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Real holt in der Krise Zidane zurück - Solari entlassen

Neun Titel gewann Zinédine Zidane in zweieinhalb Jahren als Trainer mit Real Madrid. Seinen Nachfolgern gelang in den vergangenen neun Monaten wenig. Nach dem Verpassen aller Saisonziele kehrt nun überraschend der Franzose auf die Trainerbank der Königlichen zurück.



Rückkehrer
Nach rund neun Monaten wieder zurück: Zinedine Zidane ersetzt bei Real Madrid Trainer Santiago Solari. Foto: Enrique de la Fuente/gtres   Foto: dpa

Zizou» muss es wieder richten: Gut neun Monate nach seinem Rücktritt als Trainer von Real Madrid kehrt Zinedine Zidane völlig überraschend zum kriselnden spanischen Fußball-Rekordmeister zurück.

Die Absetzung des bisherigen Coaches Santiago Solari und die Verpflichtung des 46 Jahre alten Franzosen wurden auf einer Vorstandssitzung am Montagabend abgesegnet, wie der Club von Toni Kroos und Kapitän Sergio Ramos mitteilte. Zidane, der einen Vertrag bis 2022 unterschrieb, übernimmt bereits am Dienstag das Training. «Ich will den Club wieder dorthin bringen, wo er hingehört», sagte Zidane auf einer Pressekonferenz.

Clubboss Florentino Pérez zog mit dem Trainertausch die Konsequenzen aus einer restlos enttäuschenden Saison. Als Titelverteidiger schied Real bereits im Achtelfinale der Champions League gegen Außenseiter Ajax Amsterdam kläglich aus. In der Liga haben die Königlichen zwölf Punkte Rückstand auf den Erzrivalen FC Barcelona, an dem sie auch im Pokal scheiterten.

Eine ordnende Hand ist dringend notwendig. Wie Anfang 2016, als Zidane den erfolglosen Rafa Benítez ablöste, wird er erneut als Krisenmanager geholt. Nur, dass er seinerzeit als Coach des B-Teams ein Anfänger in der Trainerzunft war. Diesmal kommt er als bewährter Motivationskünstler. Er sei sehr glücklich, «wieder zu Hause zu sein», und habe «große, sehr große Lust, morgen die Arbeit wieder aufzunehmen», sagte Zidane.

In nur zweineinhalb Jahren als Chefcoach der Madrilenen gewann Zidane nicht weniger als neun Titel, darunter als erster Trainer der Fußballgeschichte drei Mal in Serie die Champions League. Der Mann aus Marseille war zum Ende der vergangenen Saison zurückgetreten. Damals hatte er als Grund für seine Entscheidung von «natürlichen Abnutzungserscheinungen» gesprochen.

Die galten damals wohl nicht nur für ihn. Der Weltmeister von 1998, der bei Real in den 2000er Jahren auch als Profi glänzte, sah wohl das Unheil kommen. Die erfolgsverwöhnten Stars um Kroos, Ramos, Weltfußballer Luka Modric, Gareth Bale und Karim Benzema konnten diese Saison nach dem Weggang von Zidane und nach dem Wechsel von Superstar Cristiano Ronaldo zu Juventus Turin nur selten an die Leistungen früherer Jahre anknüpfen.

Der Höhepunkt der Krise wurde vor wenigen Tagen erreicht. Innerhalb von nur sechs Tagen scheiterte Real durch Heimpleiten gegen Barcelona (0:3) und Ajax (1:4) sowohl im spanischen Pokal als auch in der Champions League. In diese kurze Zeitspanne fiel auch eine 0:1-Liga-Heimniederlage gegen Barça, mit der man praktisch auch alle Chancen auf den Liga-Titel verspielte.

Nach dem Rücktritt Zidanes hatten die Königlichen im Juni 2018 den damaligen Nationaltrainer Julen Lopetegui verpflichtet - der daraufhin vom erbosten spanischen Verbandsboss Luis Rubiales kurz vor WM-Beginn in Russland des Amtes enthoben wurde. Bei Real musste Lopetegui schon Ende Oktober wegen Erfolglosigkeit wieder gehen. Nachfolger Solari - bis zu seiner Beförderung Trainer der B-Mannschaft - blieb am Ende nur gut vier Monate im Amt. Ihm bot Real an, im Club zu bleiben und eine andere Aufgabe zu übernehmen.

