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Sport

«Nazis raus»-Rufe im Stadion: Fans in Münster setzen Zeichen

Kurz vor dem Ende des Drittliga-Spiels zwischen Preußen Münster und den Würzburger Kickers kommt es zu einer rassistischen Beleidigung auf der Tribüne. Die Fans und der Verein reagieren sofort.



Preußen Münster
Fans von Preußen Münster zeigten eine bemerkenswerte Reaktion.   Foto: Friso Gentsch/dpa

Mit einer bemerkenswerten Aktion und lautstarken «Nazis raus»-Rufen haben Fans des Bundesliga-Gründungsmitglieds Preußen Münster auf einen Rassismusvorfall reagiert.

In der Schlussphase des Drittliga-Spiels gegen die Würzburger Kickers am Freitagabend hatte ein Mann auf der Tribüne den Gäste-Profi Leroy Kwadwo beleidigt und Affenlaute in Richtung des 23-Jährigen gemacht.

Nach Vereinsgaben zeigten daraufhin andere Fans auf den Zuschauer, damit dieser von Ordnungskräften ausfindig gemacht werden konnte. Zudem riefen zahlreiche Fans «Nazis raus». Ein Sprecher der Polizei bestätigte dem «Spiegel» die Beleidigungen. Demnach soll gegen den Mann eine Anzeige wegen Volksverhetzung gestellt werden. Wie der «Spiegel» weiter schreibt, soll der Mann nach Informationen der Polizei Kwadwo auch zugerufen haben: «Geh zurück in dein Loch.»

Nach Angaben der «Westfälischen Nachrichten» handelt es sich um einen 29-Jährigen aus Steinfurt. Am Tag nach den Ereignissen meldete sich Kwadwo in einer ausführlichen Stellungnahme zu Wort und lobte das Verhalten der Fans in einem Beitrag bei Instagram: «Eure Reaktion ist vorbildlich - Ihr könnt Euch gar nicht denken, was diese mir und auch allen anderen farbigen Spielern bedeutet.» Am Ende seines Eintrags schrieb er zudem: «Danke für Eure Menschlichkeit.»

Die Beleidigung selbst habe ihn aber «einfach nur traurig und wütend» gemacht, teilte Kwadwo mit. «Ich habe zwar eine andere Hautfarbe, aber ich bin hier geboren.» Und der Abwehrspieler hob hervor: «Ich bin einer von Euch, ich lebe hier und darf hier meine Berufung und Leidenschaft als Profi der Würzburger Kickers ausleben.»

Der deutsche Nationalspieler Antonio Rüdiger vom FC Chelsea twitterte: «Wahnsinn... und schon wieder ein Vorfall. Unfassbar. Aber Respekt vor den Reaktionen der Zuschauer.»

Der Deutsche Fußball-Bund verurteilte die Tat, lobte die Reaktionen und verwies auf das richtige Handeln von FIFA-Schiedsrichterin Katrin Rafalski. «So traurig und beschämend der rassistische Vorfall gegenüber Leroy Kwadwo» gewesen sei, «so vorbildlich waren die sofortigen Reaktionen darauf», twitterte der DFB auf seinem Account zur 3. Liga. Rafalski habe gemäß der Drei-Stufen-Regel der Europäischen Fußball-Union UEFA eine Stadiondurchsage veranlasst und versucht, Kwadwo zu beruhigen. Auf Fotos ist zu sehen, dass Kwadwo die Unparteiische aufmerksam machte und in Richtung Tribüne zeigte.

Die Gastgeber entschuldigten sich sofort bei Kwadwo und den Gästen aus Würzburg. «Das ist nichts, was auf den Fußballplatz und schon gar nicht in unser Stadion gehört. Solche Leute wollen und brauchen wir hier nicht», sagte Preußen-Vereinspräsident Christoph Strässer, der von 2002 bis 2017 für die SPD im Bundestag saß und von 2014 bis 2016 Menschenrechtsbeauftragter der Bundesregierung war.

Auch die Würzburger hoben die Reaktion von Zuschauern und Club hervor. «Das hat nirgendwo etwas verloren, das tolerieren wir als Verein nicht, und niemand in Deutschland sollte so etwas tolerieren. Wir sagen Danke an die Zuschauer, wie die Reaktion darauf war», sagte Kickers-Trainer Michael Schiele auf der Pressekonferenz.

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dpa

dpa

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Veröffentlicht am:
15. 02. 2020
14:23 Uhr

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15. 02. 2020
14:23 Uhr



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