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Löw nach EM-Hammerlos: «Ans Limit gehen»

Das war kein deutsches Losglück: Auf Joachim Löw wartet schon in der Gruppenphase eine echte EM-Prüfung. Die Nationalmannschaft bekommt es im Sommer 2020 mit Weltmeister Frankreich und Europameister Portugal zu tun. Einen kleinen Scherz erlaubt sich der Bundestrainer dennoch.



Santos, Löw und Deschamps
Joachim Löw posiert mit den Trainern der deutschen Gruppengegner: Fernando Santos von Portugal (l) und Didier Deschamps von Frankreich (r).   Foto: Vadim Ghirda/AP/dpa » zu den Bildern

Joachim Löw umarmte Philipp Lahm herzlich. Doch kommentarlos wollte der Bundestrainer das vom Weltmeister-Kapitän besiegelte EM-Hammerlos mit frühen Spielen gegen Weltmeister Frankreich und Titelverteidiger Portugal nicht hinnehmen.

«Philipp, dich müssen wir entlassen beim DFB, gell», scherzte Löw über das unglückliche Händchen seines einstigen Kapitäns an der Lostrommel. Lahm war um eine Antwort nicht verlegen: «Das habe ich schon gehört. Aber die Stadt München hat gesagt, sie stellen mich ein.»

In der Allianz Arena wird die junge Fußball-Nationalmannschaft gleich in der Gruppenphase in den Partien gegen Frankreich mit Superstar Kylian Mbappé und dann gegen Cristiano Ronaldos Portugiesen einer ultimativen Härteprüfung unterzogen. Ein wenig gequält hatte Löw gelächelt, als in Bukarest die Formation in der Gruppe F besiegelt war. In der Interviewzone zeigte sich der 59-Jährige aber als Auslosungsprofi. «Das ist eine Hammergruppe, klar. Jeder muss in der Gruppe ans Limit gehen, um eine Chance zu haben, in die K.o.-Runde zu kommen. Ich freue mich», sagte Löw.

Der dritte deutsche EM-Gegner wird erst am 31. März nach Ende der Playoff-Partien feststehen. Sieben Optionen gibt es noch - mit Island als schwierigstem Kontrahenten. Das Eröffnungsspiel bestreiten Italien und die Türkei am 12. Juni (21.00 Uhr) in der Gruppe A im Olympiastadion von Rom.

Weitaus brisanter ist sicherlich die deutsche Gruppe. «Mit diesen Spielen können wir gleich Fußball-Fieber in Deutschland entfachen. Das ist ein Hammer-Los», sagte DFB-Präsident Fritz Keller. Und DFB-Direktor Oliver Bierhoff fügte hinzu: «Wir gehen sicherlich nicht als Favorit in die Gruppe. Wir haben es am schwierigsten angetroffen. Das wird für unsere junge Truppe eine große Herausforderung. Ich hoffe, dass durch unseren Heimvorteil ein Schub entsteht.»

Für Kapitän Manuel Neuer und Co. beginnt das Turnier mit dem ersten von drei Heimspielen am 16. Juni gleich mit dem Kracher gegen die Franzosen. In der Nations League hatte es zuletzt ebenfalls in München ein 0:0 und beim Rückspiel in Paris ein 1:2 gegeben. Bei der letzten EM 2016 besiegelten die Franzosen in Marseille das deutsche Turnier-Aus im Halbfinale (0:2). Vier Tage später geht es am 20. Juni gegen Portugal. An den Titelverteidiger hat Löw aber sehr gute Turnier-Erinnerungen. Bei der EM 2008 (4:2) gab es einen Erfolg im Viertelfinale, bei der EM 2012 (1:0) und auf dem Weg zum WM-Titel 2014 (4:0) in Brasilien jeweils Vorrundensiege.

Unklar ist weiterhin, gegen wen Deutschland sein drittes Spiel am 24. Juni bestreitet. Gewinnt Island, Bulgarien oder Co-Gastgeber Ungarn den Playoff-Pfad A, ist dieses Team in der deutschen Gruppe. Setzt sich dort aber Rumänien durch, wird definitiv ein EM-Neuling zum Löw-Kontrahenten. Da Rumänien als Co-Gastgeber in die Holland-Gruppe müsste, würde der Sieger des Pfades D in die DFB-Gruppe kommen, also Georgien, Nordmazedonien, Kosovo oder Weißrussland.

Auch ohne Kenntnis über alle Kontrahenten kann Löw nun in die weiteren konkreten EM-Planungen einsteigen. Für den Bundestrainer ist es bereits die vierte EM-Endrunde. 2008 führte er Michael Ballack und Co. ins Endspiel gegen Spanien (0:1). 2012 und 2016 setzte es unnötige Niederlagen in den Halbfinals gegen Italien (1:2) und dann auch gegen Frankreich (0:2). Der EM-Titel gelang noch nicht.

Die Erwartungen hält Löw nach dem WM-Desaster 2018 und dem folgenden Umbruchjahr trotz der souveränen Qualifikation als Gruppensieger vor Holland bewusst gering. «Das ist die schwerste Gruppe. Das ist die Hammergruppe schlechthin», sagte der 59-Jährige.

Auf dem Weg zum Titel hält der Turniermodus viele Routen quer durch Europa bereit. Als Gruppensieger würde Löw im Achtelfinale nach Bukarest zurückkehren und dann via St. Petersburg Richtung Halbfinals und Endspiel am 12. Juli in London weiterziehen wollen.

Als Gruppenzweiter könnte es zu einem emotionalen Achtelfinale in Dublin gegen die stark eingeschätzten Engländer kommen. Nächste Station wäre dann Rom vor der erhofften London-Reise. Auch als Gruppendritter ist das Weiterkommen möglich, wenn mindestens zwei andere Drittplatzierte schlechter sind. Dann wären Bilbao/München oder Budapest/Baku die Spielorte für die ersten beiden K.o.-Runden.

Von Ende Mai an wird Löw seinen Kader in Seefeld in Tirol auf das Turnier vorbereiten. Fix ist nun ein Test in Basel gegen die Schweiz während des Trainingslagers. Ein weiterer Kontrahent für die EM-Generalprobe soll in Kürze bekanntgegeben werden. Bereits vereinbart ist ein Gastspiel im März in Madrid gegen Spanien, das wie Deutschland mit je drei Turniererfolgen EM-Rekordsieger ist. Portugal ist nach der Auslosung keine Testoption mehr, bestätigte Löw.

Veröffentlicht am:
30. 11. 2019
21:20 Uhr

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dpa

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Veröffentlicht am:
30. 11. 2019
21:20 Uhr



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