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Kampfansage: Löw will Spieler «fit und bereit»

Zum Neustart nach dem WM-Desaster stellt Bundestrainer Löw klare Forderungen. Im Duell mit Weltmeister Frankreich kann er nur Spieler gebrauchen, die absolut fit sind. Bei den Fans zeigen sich Löw und die Spieler volksnah. Und Angreifer Werner beklagt «ein Unrecht».



DFB-Training
Bundestrainer Joachim Löw (M.) bereit die deutsche Nationalmannschaft in München vor.   Foto: Angelika Warmuth » zu den Bildern

Joachim Löw lief in schwarzer Lederjacke lässig Richtung Teamhotel und nahm sich Zeit für die Fans. Ilkay Gündogan wurde trotz der Sommer-Querelen um die Erdogan-Affäre von den Autogrammjägern am Englischen Garten freundlich begrüßt und zu gemeinsamen Handy-Fotos aufgefordert.

Als Real-Star Toni Kroos beim Neustart der im Sommer brachial entzauberten deutschen Fußball-Weltmeister in München aber gleichfalls Volksnähe demonstrierte, ertönte kurz darauf am schwarzen DFB-Bus mit dem umstrittenen Slogan «Die Mannschaft» schrillend die Alarmanlage.

Den Hallo-Wach-Effekt für Kroos hatte Teamkollege Marco Reus nicht mitbekommen. «Da war ich schon auf dem Zimmer», berichtete der Dortmunder. Aufrütteln muss die Nationalspieler vor dem Start zum kniffligen Projekt Wiedergutmachung mit dem Nations-League-Kracher gegen Weltmeister Frankreich am Donnerstag in der Allianz Arena und dem Test gegen Peru drei Tage später in Sinsheim aber niemand mehr.

«Wir haben zwei wichtige Spiele vor der Brust. Direkt gegen den Weltmeister, da gilt es ein Zeichen zu setzen, dass mit uns wieder zu rechnen ist», erklärte Reus nach der Zusammenkunft. Für den Weg aus der großen deutschen Fußball-Krise nur 68 Tage nach dem Desaster in Kasan sei «harte Arbeit» nötig, betonte der BVB-Star. «Und das fängt im Training an und setzt sich im Spiel fort.»

Löw hatte nach seiner Charmeoffensive für die Fans vor dem Hotel rasch das erste nicht öffentliche Training für seinen 22-Mann-Kader mit 16 WM-Fahrern auf dem Bayern-Campus angesetzt. Dabei verlor Löw nach einem Pfiff als Startsignal nicht viele Worte. Nach einer kurzen Ansprache begannen die Fitness-Coaches mit dem Aufwärmprogramm. Nicht mit dabei war Jonas Hector. Der Kölner Linksverteidiger verzichtet nach einem Gespräch mit Löw wegen der hohen Belastung mit dem frühen Saisonstart in der 2. Liga.

Der 28-Jährige soll die Länderspielpause für individuelles Training nutzen. «Für die kommenden beiden wichtigen Länderspiele brauchen wir Spieler, die fit und bereit sind und alles geben können», begründete Löw den mit WM-Teilnehmer Hector vereinbarten Verzicht.

Löw weiß, dass er positive Ergebnisse liefern muss. Dafür ist er auch abhängig von den Spielern. Timo Werner hielt bei der Ankunft ein Plädoyer für den Bundestrainer. «Ich glaube, dass man ihm sehr viel Unrecht getan hat.» Löw sei ein «super Trainer», betonte der Leipziger Angreifer. «Er weiß auch und hat gesehen, was der Fehler war, und das ist ihm hoch anzurechnen, zu sehen, wie viel er auf sich nimmt», sagte Werner. Er hatte sich die Pressekonferenz mit Löws selbstkritischer WM-Analyse vergangene Woche im TV angeschaut.

