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Sport

Mehr Geld, mehr Langeweile: Kluft im Spitzenfußball größer

Die enormen Geldströme in der Königsklasse drohen den Wettbewerb in den europäischen Ligen zu zerstören. Die Dominanz der Topclubs wird immer größer, weil ein kleiner Zirkel in der Champions League immer mehr Geld verdient.



Deutscher Meister
Holte sich zum achten Mal nacheinander die Meisterschaft in der Bundesliga: FC Bayern München.   Foto: Kai Pfaffenbach/Reuters-Pool/dpa

Bayern München, Juventus Turin, Paris Saint Germain - für diese Kombiwette gibt es schon seit Jahren keine großen Gewinne mehr.

Juventus Turin sicherte sich zum neunten Mal in Serie den Titel in Italien, die Bayern holten sich zuvor zum achten Mal nacheinander die Meisterschaft in der Bundesliga, und Paris stand in Frankreich zum siebten Mal in den vergangenen acht Jahren in der Tabelle ganz oben. Wenn es um den nationalen Titel geht, herrscht in Europas Top-Ligen meist gähnende Langeweile. Zumal auch in Spanien sich nur Real Madrid und der FC Barcelona munter abwechseln. Nur in England ist die Kandidatenliste mit dem FC Liverpool, Manchester City, FC Chelsea und Manchester United etwas breiter.

Der Grund für die Monotonie - das liebe Geld. Weshalb in Deutschland gerade wieder eine hitzige Debatte läuft, wie die Fernsehgelder am gerechtesten verteilt werden sollten, um etwas mehr Wettbewerb in die Liga zu bekommen. «Wir sprechen seit Jahren davon, dass die Schere zwischen den Vereinen immer weiter auseinander geht, wir unternehmen aber nichts dagegen», klagte Fortuna Düsseldorfs Vorstandsboss Thomas Röttgermann.

Rund 70 Millionen Euro sollen die Bayern in der nächsten Saison aus der nationalen Vermarktung der TV-Gelder erhalten, etwa elf Millionen Euro mehr als die aufstrebende Hertha aus Berlin. Nun sind elf Millionen Euro viel Geld, der Grund für die große Kluft zwischen den Bayern und dem Rest der Liga sind sie aber nicht. Wer die Schere zwischen den Spitzenclubs und dem Rest der Liga wirklich verkleinern will, der muss einen anderen Hebel wählen.

Denn die Hauptursache dafür, dass sich Bayern, Juventus und Paris immer weiter vom Rest ihrer nationalen Ligen entfernen, liegt im explosionsartigen Anstieg der Erlöse aus der Champions League. «Die Umsätze der Champions League sind immer größer geworden. Und vor allem: Immer weniger Topclubs bekommen einen immer größeren Anteil», beschreibt Stefan Ludwig, Leiter der Sport Business Gruppe bei der Wirtschaftsprüfergesellschaft Deloitte, im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur das große Dilemma.

Die Ausschüttungen in den UEFA-Wettbewerben sind von der Saison 2010/11 bis zur Saison 2018/19 jährlich um durchschnittlich 13,8 Prozent gestiegen. Von 0,9 Milliarden Euro auf 2,54 Milliarden Euro - wovon 2018/19 allein 1,98 Milliarden Euro auf die Clubs in der Champions League entfielen. «Keine andere Sportart generiert so viele Einnahmen aus der Vermarktung eines internationalen und liga-übergreifenden Wettbewerbs», sagt Ludwig.

Die große Champions-League-Reform zur Saison 2018/19 hat das Auseinanderklaffen der Schere noch vergrößert. Auf Druck der Topclubs und aus der Angst, diese könnten sich in einer eigenen Europaliga zusammenschließen, entschied sich die UEFA für Maßnahmen, die die Dominanz der Spitzenvereine weiter zementiert hat. Vier sichere Startplätze haben seitdem die vier Eliteligen aus Spanien, Deutschland, England und Italien. Für die nationalen Branchenführer wird es daher nahezu unmöglich, sich nicht für die Königsklasse zu qualifizieren.

Zudem beschloss die UEFA eine Umverteilung der Erlöse zugunsten der Topclubs, indem sie neben Startgeld, Erfolgsprämien und Geldern aus dem sogenannten Marktpool, der abhängig vom Wert der nationalen TV-Rechte für die UEFA-Wettbewerbe ist, eine vierte Säule einführte. Abhängig von den Erfolgen der Vergangenheit steigen die Einnahmen der Clubs. Wer erfolgreich ist, bekommt also noch mehr Geld und wird damit noch erfolgreicher.

Nur wenn dieser Kreislauf durchbrochen wird, besteht die Chance, auf mehr Spannung - sowohl international als auch national. «Die TV-Gelder aus den internationalen Wettbewerben sind Gift für die Wettbewerbsfähigkeit in den nationalen Ligen», sagte Röttgermann unlängst der dpa. «Man müsste die Medienerlöse der Bundesliga, national wie international, komplett gleich verteilen», forderte der kaufmännischen Vorstand des FSV Mainz 05, Jan Lehmann, zuletzt im «Kicker».

Ein grundsätzlicher Wille bei den Topclubs ist vorhanden. «Ich glaube, wir waren immer in der Lage, faire und ernste Lösungen zu finden. Und ich bin überzeugt, dass uns das auch in diesem Jahr gelingt», sagte Bayerns Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge mit Blick auf die nationalen Einnahmen.

Geht es um den dicken Batzen der internationalen Erlöse, werden sich die Topclubs aber nicht so generös zeigen. Zumal auch sie von der Corona-Krise hart getroffen werden. «Im kommenden Jahr ist sicherlich ein größerer finanzieller Einbruch zu erwarten», sagte Rummenigge. Wirklich große Zugeständnisse sind daher nicht zu erwarten. «Die Verteilung der Champions-League-Gelder ist eine der größten Herausforderungen des modernen Fußballs», fasst der Finanz-Fachmann Ludwig das Dilemma zusammen. Das sie erfolgreich gemeistert wird und wieder mehr Spannung einkehrt ist eher unwahrscheinlich. Vielmehr dürfte die Kombi-Wette Bayern, Juve, PSG weiter wenig Erlös bringen.

© dpa-infocom, dpa:200729-99-963042/3

Veröffentlicht am:
29. 07. 2020
12:17 Uhr

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dpa

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Veröffentlicht am:
29. 07. 2020
12:17 Uhr



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