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Sport

Wem gehört der Fußball? - Rummenigge kontra Ultras

Das schwierige Verhältnis von Bundesliga-Clubs und Ultras ist in der Geisterspiel-Zeit in den Hintergrund gerückt. Nach der Gründung eines neuen Bündnisses und begleitet von der Frage nach der Fan-Rückkehr in die Stadien nimmt die Diskussion wieder Fahrt auf.



Karl-Heinz Rummenigge
Kritisiert die Erwartungshaltung von Fan-Gruppierungen: Karl-Heinz Rummenigge, Vorstandsvorsitzender des FC Bayern München.   Foto: Roland Weihrauch/dpa

In der Debatte um einen Wertewandel im Fußball hat Karl-Heinz Rummenigge Forderungen von Ultra-Gruppierungen kritisiert und stößt damit auf Unverständnis bei organisierten Fans.

Der Vorstandschef des FC Bayern München bemängelte dabei auch die Namensgebung eines neuen Bündnisses, das die Einschätzungen des 64-Jährigen konterte. Nachdem das schwierige Miteinander zwischen Clubs, Verbänden und Ultras in der Geisterspiel-Zeit in den Hintergrund gerückt ist, nimmt die Diskussion nach Gründung von «Unser Fußball» und mit der offenen Frage nach der Rückkehr von Fans in die Bundesliga-Stadien wieder Fahrt auf.

«Wir sind jetzt leider angekommen an einem Punkt, an dem ich von den Ultras immer nur lese: Wir fordern dies, wir fordern das. Jetzt wollten sie Mitsprache bei der Debatte um die Verteilung der TV-Gelder», sagte Rummenigge der «Sport Bild». «Aber wenn ich immer nur fordere, aber nie bereit bin, Pflichten und auch Verantwortung zu übernehmen, endet das in einer Einbahnstraße.»

Zahlreiche Fanszenen hatten sich zum Bündnis «Unser Fußball» zusammengeschlossen, das nach eigenen Angaben von rund 400.000 Anhängern unterstützt wird. Sie fordern von der Deutschen Fußball Liga und dem Deutschen Fußball-Bund die Einleitung konkreter Reformen und ein Handeln von Vereinen und Verbänden noch vor dem Saison-Start.

Die Kritik von Rummenigge wies die Organisation zurück. «Fußballfans geben sehr viel - vor allem Zeit und Leidenschaft, alles das, was den Fußball zu mehr macht als nur zu einem Sport», sagte Sprecher Jan-Henrik Gruszecki. «Wer das macht, der darf auch durchaus mal auf Dinge aufmerksam machen.»

Rummenigge bemängelte die Namensgebung des neuen Bündnisses, das nach eigenen Angaben mehr als 2300 Fanclubs- und Gruppierungen sowie über 12 000 Einzelpersonen unterstützen. «Ich finde, der Name ist etwas anmaßend», sagte Rummenigge über «Unser Fußball». «Wem gehört der Fußball? Am ehesten noch denen, die ihn spielen - egal, auf welchem Niveau. Die Fans sind Teil des Fußballs, aber er gehört ihnen nicht.»

Die Aussage zeige, «dass Karl-Heinz Rummenigge nichts verstanden hat», konterte Gruszecki. «Die Fanclubs die unterschrieben haben, sagen, so würden wir unseren Fußball definieren», erklärte er. «Wir sagen nicht, "uns gehört der Fußball". Wenn jemand sagt, "wir müssen unseren Planeten retten", impliziert das ja auch nicht, dass demjenigen selbst der Planet gehört.»

Die verschiedenen Blickwinkel auf das Milliarden-Business und unterschiedlichen Wertevorstellungen sorgen seit jeher für ein schwieriges Verhältnis zwischen Clubs und einigen Fan-Gruppierungen. Ein unrühmlicher Höhepunkt waren Anfeindungen gegen Hoffenheim-Mäzen Dietmar Hopp, der in dem Interview zusammen mit Rummenigge zu Wort kommt. Diese hätten im Februar fast für einen Spielabbruch in der Liga-Partie der TSG 1899 Hoffenheim gegen den FC Bayern (0:6) gesorgt.

In herausfordernden Zeiten der Coronavirus-Pandemie und von Spielen ohne Zuschauer geriet die Thematik dann in den Hintergrund. Der von Fans und in Folge der schwierigen Corona-Zeit auch vermehrt aus dem Profifußball heraus geäußerte Wunsch nach Veränderungen fand viel Zuspruch. Ausmaß und Umsetzung werden aber noch für reichlich Diskussionsstoff sorgen.

Die Meinung der Fans sollte man künftig ernster nehmen, hatte DFB-Präsident Fritz Keller Mitte Mai empfohlen. «Jetzt ist es sicherlich spät, aber noch nicht zu spät, auf ihre mahnenden Worte zu hören. Wir sind uns bewusst, dass wir ihre Kritik an der Kommerzialisierung des Fußballs manches Mal überhört haben - weil das System doch so gut funktioniert hat.»

Vor einer Woche kam die AG Fankulturen zu einem außerordentlichen Treffen zusammen. DFL-Chef Christian Seifert versicherte erneut, dass an der mit Blick auf mögliche Veränderungen im deutschen Fußball ab September geplanten «Task Force Zukunft Profifußball» unterschiedlichste Akteure beteiligt werden - auch Fanvertreter.

«In der Verantwortung sind hier DFB und DFL. Es sollten aber vorher keine Forderungen, von keiner Partei, gestellt werden», sagte Rummenigge, der in der Liga einen «Egoismus im Umgang mit Ultras» anprangerte. «Jeder Verein schaut nur zu, dass er seinen Stall sauber hält und keinen Stress hat.»

Einig sind sich alle Seiten, dass sie endlich wieder Fußballspiele vor Fans erleben wollen. Doch bei möglichen Bedingungen für das Wie geht es schon wieder los. Denn personalisierte Tickets, die in Zeiten von Corona geboten wären, gefallen nicht allen.

Organisierte Anhänger befürchten, dass die Krise genutzt werden könnte, um solche Tickets dauerhaft einzuführen. Der bei Ultras ungeliebte Hopp ist ein Befürworter solcher Eintrittskarten. «Wir müssen unsere Polizisten schützen, dafür sorgen, dass Menschen nicht durch Pyro verletzt werden und die Eintrittskarten personalisieren», forderte der 80 Jahre alte Unternehmer.

© dpa-infocom, dpa:200715-99-795670/4

Veröffentlicht am:
15. 07. 2020
14:26 Uhr

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Autor

dpa

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Veröffentlicht am:
15. 07. 2020
14:26 Uhr



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