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Nach Rebensburg-Sturz: Keine Lösung bei Verletzungs-Debatte

Nach jedem schweren Unfall im Ski-Weltcup stellt sich die Frage: Musste das sein? Auf der Suche nach Lösungen und Vorsichtsmaßnahmen stoßen die Verantwortlichen aber immer wieder an Grenzen. Und just jene, die es zu schützen gilt, sind oft auch keine Hilfe.



Viktoria Rebensburg
Viktoria Rebensburg stürzte beim Super-G-Rennen in Garmisch-Partenkirchen.   Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Vor solchen Bildern haben alle Angst im alpinen Ski-Zirkus. Viktoria Rebensburg humpelt wegen einer schweren Knieverletzung aus dem Zielareal von Garmisch-Partenkirchen.

Die Italienerin Sofia Goggia folgt ihr kurz danach mit einem gebrochenen und provisorisch geschienten Unterarm. Die Schweizerin Nathalie Gröbli liegt zu dem Zeitpunkt längst im Krankenhaus, sie erlitt zwei Tage zuvor einen offenen Schien- und Wadenbeinbruch. Für alle drei Sportlerinnen ist die Wintersport-Saison vorzeitig zu Ende und sie verlängern eine Liste, auf der bereits Dominik Paris, Hannes Reichelt oder Adrien Theaux stehen.

Jede Verletzung zieht im Weltcup Sicherheitsfragen nach sich. Hätten Athletinnen und Athleten besser geschützt werden können? Welche Rolle spielen die Pisten, welche Rolle spielen die Ski? Wurde vielleicht sogar die Gesundheit wegen des Spektakels aufs Spiel gesetzt?

«Du kannst es drehen und wenden, wie du möchtest», sagte der deutsche Alpin-Chef Wolfgang Maier. Bei den Dauerdebatten um Sicherheit, sportlichen Wettkampf und Attraktivität für Zuschauer sei am Ende immer jemand unzufrieden. Und just die Sportler selbst hielten nichts davon, durch harmlosere Ski oder Pisten verlangsamt zu werden. «Die wollen ja gewinnen», sagte der erfahrene Funktionär.

Genauso sieht es auch Marco Büchel. Der Liechtensteiner war früher selbst Rennfahrer, inzwischen arbeitet er als TV-Experte und zudem Berater des Ski-Weltverbandes FIS in Sicherheits- und Materialfragen. Auch er stellt fest, dass ein ambitionierter Sportler nie freiwillig bremst. «Wir dürfen eines nie vergessen: Es ist ein Extremsport, so oder so», sagte der 48-Jährige zuletzt der «Süddeutschen Zeitung».

Dabei passieren schwere Verletzungen nicht nur in Abfahrt oder Super-G, wo Athleten teils mit mehr als 100 Kilometern pro Stunde den Berg hinunter rasen. Vor allem in den technischen Wettkämpfen wie Slalom und Riesenslalom häufen sich grobe Blessuren. Der Südtiroler Simon Maurberger riss sich beim Parallel-Riesenslalom von Chamonix am Sonntag das Kreuzband, einen Tag davor hatte es Österreichs Marc Digruber im Slalom erwischt. Der Deutschen Marlene Schmotz war die gleiche Verletzung beim Torlauf von Zagreb Anfang Januar passiert.

Das Problem sind die Ski. Diese haben heute so scharfe Kanten, damit die Sportler so wenig wie möglich rutschen und stattdessen in den Kurven beschleunigen können. Dadurch erhöhen sich die Fliehkräfte, denen vor allem die Knie ausgesetzt sind. «Früher gab ein Ski noch nach und rutschte weg. Heute läuft er wie auf einer Eisenbahnschiene in eine Richtung, und dein Körper geht in eine andere. Da ist das Kreuzband nun mal die Sollbruchstelle in diesem Spiel», sagte Büchel, der findet, dass «das Material den Körper allmählich überholt» habe.

Eine Lösung gibt es nicht, Herren-Rennchef Markus Waldner sagte jüngst in Kitzbühel: «Das Radl haben wir jetzt weit gedreht. Und das zurückzudrehen, wird ein sehr schwieriges Unterfangen.»

Man könnte die Pisten weicher präparieren, damit die Kanten nicht so scharf sein müssen. Dann aber entstehen früh tiefe Furchen im Schnee und spätere Starter haben keine Chance mehr. Oder man schreibt vor, Ski mit größeren Radien zu fahren. Dadurch würden die Fliehkräfte bei den Schwüngen minimiert. Allerdings lassen sich Ski dann schwerer bewegen, Sportler bekommen Probleme mit dem Rücken. Deutschlands Rekord-Sieger im Weltcup, Felix Neureuther, hatte den Großteil seiner Karriere wegen jener Ski Rückenleiden. Nachdem Ski mit kürzeren Radien erlaubt wurden, riss sein Kreuzband.

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dpa

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Veröffentlicht am:
10. 02. 2020
14:32 Uhr

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10. 02. 2020
14:32 Uhr



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