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Nach Happy-End gegen Peru: Viel Arbeit für Löw

Der Neustart nach dem WM-Absturz liefert wertvolle Erkenntnisse. Der Bundestrainer lobt die Moral beim Erfolg gegen Peru und vergibt erste Stammplätze. Die Baustellen sind erkannt, die Torarmut ist weiterhin alarmierend. In der Nations League wird sich der weitere Weg weisen.



Anweisungen
Bundestrainer Joachim Löw gibt Timo Werner und Nico Schulz taktische Anweisungen.   Foto: Uli Deck

Die letzte Frage des Abends an Joachim Löw durfte ausnahmsweise ein Schüler stellen - und der kleine Jean-Pierre traf exakt den Nerv des wilden Fußballspiels gegen Peru.

«Müssen die Spieler auch zehn Liegestütze machen, wenn sie das leere Tor nicht treffen? Oder werden sie anders bestraft?» Der Bundestrainer dachte einen Moment nach und antwortete schließlich: «Ab Oktober machen wir das, ja!» Ins herzhafte Lachen der Zuhörer im Pressekonferenzraum der Sinsheimer Rhein-Neckar-Arena ergänzte Löw dann halb im Ernst, halb scherzhaft: «Da müssen sie wahrscheinlich eine ganze Menge machen.»

Schon beim 0:0 der deutschen WM-Verlierer gegen Weltmeister Frankreich war die maue Chancenverwertung ein Thema, das aber von der ermutigenden Defensivleistung übertüncht wurde. Beim spät erzwungenen 2:1 (1:1) gegen wehrhafte Peruaner war der Chancenwucher das große Thema. Löw bewertete die Woche des Neustarts dennoch positiv, aber nicht euphorisch. «Wir haben die Ziele schon erreicht», sagte der 58-Jährige. Der Chefcoach lobte vor allem das Engagement, mit dem seine Spieler den im Sommer in Russland angerichteten sportlichen Schaden korrigieren wollen. «Der Ehrgeiz brennt, die WM auszumerzen. Eine Jetzt-erst-recht-Reaktion ist zu spüren», erklärte Löw.

Taktisch und personell hat er erste Korrekturmaßnahmen ergriffen. Aber das größte Manko vor dem knackigen Herbst mit den schwierigen Auswärtsspielen in der Nations League am 13. Oktober in Amsterdam gegen Erzrivale Niederlande und drei Tage später in Paris beim Rückspiel gegen die Franzosen bleibt die rätselhafte Torarmut.

Deutschland, das Land der großen Mittelstürmer von Gerd Müller bis Miroslav Klose, hat keinen «Bomber» mehr. In den elf Länderspielen seit der makellosen WM-Qualifikation gelangen gerade zehn Treffer, fünfmal stand vorne die Null. «Natürlich haben wir keinen, der der Torjäger Nummer 1 ist und der jedes Spiel bombt. So einen Neuner, wie es Sandro (Wagner), Mario (Gomez) oder Miro (Klose) waren, haben wir im Moment nicht», bemerkte der junge Leverkusener Julian Brandt, der Perus Führung durch Luis Advíncula schnell ausgleichen konnte.

Ein Schützenfest wäre in der starken Anfangsphase möglich gewesen, als der Ball flüssig lief, die Pässe in die Spitze kamen, aber die Offensive um Marco Reus und Timo Werner sich im Auslassen bester Chancen überbot. Am Ende war es ein Abwehrspieler, der den Abend rettete. Debütant Nico Schulz erzielte mit einem Glückstor in der Schlussphase das 2:1. «Der Torwart kann ihn halten. Aber was soll ich sagen, ich freue mich mega», sagte der Hoffenheimer Lokalmatador.

«Wenn wir die Chancen machen, hätten wir einen ruhigeren Abend gehabt», meinte Joshua Kimmich. Der wiedererstarkte Ilkay Gündogan spürt «noch eine leichte Verunsicherung in der Mannschaft aufgrund der Geschehnisse in den letzten Monaten». Das sei aber menschlich.

«Jeder Sieg, den wir uns erarbeiten, tut uns gut», hob Brandt hervor. Die Woche des Neugebinns lieferte zahlreiche Erkenntnisse. Das Team ist nach dem WM-Desaster wieder aufgestanden. Und Löw legt sich auf den ersten Positionen fest: Kimmich ist vorerst als Sechser gesetzt. «Er bekleidet diese Position sehr gut mit allem, was sie verlangt. Daran wird sich in den nächsten Spielen nichts ändern.»

Mit dem auch in einem Testspiel sehr engagierten Kapitän Toni Kroos und dem von der Erdogan-Affäre befreiten Gündogan hat Löw im neuen 4-3-3-System seine Mittelfeldbesetzung gefunden. «Ilkay hat in dieser Woche bei uns wieder einen großen Schritt nach vorne gemacht», lobte Löw. Noch eine Festlegung traf der Cheftrainer: Das Bayern-Duo Jérôme Boateng und Mats Hummels werde in den «wichtigen Spielen» im Abwehrzentrum verteidigen. «Sie strahlen eine unglaubliche Präsenz aus, haben eine sehr große Zweikampfstärke und eine große Routine.»

Eine Großbaustelle bleiben die Außenverteidiger-Positionen. Auch die Balance zwischen Offensive und Defensive ist ein Arbeitsfeld. «Heute hatten wir wieder Probleme mit Kontern», bemerkte Löw. Er weiß, dass die Spieler und auch er weiter «unter Beobachtung» stehen. «Damit sich die Fans wieder voll und ganz mit der Mannschaft identifizieren können, braucht es noch einige sehr gute Leistungen. Aber wir haben gezeigt, dass wir gewillt sind, das zu tun», resümierte Löw nach seinem 167. Länderspiel, mit dem er in der DFB-Statistik mit Rekordhalter Sepp Herberger gleichzog. 109 Siege - damit ist Löw schon länger spitze unter allen Trainern der Nationalmannschaft.

In vier Wochen kommt diese in Berlin wieder zusammen. Dann wird sich in der Nations League weisen, ob der Weg schnell zurück in die Weltspitze führt - oder in die zweite Liga des neuen Wettbewerbs. Die Franzosen besiegten am Sonntagabend Holland mit 2:1. Sie führen die Tabelle mit vier Punkten vor Deutschland (1) und Oranje (0) an. Löw blickt den zwei kniffligen Prüfungen erwartungsfroh entgegen: «Das sind Wettkämpfe auf hohem Niveau. Die Mannschaft hat gezeigt, dass sie den Weg nach vorne antreten will und dafür alles tut.»

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10. 09. 2018
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