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Salut-Jubel im Amateurfußball bereitet Sorgen

Im Amateurfußball beschäftigen sich die Sportgerichte mit Nachahmern des Salut-Jubels türkischer Nationalspieler. Vor dem kommenden Wochenende werden Schiedsrichter und Clubs sensibilisiert.



Salut-Jubel
Die türkischen Spieler salutierten nach dem Spiel in Frankreich.   Foto: Thibault Camus/AP/dpa

Die Aufregung über den Salut-Jubel türkischer Nationalspieler wird im deutschen Fußball zum Fall für die Sportgerichte.

Zwar scheint am kommenden Wochenende in der Bundesliga ein politisches Bekenntnis zum international kritisierten Militäreinsatz der Türkei in Nordsyrien wenig wahrscheinlich - in den unteren Spielklassen hat der von der UEFA untersuchte Vorfall in der EM-Qualifikation aber bereits erste Nachahmer gefunden.

«Wir sind alle gegen Krieg», sagte der türkischstämmige deutsche Nationalspieler Suat Serdar vom FC Schalke 04 in Gelsenkirchen und schloss «auch Ozan» Kabak ein, der gegen Albanien und in Frankreich im türkischen Kader gestanden und sich dem Salut-Gruß an die kämpfenden Soldaten angeschlossen hatte.

Wie Ligarivale Fortuna Düsseldorf, der Kaan Ayhan und Kenan Karaman abgestellt hatte, hatte Schalke erklärt, «intern mit Kabak sprechen» zu wollen. Auch die weiteren Bundesliga-Clubs mit türkischen Profis oder Spielern mit Wurzeln in der Türkei in den Reihen äußerten sich nur zurückhaltend.

Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan spielte den Wirbel herunter. Die Jubel-Gesten seien «selbstverständlich» und «natürlich», sagte er der Nachrichtenagentur DHA zufolge. An eine harte Bestrafung durch die Europäische Fußball-Union, deren Disziplinarkammer am 17. Oktober berät, glaubt er deshalb nicht: «Sie können höchstens eine Verwarnung aussprechen.» Die türkische Nationalmannschaft habe eine «nationale Sichtweise, und diese nationale Sichtweise haben sie mit all den Zuschauern geteilt».

Im deutschen Amateurbereich spielen Mannschaften, die sich fast ausschließlich aus türkischen Spielern zusammensetzen. Im Kreis Recklinghausen ermittelt der zuständige Verband nach Salut-Posen gegen die SG Hillen, Genclikspor Recklinghausen und die zweite Mannschaft der DTSG Herten, wie auch der WDR berichtete. «In einem Fall handelte es sich um die komplette Mannschaft, bei den anderen ging es um Gruppierungen von fünf bis sechs Spielern», sagte der Kreisvorsitzende Hans-Otto Matthey.

Genclikspor, Tabellenführer der A-Klasse, zeigte wenig Verständnis. «Dass mit Geldstrafen oder Punktabzug gedroht wird, verstehe ich überhaupt nicht. Wo bleibt da die Meinungsfreiheit?», fragte der Vorsitzende Hakki Gürbüz. In der Kabine sei ein Foto mit türkischer Fahne gemacht worden, dabei hätten einzelne Spieler den Militärgruß gezeigt. «Aber das war als reine Gedenkminute für die verstorbenen Soldaten gedacht», sagte Gürbüz. Das entsprechende Foto habe der Verein inzwischen bei Facebook entfernt und sich «bei denjenigen entschuldigt, die sich dadurch angegriffen gefühlt haben».

Der für den Sport zuständige Innenminister Horst Seehofer ließ zu den Jubelgesten der türkischen Nationalspieler mitteilen, er sei generell der Auffassung, dass «Politik und Sport klar voneinander zu trennen sind». Fußball-Stadien seien Orte von sportlichen Leistungen und nicht von «politischen Statements». Seehofer verwies auf die Vorbildfunktion von Sportlern. «Deswegen muss jeder Spitzensportler, der in Deutschland mit öffentlichen Mitteln gefördert werden möchte, zuvor ein Bekenntnis zu gegenseitigem Respekt, Fairplay und Miteinander abgeben», sagte der CSU-Politiker.

Der Bayerische Fußball-Verband (BFV), wo zwei Vereine aufgefallen waren, will Clubs und Schiedsrichter weiter sensibilisieren. Der BFV setze auf den Dialog und arbeite präventiv, sagte ein Sprecher. Das Thema rein über Strafen regulieren zu wollen, sei im Gesamtkontext nicht allein hilfreich. In Berlin teilte der Landesverband mit, «in den letzten Tagen viele persönliche Gespräche geführt» zu haben. Man sei «gut vorbereitet, damit nichts eskaliert», sagte Mehmet Matur, Präsidialmitglied Integration bei BFV. Die Verbände in Baden-Württemberg berichteten von mindestens sechs Fällen am vergangenen Wochenende, bei denen der Salut-Jubel zu sehen war.

Grundlage für die Landesverbände und deren Satzungen ist die Rechts- und Verfahrensordnung des DFB. In der steht: «Eines unsportlichen Verhaltens (...) macht sich insbesondere schuldig, wer sich politisch, extremistisch, obszön anstößig oder provokativ beleidigend verhält.» Das Strafmaß reicht von einer Verwarnung bis hin zu einem Ausschluss auf Zeit.

Regionalliga-Spitzenreiter Türkgücü München - der aktuell sportlich beste türkischstämmige Verein in Bayern - betonte, sich auf den Fußball konzentrieren zu wollen. «Solche Aktionen wird es bei uns nicht geben, weil wir uns auf den Sport fokussieren», sagte Geschäftsführer Robert Hettich. Im Kader der ersten Mannschaft stehen allerdings nur sehr wenige Spieler mit türkischen Wurzeln. «Das Team wurde über das Thema informiert, aber bei unseren Spielen gibt es keine politischen Statements», sagte Hettich.

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dpa

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16. 10. 2019
16:34 Uhr

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16. 10. 2019
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