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Vettels «blinde Kurven» auf der gewagten Corona-Reise

Kein Urlaubsfeeling an der Algarve. Die Formel 1 ist angekommen im Süden Portugals. Die Notsaison läuft bisher wie geplant. Gefahren bleiben. Und kommen wohl erst recht noch. Da bietet immerhin der unbekannte Kurs mal Freude - auch bei Vettel.



Sebastian Vettel
Rennfahrer Sebastian Vettel vom Team Ferrari darf sich auf einer neuen Strecke in Portugal ausprobieren.   Foto: Francois Lenoir/POOL REUTERS/AP/dpa

Auf seiner leidvollen Abschiedstournee von Ferrari wurde auch Sebastian Vettel bei seiner Ankunft an der Algarve von dunklen Wolken empfangen.

Mit Mundschutz auf dem Beifahrersitz, auf dem zügigsten Weg zur Unterkunft. Urlaubsfeeling kommt in der Formel 1 in Zeiten des Corona-Notkalenders erst recht nicht auf. Zwei Fahrer infizierten sich schon mit dem Virus, einige Team-Mitglieder und weitere Helfer. Die Premiere in Portimão wird Runde zwölf eines gewagten PS-Abenteuers unter Hygiene-Hochsicherheitsmaßnahmen.

Von Portugal reist die Formel-1-Blase weiter nach Italien, das dritte Rennen im Ferrari-Heimatland in diesem Jahr, dann in Imola, wo Ayrton Senna 1994 tödlich verunglückt und zuletzt 2006 die Motorsport-Königsklasse gefahren war. Nach einer zweiwöchigen Pause steht Mitte November das Comeback in der Türkei an, ehe es ab Ende November zum Nahost-Dreierpack in Bahrain (2x) und Abu Dhabi kommen soll.

Es wären dann 17 Rennen in einer Saison, die mit rund vier Monaten Verspätung begann. Acht sind notwendig, damit sie als WM gewertet werden kann, 15 sollten es sein, damit die vollen TV-Gelder gezahlt werden. Weltweit steigende Infektionszahlen und erhöhte Maßnahmen im Kampf gegen das Virus - für einen derart reiseintensiven Sport wie die Formel 1, deren Teams überwiegend in Großbritannien, aber auch in Italien und der Schweiz beheimatet sind, alles andere als gute Voraussetzungen für den Rest der Saison.

Dabei kann sie sportlich mit Hamiltons möglichem siebten Titel und damit der Einstellung der sieben WM-Wunder von Michael Schumacher historisch genug werden. Bereits am Sonntag (14.10 Uhr/MEZ) kann der 35 Jahre alte Brite mit seinem 92. Sieg alleiniger Grand-Prix-Gewinner-Rekordhalter werden und Schumacher (91) überholen. Sein Vorsprung in der WM-Wertung auf Mercedes-Teamkollege Valtteri Bottas beträgt satte 69 Punkte.

Vettel ist davon weit entfernt. Platz 13 im Klassement, 17 Punkte - Hamilton hat 230. Grund zur Freude hat der 33 Jahre alte Hesse bei Ferrari kaum noch. Da kommt zumindest so ein bislang unbekannter Kurs gelegen. «Ich bin nie in Portimão Rennen gefahren», sagt der viermalige Weltmeister: «Aber ich finde es sehr stimulierend, auf einer neuen Strecke zu fahren.»

Bislang scheiterte ein Zwischenstopp des Formel-1-Tross' auf dem Autódromo Internacional do Algarve am Antrittsgeld. «Als wir vor zwölf Jahren mit dieser Strecke begannen, war es immer unser erstes Ziel, die Formel 1 eines Tages auf unserer Rennstrecke willkommen zu heißen», sagte jüngst Portimãos Event- und Handelsdirektor, Miguel Praia, dem Portal «motorsport-total.com». Die Gebühr sei für sie aber «ein echtes K.o.-Kriterium» gewesen.

In Corona-Zeiten sind die Formel-1-Bosse froh, dass überhaupt gefahren werden kann, entsprechend sind die Zu- und Eingeständnisse. Auch in Portugal ist die Situation insgesamt angespannt. Zu Wochenbeginn wurde die Marke von 100.000 bestätigten Corona-Infektionen überschritten. Die Gesamtzahl der bislang nachgewiesenen Infektionen in dem 10,3-Millionen-Einwohner-Land belief sich am Montag den amtlichen Angaben zufolge auf 101.860.

Das Robert Koch-Institut stuft die Region Norte und Lissabon als Risikogebiete ein, den Süden nicht. Dort liegt die Strecke etwa 20 Kilometer landeinwärts in einem wenig besiedelten Gebiet. Das ist auch ihr Vorteil. Das 2008 für 195 Millionen Euro erbaute Autódromo erfüllt zum einen alle sportlichen Kriterien, zudem bietet es ausreichend Platz - viele der Fahrer wohnen zum Beispiel während der Corona-Saison direkt an der Strecke.

So können sie sich in Portimão auch schneller mit dem Kurs vertraut machen. «Wenn man sich das Layout anschaut, fallen die Höhenunterschiede auf und einige blinde Kurven, die schwer einzuschätzen sein werden», sagt Vettel vor seinem traditionellen Inspektions-Rundgang. Ein Auf und Ab, ohne das alles abgesehen werden kann - es passt irgendwie auch auf die gesamte Formel-1-Saison 2020.

© dpa-infocom, dpa:201022-99-33764/3

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Veröffentlicht am:
22. 10. 2020
10:38 Uhr

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22. 10. 2020
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