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Schreuder und die Bewältigung des Nagelsmann-Erbes

Hoffenheim, Ajax, Hoffenheim: Was sich liest wie eine merkwürdige Reihenfolge, wird bei Trainer Alfred Schreuder zu einem sinnigen Karriereplan. Nun trifft der Niederländer auf seinen früheren Chef.



Hoffenheim-Coach
Alfred Schreuder ist seit Saisonbeginn Trainer bei 1899 Hoffenheim.   Foto: Uwe Anspach/dpa » zu den Bildern

Wenn es um seinen Trainer geht, kann Alexander Rosen richtig laut werden - und vor allem deutlich.

«Fast schon pervers» seien die immer kürzeren Bewertungszeiträume im Profifußball, «einfach nur lächerlich» empfand er das öffentliche Anzählen seines Chefcoaches Alfred Schreuder bei der TSG 1899 Hoffenheim nach einem eher schwierigen Start im Herbst.

«Bei uns herrschte jedenfalls eine große Ruhe, denn wir wussten um die Abgänge, die Verletztensituation und das Auftaktprogramm», sagte Sportchef Rosen der Deutschen Presse-Agentur vor dem Wiedersehen mit Ex-Trainer Julian Nagelsmann, der bei der TSG nicht nur große Erfolge feierte, sondern auch eine steigende Erwartungshaltung weckte.

Nagelsmann leitet inzwischen sehr erfolgreich RB Leipzig an - seinen Trainer-Kollegen Schreuder hätte er an diesem Samstag (15.30 Uhr/Sky) lieber wieder bei sich als Assistenten statt als Rivalen gesehen. «Weil er sehr loyal war, bedingungslos meine Idee gut fand und immer versucht hat, diese mit- und weiterzuentwickeln», begründete Nagelsmann. Nicht nur das offene Verhältnis mit dem Niederländer schätzt er, sondern auch dessen «Siegeswillen und Siegermentalität», meinte der 32-Jährige.

Schreuder zog es vor, in Hoffenheim Chef zu werden. Und so sehr er anfangs als Nagelsmann-Nachfolger vor riesigen Erwartungen stand und mit der einen oder anderen Tücke der deutschen Sprache kämpfte, so souverän zog sich das von Abgängen geplagte TSG-Team zuletzt aus dem sportlichen Sumpf und gewann Spiel um Spiel. «Wenn wir den aktuellen Punkteschnitt halten, kämpfen wir bis zum Schluss um Europa. Das wäre in so einer Saison mehr als ansehnlich», betonte Rosen. In Jahr eins nach Nagelsmann und den vier abgewanderten Schlüsselspielern Kerem  Demirbay, Nico Schulz, Nadiem Amiri und Joelinton wäre das nicht nur «mehr als ansehnlich», sondern eine große Überraschung.

Das klare Konzept, die Akribie und das extreme Fußballfachwissen sind Pluspunkte, die Spieler und Weggefährten von Schreuder immer wieder loben. Rosen verdeutlicht: «Wir kannten ihn sehr gut. Den Menschen Schreuder, den Fachmann Schreuder - beides in Kombination hat sich für uns schnell als passend angefühlt. Alfred hat viele Charaktereigenschaften, die ein erfolgreicher Trainer braucht.» Nach dem Stotterstart versteckte sich der Sportchef nicht, sondern trat vor TV-Kameras und verteidigte seinen Trainer: Drei Tage später zahlte dieser mit einem 2:1-Sieg beim FC Bayern zurück.

Schreuder hat sich bei seinen Stationen die Vorzüge mehrerer  Cheftrainer ansehen können und versucht nun, diese Stärken selbst zu bündeln. Das langfristige Arbeiten ist im Kraichgau tatsächlich noch so hoch angesehen wie an wenigen anderen Bundesliga-Standorten. Rosen nennt die Konstanz und Kontinuität als «starke Basis für eine positive Entwicklung».

Deshalb sollte auch Schreuder keine Übergangslösung nach Nagelsmann werden, sondern das nächste Langfrist-Projekt, wie sein Vertrag bis 2022 deutlich unterstreicht. Bei der Eingewöhnung sei «die Tatsache, dass der Neue ein alter Bekannter war, ein großer Vorteil» gewesen, schildert Rosen. Im beschaulichen Kraichgau sei aufgrund der Erfahrungen mit Schreuder nie das Gefühl aufgekommen, «dass da etwas Unbekanntes auf uns zukommt».

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dpa

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Veröffentlicht am:
04. 12. 2019
10:32 Uhr

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04. 12. 2019
10:32 Uhr



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