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Sport

Politischer Richtungsstreit um Bundesliga-Fußball

Die Diskussion um eine Fortsetzung der Bundesligasaison in der Corona-Krise polarisiert gewaltig. Kritiker und Befürworter aus allen gesellschaftlichen Bereichen beteiligen sich. Die Sportminister halten einen Neustart im Mai für möglich.



NRW-Ministerpräsident
Armin Laschet rechnet mit einer Zustimmung der zuständigen Behörde für die Wiederaufnahme des Spielbetriebs in der Fußball-Bundesliga.   Foto: Federico Gambarini/dpa

Bei dem mit Spannung erwarteten Video-Gipfel von Bundeskanzlerin Angela Merkel mit den Länderchefs am 30. April darf der deutsche Profifußball auf das ersehnte politische Signal für einen Bundesliga-Neustart hoffen.

Die Sportminister der 16 Bundesländer verständigten sich in einer Telefonkonferenz darauf, dass ein Abschluss der seit Mitte März ausgesetzten Saison weiter möglich sei. «Die Fortsetzung des Spielbetriebes in der Fußball-Bundesliga vor leeren Zuschauerrängen erachtet die SMK nach wie vor ab Mitte oder Ende Mai für vertretbar», sagte die Vorsitzende der Sportministerkonferenz (SMK), Bremens Sportsenatorin Anja Stahmann.

Zu einer abschließenden Einigung kam es zwar noch nicht. Diese soll aber bis zum folgenden Tag in Form eines Umlaufbeschlusses im Bundeskanzleramt vorgelegt werden und als Grundlage für die Beratungen der Kanzlerin mit den Ministerpräsidenten über die weitere Öffnung der Gesellschaft in der Corona-Pandemie dienen.

Die Sportminister sind sich laut Stahmann darin einig, dass die Deutsche Fußball Liga für eine mögliche Wiederaufnahme des Spielbetriebes «strengste hygienische und medizinische Voraussetzungen schaffen, durchsetzen und mit geeigneten Maßnahmen überprüfen» müsse. Noch kein einheitliches Meinungsbild gibt es offenbar in dem heiklen Punkt der Test-Kapazitäten. «Wir müssen diese Frage gewissenhaft prüfen und noch weiter diskutieren», sagte Stahmann.

Der Sport dürfe generell nicht den Vorwurf auf sich ziehen, dass er Test-Kapazitäten beanspruche, die für den allgemeinen Gesundheitsschutz zum Beispiel in Altenheimen oder Kliniken dringend gebraucht werden. Die DFL hatte in der Vorwoche bei der Vorstellung ihres Konzepts betont, dass dies nicht der Fall sei.

Für die Vereine gab es eine weitere gute Nachricht: Alle 49 Bewerber erhielten von der DFL im ersten Anlauf die Lizenz für die kommende Saison. Einige Clubs müssen jedoch bis Mitte Juni Bedingungen erfüllen, um im Falle der sportlichen Qualifikation die endgültige Spielberechtigung zu erhalten. Wegen der Corona-Krise hatte die DFL im Lizenzierungsverfahren ausnahmsweise auf eine Liquiditätsprüfung verzichtet.

Um die Frage, ob die Bundesliga die Saison mit Geisterspielen fortsetzen darf, tobt eine hitzige politische und gesellschaftliche Debatte, in der es längst nicht mehr um Tore und Punkte geht. Die Kritiker halten der DFL vor, mit ihren Plänen für eine Wiederaufnahme des Spielbetriebes eine Sonderrolle zu beanspruchen. Doch diese wird dem Fußball zugleich auch zugestanden - von Politikern, Wissenschaftlern und Gesundheitsexperten, die fast täglich über das Für und Wider eines Liga-Neustarts streiten.

Am Vortag attackierte Grünen-Chefin Annalena Baerbock die Rückkehrpläne der DFL. «Wir verspielen damit in unserer Gesellschaft wirklich einen sozialen Zusammenhalt, weil das zutiefst ungerecht ist für diejenigen Bereiche, in denen ein Kind noch nicht einmal auf eine einsame Schaukel darf», kritisierte sie in der ARD-Sendung «Anne Will».

Diese oder ähnliche Argumentationen hört man in diesen Tagen oft - genau das ist das Problem des Profifußballs, dessen vorgelegtes Konzept für einen Spielbetrieb ohne Zuschauer inhaltlich nur wenige Angriffspunkte bietet. In der öffentlichen Bewertung geht es vornehmlich um die gesellschaftliche Bedeutung der Milliarden-Branche und die Signale, die sie mit ihren Bemühungen um einen baldigen Bundesliga-Neustart aussendet.

Der Sportphilosoph Gunter Gebauer hält Fußballspiele in der jetzigen Situation sogar für verantwortungslos. «Gesang, Theater, Schauspiel, im Wirtshaus zusammensitzen - alles, wo es zu Nähe und Körperkontakt kommt, ist strikt verboten. Und dann wird ein Vollkontaktsport wie Fußball ausgeübt? Bei anderen Sportarten wie Rudern, Gewichtheben oder Golf, wo man Abstand halten kann, wird über Wettkämpfe gar nicht erst nachgedacht», sagte der 76 Jahre alte Wissenschaftler in einem Interview der «Augsburger Allgemeinen».

Solche Äußerungen kommen für DFL-Boss Christian Seifert nicht überraschend. «Die Tatsache, dass die Bundesliga wieder spielen kann, wird gleichgesetzt mit anderen Bereichen, das kann ich emotional nachvollziehen», sagte der Geschäftsführer der Deutschen Fußball Liga unlängst. «Ein bisschen Augenmaß bei der Bewertung würde mich aber schon freuen. Dass das, was wir da tun, nicht anmaßend oder überheblich ist.»

Es gibt aber auch Befürworter der DFL-Pläne. Zu denen gehören neben den meisten Sportministern auch die einflussreichen Ministerpräsidenten von Bayern und Nordrhein-Westfalen, Markus Söder (CSU) und Armin Laschet (CDU). Beide hätten eine Wiederaufnahme des Spielbetriebs vorgeschlagen, «weil uns das Konzept überzeugt hat», sagte Laschet in der ARD.

Der Kanzler-Bewerber rechnet mit einer Zustimmung des zuständigen Bundesarbeitsministeriums, wo das DFL-Konzept derzeit bewertet wird. «Die werden uns einen Vorschlag machen. Ich gehe davon aus, was ich so bisher höre, dass die Kriterien erfüllt sind», sagte Laschet.

Ein positives Signal gab es zudem aus der Fanszene mit Blick auf die von Polizei und Politikern geäußerten Befürchtungen, wonach es bei einer Saison-Fortsetzung zu Menschenaufläufen vor den Stadien kommen könne. «Ich bin mir sicher, dass sich die aktiven Fußballszenen an die behördlichen Auflagen halten, wenn es denn zu Geisterspielen kommen sollte», sagte Helen Breit, Sprecherin der Organisation «Unsere Kurve», der Deutschen Presse-Agentur.

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dpa

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Veröffentlicht am:
27. 04. 2020
18:18 Uhr

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27. 04. 2020
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