Der 22-jährige Werner will seinen Teil dazu beizutragen, «dass Geschehene wieder gutzumachen». Er sieht die DFB-Auswahl in einer günstigen Position. «Ich glaube, dass wir jetzt nicht mehr die Gejagten sind, sondern die Jäger. Und wir sind nicht mehr unter dem Druck zu sagen, wir müssen jedes Spiel gewinnen, weil wir die beste Mannschaft der Welt sind, sondern wir können frei aufspielen.»

Hectors Fehlen erhöht die Chancen des Hoffenheimers Nico Schulz auf ein Länderspieldebüt auf der traditionellen Problemposition hinten links. Thilo Kehrer von Paris Saint-Germain und Leverkusens Kai Havertz sind weitere Kandidaten für eine Premiere im DFB-Trikot. Nils Petersen (Freiburg), Jonathan Tah (Leverkusen) und Leroy Sané (Manchester City) bekommen die von Löw versprochene zweite Chance, nachdem er sie kurz vor der WM aus dem Kader gestrichen hatte.

Sané flog nach dem Wirbel in England um seine Nichtberücksichtigung für das Ligaspiel gegen Newcastle am Montag mit Antonio Rüdiger und Geburtstagskind Jérôme Boateng (30) aus Berlin nach München ein. Am Vortag hatte das Trio noch mit Basketball-Superstar LeBron James bei einem Showevent in der Hauptstadt Späßchen auf dem Court gemacht.

Der dunkle Russland-Schatten liegt aber unverändert über den Ex-Weltmeistern. Auch wenn die WM-Verlierer ausdrücklich betonten, nicht mehr ständig zurückschauen zu wollen. «Wenn wir jetzt hier das nochmal alles thematisieren, das braucht ein bisschen Zeit», sagte Reus unwillig. «Wir wissen, dass wir Verantwortung haben, etwas zurechtzurücken», bekräftigte Julian Draxler.

In München forderte Löw trotz des Doppel-Geburtstages von Boateng und dessen Bayern-Kollegen Niklas Süle (23) gleich volle Konzentration auf die Arbeit. Der Start in die neue Nations League mit dem frühen Frankreich-Duell sowie weiteren Partien gegen die Équipe tricolore und gegen den Erzrivalen Niederlande im Oktober und November ist für den Bundestrainer Chance und Risiko zugleich. «Die Nations League nehmen wir sehr ernst», versprach der Bundestrainer.

«Den Druck haben wir selbst zu verantworten», sagte Torwart Manuel Neuer zum WM-Desaster. Ein guter Neustart allein genüge da nicht. «Es wird ein Prozess sein, das wieder gut zu machen. Aber wir freuen uns auf die Spiele», sagte der DFB-Kapitän.

Paris-Profi Draxler fordert trotz der WM ein selbstbewusstes Auftreten: «Wir sind immer noch Deutschland. Wir haben natürlich einen großen Knicks bekommen. Aber wir müssen uns nicht verstecken vor Nationen wie Frankreich.»

Das Aufgebot für die Länderspiele gegen Frankreich und Peru:

Tor: Manuel Neuer (FC Bayern München), Marc-André ter Stegen (FC Barcelona)

Abwehr: Jérôme Boateng (FC Bayern München), Matthias Ginter (Borussia Mönchengladbach), Mats Hummels (FC Bayern München), Thilo Kehrer (Paris Saint-Germain), Joshua Kimmich (FC Bayern München), Antonio Rüdiger (FC Chelsea), Nico Schulz (1899 Hoffenheim), Niklas Süle (FC Bayern München), Jonathan Tah (Bayer 04 Leverkusen)

Mittelfeld/Angriff: Julian Brandt (Bayer 04 Leverkusen), Julian Draxler (Paris Saint-Germain), Leon Goretzka (FC Bayern München), Ilkay Gündogan (Manchester City), Kai Havertz (Bayer Leverkusen), Toni Kroos (Real Madrid), Thomas Müller (FC Bayern München), Nils Petersen (SC Freiburg), Marco Reus (Borussia Dortmund), Leroy Sané (Manchester City), Timo Werner (RB Leipzig)

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Veröffentlicht am:
03. 09. 2018
19:27 Uhr

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03. 09. 2018
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