Neben Zidane waren auch andere Trainergrößen wie der derzeit arbeitslose frühere Real-Coach José Mourinho, Tottenhams Mauricio Pochettino und Massimiliano Allegri von Juventus im Gespräch gewesen. Als Kandidaten waren auch zwei Deutsche gehandelt worden: Jürgen Klopp vom FC Liverpool und Nationaltrainer Joachim Löw.

Aber Zidane sei immer der «Favorit Nummer eins» von Real-Clubboss Florentino Pérez gewesen, schrieb «AS». Das Problem war demnach, den Franzosen dazu zu überreden, sein Sabbatjahr vorzeitig zu beenden und das gute Image bei den Real-Fans aufs Spiel zu setzen. Am Ende gelang das dem milliardenschweren Baulöwen. Medien vermuten, dass der angebotene Vertrag sehr lukrativ sein muss.

Pérez sagte, er wisse, dass für die Real-Fans der «schwierige Augenblick sehr schmerzhaft» sei. Aber nun kehre der «beste Trainer der Welt» nach 284 Tagen zurück. Wenn Pérez mit der Verpflichtung des Idols die Krise zumindest etwas «vergessen» machen wollte, dann ist ihm das wohl zum Teil schon gelungen: «Das kann man fast mit einem Titelgewinn vergleichen, Madrid ist glücklich», sagte ein Kommentator im spanischen TV euphorisch.

Die Aufgabe von Zidane wird nun, so Medien, erstmal sein, für ein «würdiges Saisonende» zu sorgen. Auch wenn man keine Titelchancen mehr hat, könnten es sich die Königlichen nicht leisten, auf gute Leistungen zu verzichten, hieß es. Wichtiger noch: Zidane wird die von Fans und Medien geforderte «Totalsäuberung» einleiten müssen.

Neben gestandenen Profis wie Marcelo, Bale, Benzema und Isco gerät auch Kroos immer mehr auf die Abschussliste. Trotz des 4:1-Erfolges bei Real Valladolid wurde der Weltmeister von 2014 erneut wegen mangelhaften Einsatzes scharf kritisiert. Bei gefährlichen Konterangriffen habe der 29 Jahre alte frühere Bayern-Profi «nicht einmal angedeutet», seinen ballführenden Gegenspieler attackieren zu wollen. Kroos sah derweil nach dem Sieg das Positive: «Gute Reaktion letzte Nacht nach einer schrecklichen Woche», twitterte er.

Auf die Frage, ob er eine Erneuerung des Kaders durchführen werde, sagte Zidane: «Man muss einige Dinge ändern, aber darum geht es zunächst nicht.» Angst, sein gutes Image im Club aufs Spiel zu setzen, habe er keine. «Nein, sonst wäre ich ja nicht hier.» Zizou: «Mich hat der Präsident (Florentino Pérez) angerufen. Und da ich den Presi und auch den Club liebe, bin ich hier.»

Die Trainer von Real Madrid seit 1999:

Amtszeit Name
1999-2003 Vicente Del Bosque
2003-2004 Carlos Queiroz
2004 José Antonio Camacho
2004 Mariano Garcia Remón
2004-2005 Vanderlei Luxemburgo
2005-2006 Juan Ramón López Caro
2006-2007 Fabio Capello
2007-2008 Bernd Schuster
2008-2009 Juande Ramos
2009-2010 Manuel Pellegrini
2010-2013 José Mourinho
2013-2015 Carlo Ancelotti
2015-2016 Rafa Benítez
2016-2018 Zinédine Zidane
2018 Julen Lopetegui
2018-2019 Santiago Solari
ab 2019 Zinédine Zidane
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Veröffentlicht am:
11. 03. 2019
21:35 Uhr

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11. 03. 2019
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