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Schlammschlacht: Klinsmann-Papiere erzürnen Hertha

Ein Protokoll über das Intermezzo von Jürgen Klinsmann bei Hertha BSC löst ein Beben beim Fußball-Bundesligisten aus. Nach dem abrupten Abgang des früheren Bundestrainers prüfen die Berliner nun sogar juristische Schritte.



Jürgen Klinsmann
Sorgt in Berlin immer noch für Schlagzeilen: Ex-Coach Jürgen Klinsmann.   Foto: Soeren Stache/dpa-Zentralbild/dpa

Die beispiellose Abrechnung mit Hertha BSC in einem Tagesprotokoll für Jürgen Klinsmann lässt die Berliner endgültig in eine Schlammschlacht mit ihrem Kurzzeit-Trainer versinken.

In dem internen Papier werden dem Fußball-Bundesligisten «Lügenkultur» und «katastrophale Versäumnisse» unterstellt. Inwiefern Klinsmann das Protokoll in Auftrag gegeben oder autorisiert hat, blieb zunächst unklar. Es soll sich um ein internes Papier für den Ex-Coach und dessen Partner handeln, das geleakt worden sein soll. Die Klinsmann-Seite wollte sich auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur nicht weiter dazu äußern.

Hertha-Präsident Werner Gegenbauer sprach in einer scharfen Reaktion auf das von der «Sport Bild» in Auszügen veröffentlichte Dokument von «schäbigen Anschuldigungen». Manager Michael Preetz bezeichnete die Attacken als «perfide und unwürdig». Hertha behalte sich rechtliche Schritte vor, da der Verein Schaden genommen habe, sagte Preetz.

In der vertraulichen Bestandsaufnahme und Analyse erhebt die Klinsmann-Seite massive Vorwürfe gegen den Hauptstadt-Club und allen voran gegen Sport-Geschäftsführer Preetz. Dieser betonte sichtlich verärgert, bei der Hertha seien die Darstellungen mit großer Betroffenheit zur Kenntnis genommen worden. Er selbst halte das aus, verurteile die Anschuldigungen aber aufs Schärfste. Trainer Alexander Nouri, den Klinsmann während seines 77-Tage-Engagements als Assistent geholt hat, beteuerte: «Ich habe davon nichts gewusst.»

Ärger wie dieser hatte der abstiegsgefährdeten Hertha nach dem desaströsen 0:5 zuhause am vergangenen Samstag in der Bundesliga gegen den 1. FC Köln gerade noch gefehlt. Mit seiner Art Tagebuch, das er für sich und seinen Partner anfertigen ließ, sorgte Klinsmann für den wohl finalen Tiefpunkt der brachial gescheiterten Zusammenarbeit mit dem selbst ernannten Big City Club der Zukunft.

Bei der Übernahme der Mannschaft sei diese in einem «katastrophalen Zustand» gewesen, hieß es unter anderem in dem Protokoll. Und auch das: «Der Klub wäre ohne den Trainerwechsel Ende November direkt in die 2. Liga abgestiegen, weil er auf diese Situation gar nicht vorbereitet ist.»

Klinsmann wollte Ralf Rangnick holen, dieser wollte nach Angaben in der 22-seitigen Arbeitszusammenfassung aber nicht mit Preetz arbeiten. Weitere Anschuldigungen gegen den Geschäftsführer folgten. Gegen Ende kam der bislang unbekannte Autor zu dem Schluss, dass die Geschäftsleitung sofort komplett ausgetauscht werden müsse.

Hertha-Präsident Gegenbauer reagierte in einem Brief an die Mitglieder. Auf die Vorwürfe im einzelnen will der Verein gar nicht eingehen, «da sie entweder falsch oder einfach nur unsinnig sind», schrieb Gegenbauer. «Eines müssen wir aber deutlich anmerken: die schäbigen Anschuldigungen gegen die Mitarbeiter der Abteilungen Medizin und Medien weisen wir entschieden zurück.»

Die medizinische Betreuung sei beispielsweise «ohne jegliche Dynamik, zerstritten, inkompetent, den Anforderungen des modernen Profifußballs nicht gewachsen». Man versuche ständig, Spieler krank oder verletzt zu reden, «damit die eigene Wichtigkeit unterstrichen wird», heißt es in dem Schreiben.

Auch Preetz ging auf die Attacken auf die beiden Abteilungen explizit ein. Mit ruhiger Stimme wies er sie «aufs Schärfste» zurück und sprach von «gleichermaßen widerlichen wie unverschämten Angriffen». Der 52 Jahre alte ehemalige Mittelstürmer betonte zudem, dass Klinsmann die Anschuldigungen selbst während seiner Zeit in Berlin nicht geäußert habe.

Für Hertha seien weder der Inhalt des Schreibens noch die Art und Weise des Vorgehens seitens Klinsmanns und seiner Berater André Gross und Roland Eitel nachvollziehbar, unterstrich Gegenbauer. «Schon der Rücktritt von Jürgen Klinsmann via Facebook Post und auch der Versuch der Einordnung seiner Entscheidung einen Tag später via aufgezeichnetem Facebook 'Live' Video stehen aus unserer Sicht für sich und bedürfen keines weiteren Kommentars», schrieb der Hertha-Präsident. Nun dürfe der Club Zeuge sein, wie der Coach «abermals versucht, mit absurden Behauptungen seinen Rücktritt zu rechtfertigen».

Klinsmann war zunächst in den Aufsichtsrat von Hertha für Investor Lars Windhorst eingezogen. Am 27. November vergangenen Jahres übernahm Klinsmann nach der Trennung von Ante Covic den Trainerposten. Was folgte, waren sportlich gesehen drei Siege, drei Remis und drei Niederlagen in der Liga sowie das Ausscheiden im Achtelfinale des DFB-Pokals.

In der Winterpause ging Klinsmann auf Shopping-Tour und ließ für knapp 80 Millionen Euro neue Spieler verpflichten. Am 11. Februar erklärte er sein Engagement völlig überraschend wieder für beendet und stürzte den Verein nach ohnehin schon turbulenten Wochen und Monaten ins Chaos.

Schon bei seinem Engagement 2008/09 beim FC Bayern München war er vor Ablauf der Saison gescheitert. Fehler, die Klinsmann in seiner kurzen Zeit gemacht haben könnte, wurden in dem bemerkenswerten Protokoll nicht thematisiert.

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dpa

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Veröffentlicht am:
26. 02. 2020
16:29 Uhr

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16:29 Uhr



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