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Vor Biathlon-WM - Wilhelm: «Saubere Leistungen sind möglich»

Kati Wilhelm holte als Skijägerin Olympia- und WM-Gold. Doch Biathlon ist wie andere Ausdauer-Sportarten dopinganfällig. Der aktuelle Skandal in Seefeld könnte sich kurz vor der WM auch auf die Biathleten ausweiten. Wilhelm hofft auf schnelle Aufklärung.



Biathlon-Olympiasiegerin
Kati Wilhelm kann sich systematisches Doping in Deutschland schwer vorstellen.   Foto: Tobias Hase

Nach den Doping-Enthüllungen um die Nordische Ski-WM rückt in dieser Woche Biathlon in den Fokus. Am Donnerstag beginnt in Östersund/Schweden die WM, auch unter den Skijägern herrscht Unruhe.

Die dreimalige Olympiasiegerin Kati Wilhelm spricht im Interview der Deutschen Presse-Agentur über systematisches Doping, härtere Strafen und möglichen Auswirkungen auf ihre thüringische Heimat.

Wie sehr hat Sie der aktuelle Fall in Seefeld schockiert?

Kati Wilhelm: Die Art und Weise hat mich sehr schockiert. Vor allem die Dreistigkeit angesichts der Vorgeschichte mit dem Interview von Johannes Dürr. Spätestens dann hätte man doch auch damit rechnen müssen, dass jetzt intensive Ermittlungen folgen. Aber scheinbar haben die ganz normal weiter gemacht. Das sind junge Athleten, die einfach ihr Leben kaputtmachen, und das hat mich sehr erschreckt. Diesen Schritt zu gehen und so was zu machen, ist Wahnsinn.

Glauben Sie an Auswirkungen auch auf den Biathlon-Sport?

Wilhelm: Ich hoffe nicht, dass Biathlon betroffen ist. Aber natürlich muss jetzt erstmal das gefundene Material weiter gesichtet werden und wie man sagt, werden noch weitere Beteiligte vermutet. Wenn, dann wünsche ich mir eine rasche Bekanntgabe, möglichst noch vor der WM. Jetzt sind tiefgründige Untersuchungen und Handeln notwendig.

Wie realistisch ist es, dass keine Deutschen betroffen sind?

Wilhelm: Ich hoffe, dass keine Deutschen betroffen sind. Ausschließen kann man es natürlich nie. Deshalb hoffe ich, dass die Untersuchungen schnell voranschreiten, um darüber auch Gewissheit zu bekommen. Ich glaube, wenn in Deutschland jemand dopt, sind es Einzelfälle. Dann ist das eine Sache, wo der Sportler für sich diesen Schritt geht, weil er keine andere Möglichkeit sieht und um jeden Preis den Erfolg sucht.

Ex-Rennrodler Andi Langenhan, Anti-Doping-Beauftragter im Deutschen Rennrodelverband, hält systematisches Doping in Deutschland für unmöglich. Sie auch?

Wilhelm: Ja. Ich glaube nicht, dass es in Deutschland passiert, dass von oben oder von einem Trainer oder Verbandsseite jemand zu den Sportlern geht und sagt, wir könnten da was machen. Und Leute, die nicht mitmachen würden, wären potenzielle Informanten. Die Wahrscheinlichkeit, dass wirklich alle mitmachen würden, ist sehr gering und unwissentlich gedopt zu werden, das funktioniert heute nicht mehr. Da sind wir als Sportler alle zu informiert und zu mündig, als dass man das einfach so über sich ergehen lassen würde.

Oberhof ist das größte Wintersport-Zentrum in Thüringen. Nimmt Oberhof und das ganze Bundesland Schaden durch diesen Skandal?

Wilhelm: Das ist schlimm für unseren Sport insgesamt, aber gerade auch für unseren Sport in Thüringen. Es war ja damals schon schlimm, als Dürr gesagt hat, dass er in Oberhof Blut gekriegt hat. Das hat sich schon angehört, als ob in Oberhof die Blutbank steht und das ist natürlich immer blöd, weil wir von früher immer noch den Ruf haben, dass bei uns zu DDR-Zeiten gedopt wurde und woanders nicht. Was ja nicht stimmt. Aber so kann man den Eindruck bekommen, als ob bei uns die Netzwerke immer noch funktionieren und deswegen aus dem Osten nach wie vor das Böse kommen muss. Das ist schlimm und solche Vorfälle schüren das natürlich wieder bei dem einen oder anderen.

Wie sollten Sportbetrüger bestraft werden?

Wilhelm: Eigentlich kann man das nicht mit einem Schwerverbrecher vergleichen, weil er die Körperverletzung ja keinem anderen zufügt, sondern in dem Moment ja «nur» sich und seinem Körper selbst. Aber vielleicht kannst du die Leute wirklich nur noch mit Haftstrafen abschrecken und bestrafst sie wie Schwerverbrecher. Weil Sperren reichen ja scheinbar nicht mehr. Wir haben schon zu oft gesehen, dass die, die zurückkommen, nach Sperren teilweise wieder dopen.

Sollten Dopingsünder lebenslang gesperrt werden?

Wilhelm: Mittlerweile in bestimmten Fällen ja. Wie bei eindeutig nachweisbarem, willentlichem Doping wie zum Beispiel mit EPO und Eigenblut. Weil das bekommt man nicht einfach so in seinen Körper. Positive Tests, die auch durch verunreinigte Produkte entstehen können, sollten mit begrenzten Sperren bestraft werden.

Sind Topleistungen ohne Doping möglich?

Wilhelm: Doping wird leider immer ein Thema bleiben. Aber ja, saubere Leistungen sind möglich. Ich und viele andere sind der Beweis dafür. Aber die Skepsis kann ich angesichts der vielen Vorfälle verstehen. Ich sehe uns Sportler als Vorbilder, denen viele nacheifern. Deshalb hoffe ich nicht, dass so etwas wie in der Vergangenheit im Radsport passiert und die Fans erstmal komplett das Vertrauen verlieren. Das wäre unberechtigt, denn es gibt mit Sicherheit viel mehr Sportler, die sauber versuchen Erfolge zu bringen, als die, die dopen.

ZUR PERSON: Kati Wilhelm (42) ist eine der erfolgreichsten deutschen Biathletinnen. Die zweifache Mutter holte in ihrer Karriere dreimal Olympia-Gold, fünf WM-Titel und einmal den Gesamtweltcup. Sie betreibt ein Café in Steinbach-Hallenberg, hält Vorträge und arbeitet als Biathlon-Expertin für die ARD.

Veröffentlicht am:
04. 03. 2019
10:45 Uhr

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Autor

dpa

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Veröffentlicht am:
04. 03. 2019
10:45 Uhr



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