für den Gesamtsieg sollen die österreichischen Bergspezialisten Gregor Mühlberger und Patrick Konrad sorgen. Es gibt prominente Vorgänger in den Bestenlisten. 2017 siegte hier der spätere Toursieger Egan Bernal. 2014 wurde dessen gegenwärtig härtester Herausforderer Primoz Roglic Dritter.

© dpa-infocom, dpa:200724-99-909931/3

Veröffentlicht am:
24. 07. 2020
11:41 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Altstädte Bereich Hotels Deutsche Presseagentur Egan Bernal Gaststätten und Restaurants Nationen Pascal Ackermann Primoz Roglic Radsportler Rennabbruch Rennen Siebenbürgen Teamärzte Öffentlichkeit
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Chris Froome

09.08.2020

Evenepoel dreht auf - Froome muss um Tour-Ticket zittern

Der viermalige Tour-Champion Chris Froome ist scheinbar außer Form. Womöglich wird der Brite nicht einmal für die Frankreich-Rundfahrt nominiert. Nach der Corona-Zwangspause brillieren stattdessen Jungstars wie Egan Bern... » mehr

Daniel Martinez

16.08.2020

Kritik nach Rad-Stürzen - Buchmann und Schachmann verletzt

Kurz vor der Tour de France ist das Favoritenfeld durch etliche Stürze bei der Dauphiné-Rundfahrt durcheinandergewirbelt worden. Besonders schwer wird das deutsche Rad-Team Bora-hansgrohe getroffen. Einen Horrorsturz gib... » mehr

Egan Bernal

16.09.2020

Titelverteidiger Bernal beendet Tour: Debakel für Super-Team

Alles für Egan Bernal, hieß das Motto beim Super-Rennstall Ineos. Die Ex-Champions Chris Froome und Geraint Thomas mussten daheim bleiben. Der Plan geht nach hinten los. Nach sieben Toursiegen in den letzten acht Jahren ... » mehr

Pogacar und Roglic

14.09.2020

107. Tour de France eine slowenische Angelegenheit

Slowenien liegt im Duell mit Kolumbien um den Sieg bei der Tour de France aktuell klar vorne. Roglic und Pogacar fahren in einer eigenen Liga. Die Kletterer aus den Anden hoffen auf die letzte Woche, wenn es über 2000 Me... » mehr

Radsport-Talent

04.09.2020

Tour zum Vergessen für Kämna - «Bin am Daueranschlag»

Er ist das Versprechen für die Zukunft, ein möglicher Kandidat für das Tour-Podium von Morgen. Aktuell sind derartige Ziele aber ganz weit weg. Nach drei Stürzen ist Kämna keine große Hilfe für Kapitän Buchmann. Der Youn... » mehr

Tour-Favorit

02.09.2020

Slowenien feiert Radstars - Zweifel begleiten Erfolgsstory

Ex-Skispringer Roglic und Supertalent Pogacar dominieren beim ersten Tour-Kräftemessen. Zwei Fahrer aus dem kleinen Slowenien, das im Radsport immer mehr den Ton angibt. Begleitet wird die slowenische Erfolgsgeschichte a... » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Unfall ICE Schafe Schalkau Tunnel Müß

ICE rammt Schafherde | 23.09.2020 Schalkau Tunnel Müß
» 14 Bilder ansehen

2020-09-22

Feuerwehr-Übung Ilmenau | 22.09.2020
» 17 Bilder ansehen

Großbrand Themar Themar

Großbrand Themar | 22.09.2020 Themar
» 57 Bilder ansehen

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
24. 07. 2020
11:41 Uhr



^