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Schwimm-WM: Olympia-Schwung oder neue Tristesse?

Nach WM-Frusterlebnissen, Olympia-Nullnummern und turbulenten Zeiten setzen die deutschen Schwimmer auf den nächsten Neuanfang. Viele Medaillen verspricht die WM in Südkorea nicht. Im TV sind die Nachfolger von Biedermann, Steffen und Lurz nur noch Randsport.



WM-Start
Die Schwimm-WM in Südkorea wird aus deutscher Sicht ein weiterer Neustart.   Foto: Bernd Thissen

Ein Jahr vor Olympia in Tokio stecken die krisengeplagten deutschen Schwimmer bei den Weltmeisterschaften mitten im Neuaufbau.

Nach turbulenten Verbandstagen mit dem Rücktritt der Präsidentin und des Chefbundestrainers will das umformierte Team um Europameister Florian Wellbrock als großem Hoffnungsträger von diesem Freitag an in Südkorea das nächste WM-Frusterlebnis unbedingt vermeiden. Medaillenziele verkündet der Deutsche Schwimm-Verband auf dem Weg zu den Sommerspielen in einem Jahr keine. Ein Aufbruchssignal sollen die bis zum 28. Juli dauernden Titelkämpfe im zunächst regnerischen und trüben Gwangju aber auch ohne Aussichten auf viel Edelmetall werden.

Bei der WM mit rund 2600 Athleten aus 194 Ländern bringen sich besonders die großen Schwimmsport-Nationen wie die USA, Australien oder China schon in Stellung für das Mega-Sportereignis in einem Jahr in Japan. Im Wasserspringen, Freiwasser und bei den Staffeln heizt der Kampf um Olympia-Tickets die Konkurrenz weiter an.

«Die Athleten sollten die WM in Südkorea als Grundstein für eine erfolgreiche Olympiaqualifikation verlassen», formulierte es der deutsche Leistungssportdirektor Thomas Kurschilgen sehr zurückhaltend. Die aus deutscher Sicht erfreulichen Europameisterschaften vor einem Jahr in Glasgow, als es alleine acht Beckenmedaillen gab, sind kein Maßstab für das Kräftemessen mit dem Who's Who im Schwimmsport.

Auf die Stimmung schlug das mäßige Wetter bei Topathlet Patrick Hausding nicht. «Die Leute hier sind sehr höflich und sehr hilfsbereit, mein Eindruck ist erstmal durchweg positiv», sagte Deutschlands bester Wasserspringer. Wie bei Olympischen Spielen sind die Sportler nicht in verschiedenen Hotels, sondern in einem Athletendorf untergebracht. «Das ist ganz cool, weil man sich in so einem Dorf auch immer ein bisschen gemeinschaftlicher fühlt», sagte Hausding.

Zehn Jahre nach der goldenen WM von Rom, als vor allem Britta Steffen, Paul Biedermann im Becken und Thomas Lurz im Freiwasser für Erfolge sorgten, sind deren Nachfolger in der öffentlichen Wahrnehmung abgetaucht. Live sind die Titelkämpfe in Deutschland praktisch nicht im Fernsehen zu verfolgen. Ohne Erfolge, keine Quote - und allzu viele Podestplätze wird es auch in den Tagen von Gwangju nicht geben.

«Es gibt schon einige, die eine Medaillenchance haben. Ich drücke da die Daumen, aber es sind halt zwei, drei Namen, die da wirklich eine Chance haben», sagte Doppel-Olympiasiegerin Steffen. Aber Erfolge seien schwierig.

Wellbrock zählt über die langen Strecken in den Becken-Wettbewerben und im Freiwasser zu den Medaillenanwärtern. Seine Freundin Sarah Köhler will im Becken an die guten EM-Auftritte anknüpfen. Dahinter wollen allen voran Routiniers wie der 2015er Weltmeister Marco Koch oder die WM-Zweite von Budapest, Franziska Hentke, auf dem Weg zu Olympia einen guten Eindruck hinterlassen. Hausding selbst zählt sich nach einer schwierigen Vorbereitung mit Verletzungen nicht zum Kreis der Top-Favoriten. Synchronschwimmerinnen und Wasserballer möchten sich beim Kampf um die Olympia-Tickets, die im kommenden Jahr vergeben werden, positionieren.

Die Wasserspringer und Freiwasser-Asse sind gleich am ersten Wochenende gefordert, die Männer starten über fünf und die Frauen über zehn Kilometer. «Unsere Hauptdistanz sind die zehn Kilometer, denn neben den WM-Medaillen geht es auch um die Olympia-Qualifikation», sagte Freiwasser-Bundestrainer Stefan Lurz - die Frauen schwimmen ihr Rennen über die olympische Distanz an diesem Sonntag, die Männer um Wellbrock. Auch Wassersprung-Bundestrainer Lutz Buschkow setzt vor allem auf Olympia-Quotenplätze. «In den Kampf um die Medaillen einzugreifen wird für uns schwer», sagte er.

Für die öffentliche Bewertung sind vor allem die Becken-Ergebnisse in der zweiten WM-Hälfte ausschlaggebend. Nach dem Rücktritt von Chefbundestrainer Henning Lambertz im Dezember aus privaten Gründen und wegen unterschiedlicher Ansichten mit Kurschilgen führen zwei Trainer die Becken-Mannschaft: Bernd Berkhahn als Teamchef und Hannes Vitense als Teamcoach. Medaillenziele nennt auch Berkhahn keine. Auch an der Spitze des Verbandes gibt es einen Umbruch. Präsidentin Gabi Dörries warf im Dezember kurz vor Lambertz hin, ein Nachfolger wird gerade gesucht.

Bis zu den Olympischen Spielen 2024 will der DSV sportlich wieder eine schlagkräftigere Truppe haben. Das Ziel, schon 2020 wieder in der Spitze mitmischen zu können, ist schon lange verworfen worden. «Wir wollen mit Blick auf Olympia das Optimum herausholen», sagte Kurschilgen, der seit September im Amt ist. Ohne Medaillen bringt dem deutschen Schwimmen aber auch «das Optimum» auf dem Weg zu besseren Zeiten nicht viel.

Veröffentlicht am:
11. 07. 2019
12:40 Uhr

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Autor

dpa

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Veröffentlicht am:
11. 07. 2019
12:40 Uhr



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