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Tönnies-Anhörung: Fan-Initiative kündigt Proteste an

Die Schalker Fan-Initiative hat Proteste angekündigt, falls der Ehrenrat nach Anhörung von Aufsichtsratschef Clemens Tönnies keine klaren Konsequenzen ziehen sollte. Die Entschuldigung für dessen Aussagen über Afrikaner bezeichnet Pablo Thiam als «halbherzig».



Clemens Tönnies
Clemens Tönnies muss sich vor dem Schalker Ehrenrat verantworten.   Foto: Guido Kirchner

Schon vor der möglichen Entscheidung über die Zukunft von Clemens Tönnies hat die Schalker Fan-Initiative Widerstand angekündigt. «Es wird auf jeden Fall Proteste geben, sollte alles beim Alten bleiben», sagte Susanne Franke von der Schalker Fan-Initiative beim TV-Sender Sky.

Wie lange die Anhörung des Aufsichtsratschefs Clemens Tönnies vor dem Ehrenrat des Fußball-Bundesligisten FC Schalke 04 am Dienstagabend andauern wird, ist nicht abzusehen. Möglich gilt aber eine Sitzungsdauer bis in die späten Abendstunden. Dies bestätigte eine Sprecherin des Clubs, ohne jedoch genauere Zeiten und den Tagungsort bekanntzugeben. Nach Angaben der «Bild»-Zeitung traf Tönnies am frühen Abend an der Schalker Geschäftsstelle ein. Der Ehrenrat des Clubs soll sich in einem Konferenzraum des Stadions getroffen haben. Dort habe Tönnies wenig später vor dem Gremium ausgesagt.

Auf dem Vereinsgelände nahm derweil der sportliche Alltag seinen Lauf. Die Schalker Profis absolvierten zwei Trainingseinheiten. Ob vor den fünf Mitgliedern des Schalker Gremiums weitere Personen angehört werden sollen, ist nicht bekannt. Informationen der «Bild»-Zeitung, dass ehemalige und aktuelle Schalker Spieler wie Gerald Asamoah, Thilo Kehrer, Naldo, Salif Sané und Suat Serdar dabei sein sollen, wollte der Club nicht bestätigen.

«Dazu liegen uns keine Informationen vor. Dafür gibt es keine Bestätigung», hieß es beim Club. Laut «Bild» sollen die Spieler befragt werden, ob sich Tönnies ihnen gegenüber rassistisch verhalten habe. Der 63-Jährige hatte bereits zuvor erklärt, dass er zu der Sitzung kommen und sich zu seinen als rassistisch kritisierten Äußerungen in der Vorwoche beim Tag des Handwerks in Paderborn erklären werde. Nach der Sitzung soll es ein Statement des Clubs geben. Mögliche Sanktionen reichen laut Anja Kleine-Wilde, Leiterin der Schalker Unternehmenskommunikation, von einer Verwarnung, einem Verweis bis zur Enthebung aus Vereinsämtern auf Zeit und Dauer.

Der Unternehmer hatte als Festredner Steuererhöhungen im Kampf gegen den Klimawandel kritisiert. Stattdessen solle man lieber jährlich 20 Kraftwerke in Afrika finanzieren. «Dann würden die Afrikaner aufhören, Bäume zu fällen, und sie hören auf, wenn's dunkel ist, Kinder zu produzieren», sagte Tönnies.

Der ehemalige Fußball-Profi Pablo Thiam hat die Entschuldigung für dessen Aussagen über Afrikaner als «halbherzig» bezeichnet. «Er sollte es nicht bei allgemeinen Floskeln belassen, sondern sich bei denen entschuldigen, die er durch seine Aussagen beleidigt hat», sagte der Integrationsbeauftragte des Bundesligisten VfL Wolfsburg der Tageszeitung «Die Welt». Auch Anti-Rassismus-Organisationen haben Tönnies scharf kritisiert. «Die Aussagen sind nicht mehr im Rahmen des Tolerierbaren», sagte Timo Reinfrank, Geschäftsführer der Stiftung Amadeu Antonio.

Der Aufsichtsratschef bekam vor der Anhörung beim Schalker Ehrenrat aber auch Beistand von alten Weggefährten. Die Schalker Trainer-Ikone Huub Stevens verteidigte Tönnies. «Wer ihn kennt, wer seit langem mit ihm zusammenarbeitet, der weiß, dass Clemens die Menschen mag wie sie sind - völlig unabhängig von Hautfarbe, Herkunft oder Religion. Ihm geht es stets um den Charakter eines Menschen - nie um die Farbe seiner Haut», schrieb der 65-Jährige in einer Erklärung, über die die «Westdeutsche Allgemeine Zeitung» berichtet.

Der frühere Bundesligatrainer Otto Rehhagel sagte, Tönnies «stets als ehrlichen und sozial sehr engagierten Menschen» kennengelernt zu haben. Der ehemalige SPD-Chef Sigmar Gabriel meinte indes, der Spruch von Tönnies sei «garantiert daneben» gewesen. Ihn aber zum Rassisten zu machen, sei «absoluter Quatsch». Wer Tönnies kenne, «weiß, dass das nun wirklich nicht stimmt. Vor allem aber verniedlicht dieser Vergleich die wirklichen Rassisten.»

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dpa

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Veröffentlicht am:
06. 08. 2019
22:08 Uhr

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06. 08. 2019
22:08 Uhr



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