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Wellbrocks Goldcoup - «Große Nummer» als Olympia-Hoffnung

Florian Wellbrock bejubelt ein Happy End mit Gold bei der Schwimm-WM. Nach zwei Olympia-Nullnummern machen er und seine Freundin Sarah Köhler Hoffnung auf eine deutsche Schwimm-Medaille in Tokio. Zum Abschluss fällt ein deutscher Uralt-Rekord. Ein US-Star siegt à la Phelps.



WM-Gold
Florian Wellbrock feiert seine zweite WM-Goldmedaille in Südkorea.    Foto: Bernd Thissen

Völlig euphorisch schwang sich Florian Wellbrock nach dem nächsten Gold-Coup auf die Leine, schleuderte mit beiden Händen Wasser in die Luft und riss triumphierend beide Arme nach oben.

Mit einem mitreißenden Titel-Comeback hat der Freiwasser-Champion ein hochemotionales Happy End bei den Schwimm-Weltmeisterschaften in Südkorea gefeiert. Freundin Sarah Köhler und Wellbrocks Eltern bangten und jubelten am Sonntag auf der Tribüne mit, als dem 21-Jährigen ein weltmeisterliches Glanzstück glückte.

Nie zuvor feierte ein Athlet wie Wellbrock bei einer WM Gold im Becken und im Freiwasser. Fünf Tage nach seinem deprimierenden Vorlauf-Aus über 800 Meter schlug der 21-Jährige in Gwangju über 1500 Meter Freistil imponierend zurück.

«Zweimal Gold zu holen ist unglaublich. Das hat vor mir noch keiner geschafft. Das ist eine große Nummer», sagte der Ausnahmekönner, der den ersten deutschen WM-Titel seit dem von Marco Koch 2015 bejubelte. Die Eltern konnten bei der Hymne ein paar Tränen nicht zurückhalten.

Wellbrocks nervenaufreibendes Titelkampfende und die Auftritte von Silbergewinnerin Köhler, die einen 32 Jahre alten deutschen Rekord knackte, machen Hoffnung für Olympia. Nach Nullnummern in London und Rio könnte es für die Beckenschwimmer in den 362 Tage nach dem WM-Ende beginnenden Sommerspielen wieder eine olympische Medaillen-Rarität zu bestaunen geben. In Südkorea gab's dreimal WM-Gold, insgesamt achtmal Edelmetall. So gut war Deutschland seit 2013 nicht mehr.

Nach zwei WM-Titeln und insgesamt fünf Medaillen der herausragenden Freiwassersparte sowie einmal Bronze und zwei Olympia-Tickets der tüchtigen Wasserspringer schlugen sich die Beckenschwimmer weitaus besser als bei der WM 2017 (1 Medaille/5 Finals). «Das ist ein sehr, sehr positiver Trend», sagte Bernd Berkhahn nach seiner Premiere als Teamchef - und warnte zugleich. «Über Tokio sagt das erstmal nichts.»

Goldtriumph für Wellbrock, Silber sowie deutsche Rekorde für Köhler und 14 Finalplätze stehen in der Bilanz. Knapp verpasste Podestränge durch Schwimm-Routiniers machen Hoffnung, wenngleich der Teamchef vor Wellbrocks Triumph etwas haderte. «Die Anzahl der Medaillen ist natürlich etwas bitter in diesem Jahr, wenn man dreimal einen vierten Platz macht», sagte Berkhahn.

Der Kampf um die Staffel-Qualifikationen glückte nach dem Motto «Sieben auf einen Streich» - alle Quartette sind im nur rund 1150 Kilometer entfernten Tokio dabei. Hagen Stamms Wasserballer machten als Achte Hoffnung, dass einer deutschen Auswahl nach zwei verpassten Sommerspielen die Rückkehr glücken kann. Der Bundestrainer wertete das viel beachtete WM-Comeback als «Riesenschritt».

Klare Nummer 1 in den prestigeträchtigen Beckenrennen mit neun Weltrekorden waren die USA mit 14-mal Gold und insgesamt 27 Medaillen vor Australien (5/19). Der 22 Jahre alte US-Star Caeleb Dressel war mit sechs Titeln eine Klasse für sich, wenngleich ein Gold zu den Bestmarken von Michael Phelps und ihm selbst fehlte. Bei Olympia 2020 will er in die Supermann-Rolle des Rekordolympiasiegers schlüpfen, dem er einen zehn Jahre alten Weltrekord entriss.

Eine Phelps-Bestzeit schnappte sich der 19-jährige Ungar Kristof Milak, der stellvertretend für eine ganze Garde Youngster steht. Das Schwimm-Establishment, das durch Ryan Lochte nach dem Ende seiner Sperre bei Olympia wieder einen Glamour-Faktor bekommen könnte, hat Respekt.

Mit seinen 21 Jahren steht Wellbrock eine große Zukunft offen. Im Freiwasserbereich, wo er auf der olympischen Zehn-Kilometer-Strecke Gold und das Tokio-Ticket feierte, ist er in diesem Jahr ungeschlagen. Das Vorlauf-Aus über 800 Meter Freistil als 17. steckte er bemerkenswert weg. Möglicherweise kann er aus dem Auf-und-ab-und-auf bei der WM mehr für seinen weiteren Reifeprozess mitnehmen, als es bei reinen Festspielen der Fall gewesen wäre. «Nächstes Jahr werden die Karten neu gemischt», sagte der Mann, der die erste deutsche Freistil-Medaille seit Paul Biedermann gewann.

Große Gewinnerin war auch seine Freundin Sarah, die die erste Freistil-Medaille seit Britta Steffen verbuchte. Die 25-Jährige brillierte als Staffel-Weltmeisterin im Freiwasser und lieferte im Becken. Silber über 1500 Meter Freistil, über 800 Meter reichte die Verbesserung eines 32 Jahre alten Rekords nicht zum Medaillen-Triple - nur ein deutscher Rekord ist noch älter. «Besser hätte es die Woche über nicht laufen können. Es zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind», sagte Köhler.

In Mannschaftsstärke überzeugten die deutschen Beckenschwimmer aber nicht. Zwar brachten junge Sportler wie die 17-jährige Anna Elendt oder die 18-jährige Angelina Köhler frischen Wind ins Team. Aber nur einem halben Dutzend Einzelstarter glückte die Saisonbestzeit zum Jahreshöhepunkt - zu wenig.

Beinahe jeden Tag gab es Ärger um den des Dopings verdächtigen Weltmeister Sun Yang. Die Hoffnung des Gros der Schwimmer: Der Internationale Sportgerichtshof CAS schafft im September Klarheit um den mysteriösen Fall der mit einem Hammer zerstörten Dopingprobe des chinesischen Olympiasiegers.

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dpa

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28. 07. 2019
15:31 Uhr

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28. 07. 2019
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