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Union verteidigt Plan: «Menschen flehen uns jeden Tag an»

Union Berlin konkretisiert sein ambitioniertes Vorhaben, durch umfassende Coronatests die neue Saison in einem vollen Stadion zu starten. Die Hürden sind aber hoch. Selbst DFB-Präsident Keller plädiert für mehr Testungen auf den Weg zurück zur Normalität.



Tests für alle
Union Berlin will zum Start der Bundesliga ein volles Stadion haben.   Foto: Soeren Stache/dpa-Zentralbild/dpa

Fußball-Bundesligist 1. FC Union hat seinen aufsehenerregenden Plan mit Coronatests für alle Zuschauer und einem Saisonstart im komplett gefüllten Stadion verteidigt. Die Berliner wollen in der Diskussion um die mögliche Rückkehr von Fans eine Vorreiterrolle einnehmen.

«Menschen flehen uns jeden Tag an, dafür zu sorgen, dass sie zurückkommen können. Damit wollen wir uns befassen», sagte Unions Geschäftsführer Kommunikation, Christian Arbeit, bei RBB24. «Das ist der Hintergrund unserer Gedanken. Daher ist das sicherlich auch ein Beitrag zu der jetzt laufenden Debatte, wie wir mit dieser Pandemie umgehen.»

Unabhängig vom Berliner Weg erhofft sich auch DFB-Präsident Fritz Keller flächendeckende Coronatests, um somit die Rückkehr der Fans in die Arenen abzusichern. «Mein Traum wäre es, über Testungen irgendwann auch wieder ein volles Stadion zu kriegen. Das wäre nicht nur für den Sport, sondern für den Kulturbetrieb und die Wirtschaft wichtig», sagte der 63 Jahre alte Chef des Deutschen Fußball-Bundes dem SWR.

Mit seinem in Deutschland bislang einmaligen Vorhaben hatte Union für mächtig Wirbel gesorgt. Der Club will spätestens ab dem ersten Spieltag der kommenden Saison wieder eine «Vollauslastung» des Stadions An der Alten Försterei erreichen. Wenn die Rahmenbedingungen konkretisiert seien, soll das Konzept dem zuständigen Gesundheitsamt und dem Land Berlin sowie dann auch öffentlich vorgestellt werden. Zugang zum Stadion soll man nur erhalten mit einer gültigen Eintrittskarte und einem negativen Testergebnis, das nicht älter als 24 Stunden sein darf.

Berlins Sportsenator Andreas Geisel zeigte sich offen für die Pläne der Köpenicker. «Wir verstehen Unions Ambitionen», sagte der SPD-Politiker der Deutschen Presse-Agentur. «Wir werden uns zeitnah mit der Vereinsführung treffen, um über das Konzept zu sprechen.» Natürlich müsse ein Konzept die hygienischen Anforderungen erfüllen und von der DFL getragen werden, fügte Geisel hinzu. «Es sollte keine unterschiedlichen Lösungen innerhalb der Bundesliga geben.»

Die Unioner sehen keinen anderen Weg, um wieder für volle Stadion zu sorgen. «Abstand zu halten bei einem Fußballspiel, so emotional wie das ist. Wer soll das kontrollieren?», sagte Pressesprecher Arbeit und setzt auf Vertrauen. «Wir werden sehr klar erläutern, wie wir uns das vorstellen. Natürlich werden wir alles mit dem Gesundheitsamt und mit dem Berliner Senat diskutieren. Es geht hier ja nicht um einen Alleingang, sondern darum einen Weg zu finden, der sehr viel Sicherheit gewährleistet.»

So sieht es auch der DFB-Boss. «Wir müssen da wirklich auf die Wissenschaftler hören», sagte Keller im Interview. Es müsse kontrolliert werden, ob auch mehr Zuschauer als unter Bedingungen mit 1,50 Metern Abstand und jeweils einer freien Reihe möglich seien, da man beim Fußball im Freien sei. «Lasst uns das bitte objektiv angehen, aber mit größtmöglicher Sicherheit für die Gesunderhaltung.»

Die Köpenicker wollen ihr Konzept mit umfassenden Tests auf das Coronavirus für alle Stadionbesucher umsetzen. «Wir wissen, dass es grundsätzlich auch technisch und organisatorisch möglich sein wird, 22.000 Menschen in einem kurzen Zeitraum zu testen. Wäre das ausgeschlossen, hätten wir diesen Vorschlag nicht unterbreitet», betonte Arbeit, der zugleich auch Stadionsprecher ist. Der Club wolle die Pläne so schnell wie möglich konkretisieren.

Je nach Anbieter muss man in Deutschland pro Test mit Kosten von mehr als 100 oder sogar 200 Euro rechnen. Die Krankenkassen zahlen auf jeden Fall bei Menschen, deren Symptome auf eine Infektion hindeuten. Unter bestimmten Umständen aber auch dann, wenn man keine Symptome hat, die Corona-Warnapp aber anzeigt, dass ein Risiko bestehen könnte.

Wegen der Coronavirus-Krise war die Saison im deutschen Profifußball ohne Fans in den Arenen beendet worden. Derzeit arbeiten Vereine und Verbände an Hygiene- und Sicherheitskonzepten, um die Rückkehr von Zuschauern zu ermöglichen. Entscheidend für eine (Teil-) Zulassung seien die lokalen Konzepte der Clubs, welche von den zuständigen Gesundheitsbehörden vor Ort freigegeben werden müssten, hatte die Deutsche Fußball Liga am Vortag über die Vorgaben des Bundesministeriums für Gesundheit mitgeteilt.

© dpa-infocom, dpa:200710-99-751313/5

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11. 07. 2020
16:38 Uhr

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11. 07. 2020
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