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Sport

Vettel: «Bin wettbewerbsfähig» - «Kein Platz» bei Red Bull

Sebastian Vettel unternimmt vor dem zweiten Österreich-Rennen einen Ausflug in die Natur. Nach seinem Formel-1-Fehlstart in Spielberg wollte der Ferrari-Pilot seinen Kopf freibekommen - und zeigt sich anschließend in Flirtlaune. Wohin führt sein Weg?



Diskussionswürdig
Würde bei einem Angebot auf ein Cockpit von Red Bull nicht ablehnen: Sebastian Vettel.   Foto: Mark Sutton/MSN POOL/AP/dpa

Sebastian Vettel war in Flirtlaune. Vor dem zweiten Formel-1-Rennen in Österreich liebäugelte der viermalige Weltmeister mit den nur noch wenigen verbliebenen Cockpit-Optionen für eine Fortsetzung seiner Karriere.

Ob er eventuell ein Angebot seines früheren Rennstalls Red Bull annehmen würde? «Wahrscheinlich wäre die Antwort: ja», sagte Vettel. Was halte er von Racing Point, das ab 2021 als Werksteam Aston Martin vertreten ist? Der Rennstall habe in dieser Saison «einen guten Eindruck hinterlassen», lobte der 33-Jährige bei der Pressekonferenz. Und Renault? Mit den Franzosen habe er zumindest lose gesprochen, räumte Vettel ein. Renault entschied sich dann aber für Altstar Fernando Alonso.

Vor dem zweiten Akt in der Steiermark war bei Vettel die Frage nach seiner Zukunft die spannendste. Selbst hat er noch keinen Entschluss gefasst - Optionen hat er auch nicht mehr viele für 2021. «Ich denke, es gibt keine Neuigkeiten. Ich weiß noch nicht, was passieren wird», sagte er und schloss auch weiter eine Pause oder ein Karriereende nach seiner Ausmusterung bei Ferrari zum Jahresende nicht aus. In den «nächsten Wochen und Monaten» werde man weiter sehen. «Ich nehme mir die Zeit, die ich brauche.»

Vettel betonte, dass er noch Lust auf die Formel 1 habe. «Es ist kein Geheimnis, dass ich noch wettbewerbsfähig bin», beteuerte er. Auch wenn er beim Formel-1-Neustart nur Zehnter geworden war, dürften Vettels Aussagen als Werbung in eigener Sache verstanden werden. «Ich bin daran interessiert, noch mehr zu erreichen, nicht nur dabei zu sein.» Da würde ihn auch ein potenzieller Zweikampf bei Red Bull mit Max Verstappen als Stallrivale nicht einschüchtern. «Auf jeden Fall» wäre eine Rückkehr interessant, meinte Vettel.

Da gibt es nur ein Problem: Red Bull will ihn nicht. «Bei uns ist kein Platz für Vettel. Wir sind mit (Alex) Albon besetzt und auch zufrieden mit ihm. Albon ist zur Hälfte Thailänder, und Red Bull gehört zu 51 Prozent Thailändern», stellte Red-Bull-Motorsportberater Helmut Marko im Fachmagazin «Auto, Motor und Sport» klar.

Der Österreicher rät seinem früheren Schützling zu Abstand von der Formel 1. «An Stelle von Sebastian würde ich ein Jahr Auszeit nehmen und mir die Sache von außen anschauen. Vielleicht tut sich in dem Jahr etwas auf, vielleicht hat er dann einen besseren Überblick, vielleicht gefällt ihm aber das Leben mit der Familie so gut, dass er ganz hinschmeißt», sagte Marko weiter.

Und Verstappen will Vettel irgendwie auch nicht als Teamkollege. «Er ist ein schneller Fahrer und es gibt keinen Grund, ihn auszutauschen», sagte der Niederländer - und meinte damit Albon. Verstappen wollte seine jüngste Aussage bei Servus TV richtig eingeordnet wissen. Da war er gefragt worden, ob er sich Vettel als künftigen Teamkollegen vorstellen könne. «Ja, das kann funktionieren. Ich hatte Daniel Ricciardo im Team, auch das hat gut funktioniert», antwortete Verstappen. Als Annäherung an Vettel wollte er das nicht verstanden wissen: «Ich wollte nur höflich und nett sein.»

Vettel jedenfalls nutzte seine Bühne. Vor dem nächsten Akt in Spielberg hatte er noch die Einsamkeit der Berge gesucht, um seine Gedanken zu sortieren. «Es war gut an der frischen Luft zu sein, da war auch niemand. Ich war alleine, und das tut dann in der Situation gut», erzählte Vettel bei Servus TV von seinem Trip auf den Gipfel.

Die Natur gibt dem 33-Jährigen viel. Mittlerweile gehört ihm auch eine Almhütte in der Steiermark, gar nicht so weit vom Red-Bull-Ring in Spielberg entfernt. «Einmal im Jahr bin ich da», verriet Vettel vor dem Großen Preis am Sonntag (15.10 Uhr/RTL und Sky).

Nach sechs Jahren muss Vettel Ferrari verlassen. Die Scuderia setzt auf Charles Leclerc (22) und ab 2021 auf Carlos Sainz (25) als Ersatz des Deutschen. Ferrari-Teamchef Mattia Binotto dürfte sich nach Vettels Österreich-Desaster zum Auftakt mit Platz zehn in seiner Fahrerentscheidung bestätigt sehen.

«Die letzten fünf Jahre haben von beiden Seiten nicht das gebracht, was das Ziel war. Trotzdem wäre es eine Option gewesen, weiterzumachen und auch an dem Ziel zu arbeiten», meinte Vettel, der so gerne seinem Idol Michael Schumacher nacheifern und die Scuderia wieder zu einem Weltmeisterteam machen wollte. Ferrari glaubte aber nicht mehr daran. Wie «aus dem Nichts» sei Vettel sein Aus verkündet worden. Tröstlich sind auch Binottos warme Worte nicht. «Er ist ein großer Champion und ein toller Mensch», lobte er.

Unmittelbar nach dem folgenschweren Telefonat kontaktierte Vettel einen alten Vertrauten: Der Heppenheimer rief bei Marko an und fragte ihn um Rat. Dies befeuerte wilde Spekulationen, dass der Hesse an die Stätte seiner früheren Triumphe zurückkehren könnte. Mit Red Bull hatte Vettel von 2010 bis 2013 viermal in Serie alle WM-Titel abgeräumt. Mit Verstappen (22) und Albon (24) hat der Rennstall von Milliardär Dietrich Mateschitz aber ein Duo für die Zukunft.

Vettel ist es wichtig, «ein Umfeld zu finden, das passt». Das Finanzielle stehe für ihn nicht im Vordergrund. Aber auch das Weltmeisterteam Mercedes mit Champion Lewis Hamilton und Auftaktsieger Valtteri Bottas oder eben Renault mit Rückkehrer Alonso und der französischen Hoffnung Esteban Ocon werden dem Deutschen für 2021 keinen Platz bieten. Eine Antwort auf seine Zukunftsfrage findet Vettel ja vielleicht in den Bergen.

© dpa-infocom, dpa:200709-99-730585/5

Veröffentlicht am:
09. 07. 2020
18:11 Uhr

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dpa

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Veröffentlicht am:
09. 07. 2020
18:11 Uhr



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