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Vettels Monza-Fiasko ebnet Weg für Hamilton zur WM

Ein bitteres Rennen für Sebastian Vettel. Er kollidiert zu Beginn mit WM-Spitzenreiter Lewis Hamilton. Statt den ersten Sieg in Monza mit Ferrari zu feiern, verpasst er sogar das Podium. Dort muss Sieger Hamilton Pfiffe ertragen. Er macht es mit einem Lächeln.



Strahlender Sieger
Lewis Hamilton (r) hat mit dem Sieg in Monza seine WM-Führung auf 30 Punkte ausgebaut.   Foto: Luca Bruno/AP » zu den Bildern

Mit verwundeter Seele suchte Sebastian Vettel nach dem Ferrari-Fiasko von Monza einen Hoffnungsschimmer. Der vielleicht schon WM-entscheidende Sieg seines Formel-1-Titelrivalen Lewis Hamilton beim Heimspiel der Scuderia war für Vettel und die Tifosi nur schwer zu ertragen.

«Es tut mir leid für die Leute. Aber es ist nicht das Ende der Welt. Wir werden alle morgen wieder aufwachen», sagte Vettel, als er seinen ersten Frust über Platz vier heruntergeschluckt hatte. Ein Crash mit Mercedes-Fahrer Hamilton in Runde eins hatte den Hessen alle Siegchancen gekostet. Auch Teamkollege Kimi Räikkönen konnte ihm nicht helfen und musste den britischen WM-Spitzenreiter am Ende vorbeiziehen lassen.

Die Pfiffe der Ferraristi konnten Hamilton danach die diebische Freude auf dem Podium nicht verderben. «Ich mache aus dem Negativen das Positive. Hier zu gewinnen, ist immer eine Ehre», sagte der 33-Jährige. Auf 30 Punkte wuchs Hamiltons Vorsprung auf Vettel vor den verbleibenden sieben Saisonläufen in Übersee. Der fünfte WM-Titel für Silberpfeil-Star ist nach dem 68. Grand-Prix-Sieg seiner Karriere ein gutes Stück näher.

Acht Runden vor dem Ende war Hamilton unwiderstehlich am lange führenden Räikkönen vorbeigezogen. Der Finne war vor Vettel von der Pole Position gestartet, konnte letztlich aber auch nicht für den so ersehnten ersten Ferrari-Triumph in Monza seit acht Jahren sorgen. Der 100. Podiumsplatz seiner Laufbahn war für den 38-Jährigen kein echter Trost. «Das ist nur eine Zahl. Ich hätte lieber den Sieg genommen», sagte Räikkönen.

Damit hätte er auch Vettels Chancen auf die Weltmeisterschaft etwas erhöht. Der Hesse war nach seinem Erfolg in Spa dank des anscheinend so starken Ferrari-Motors als Favorit in Monza angetreten. Doch in der Qualifikation verpasste er Startplatz eins und geriet im Rennen gleich unter Druck von Hamilton. Schon in Kurve vier zwängte sich der Titelverteidiger vorbei, Vettel krachte in den Mercedes und drehte sich. «Er hat mir nicht genug Platz gelassen», klagte der 31-Jährige, der auch im vierten Ferrari-Jahr in Monza erfolglos blieb. «Ich hatte das Pech, das bei mir dann alles kaputt war», sagte Vettel.

Nach der Kollision schleppte er sich mit beschädigtem Frontflügel zurück an die Garage und startete danach eine Aufholjagd, die ihn immerhin noch auf Platz vier führte. Er profitierte dabei von einer Zeitstrafe gegen Red-Bull-Pilot Max Verstappen, der so von Rang drei auf fünf hinter Vettel rutschte. Dritter wurde so der Finne Valtteri Bottas im zweiten Mercedes.

Nach der Zieldurchfahrt gönnten sich Hamilton und Bottas eine gemeinsame Ehrenrunde durch den Königlichen Park - eine zusätzliche Demütigung für die Ferraristi. Auf die Frage, welche Folgen die Monza-Pleite auf seine WM-Aussichten habe, meinte Vettel nur kurz angebunden: «Weiß nicht.»

Klar ist: Vieles spricht nun für Hamilton, auch wenn Mercedes beim nächsten Rennen in Singapur in der Vergangenheit oft große Probleme hatte. Doch der pure Wille und die weltmeisterliche Form, die Hamilton in Monza bewies, müssen Vettel und Ferrari mit Blick auf den Rest der Saison große Sorgen machen.

Zudem bewies Mercedes erneut, wie Teamtaktik funktioniert. Während Ferrari am Samstag noch Räikkönen in Vettels Windschatten zur Pole Position fahren ließ, verrichtete Hamilton-Kollege Bottas im Rennen beste Hilfsdienste für den Chefpiloten. Der Finne hielt Räikkönen rundenlang hinter sich, so dass Hamilton nach seinem Boxenstopp aufholen konnte. «Meine Mission war, Kimi eine Weile aufzuhalten», gab Bottas nach dem Rennen zu.

Dieser Plan ging auf. Als Vettel durch einen erneuten Boxenstopp abermals von Rang zehn aus Plätze gut machen musste, setzte Hamilton vorn Räikkönen unter Druck und zog in der 45. Runde an dem Finnen vorbei, für den es das letzte Rennen in Italien für Ferrari gewesen sein dürfte. Ein neuer Vertrag scheint nach diesem Grand Prix noch unwahrscheinlicher, selbst wenn Räikkönen zuvor für die schnellste Quali-Runde in der Formel-1-Geschichte mit durchschnittlich 263 Stundenkilometern gesorgt hatte.

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Veröffentlicht am:
02. 09. 2018
18:06 Uhr

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