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Investoren-Ohrfeige für Klinsmann: Keine Zukunft bei Hertha

Für Jürgen Klinsmann ist das Kapitel Hertha BSC endgültig beendet. Mit klaren Worten watscht Investor Lars Windhorst den Ex-Bundestrainer ab. Die großen Ziele bleiben, weiteres Geld soll fließen. Die Berliner stehen vor einer schwierigen Trainersuche.



Investor
Lars Windhorst (M.) steckte viel Geld in Hertha BSC.   Foto: Andreas Gora/dpa » zu den Bildern

Mit einer schallenden verbalen Ohrfeige beendete Investor Lars Windhorst die unrühmliche Kurzzeit-Ära von Jürgen Klinsmann bei Hertha BSC endgültig.

Nach dem plötzlichen Rücktritt des früheren Bundestrainers als Chefcoach verweigerte der Geldgeber seinem einstigen Vertrauten deutlich eine Zukunft im Aufsichtsrat und prangerte in seiner Abrechnung den Verlust von dessen Glaubwürdigkeit an. «Es ist nicht akzeptabel», sagte der Unternehmer messerscharf und eiskalt bei einer Pressekonferenz über den Abgang Klinsmanns nach nur elf Wochen. «Das kann man als Jugendlicher vielleicht machen, aber im Geschäftsleben, wo man unter Erwachsenen ernsthafte Vereinbarungen hat, sollte so etwas nicht passieren.»

Schon die Sitzordnung im Blitzlichtgewitter der Fotografen im völlig überfüllten Medienraum der Berliner sprach Bände. In der Mitte des Podiums nahm Windhorst zwischen Clubpräsident Werner Gegenbauer und Manager Michael Preetz vor 17 Fernsehkameras Platz. Und der 43-Jährige lieferte mit einer Hertha-Fahne über dem weißen Einstecktuch seines Anzugs die mit großer Spannung erwartete Antwort: Für Klinsmann gibt es keine Zukunft - sein eigenes Engagement auf dem propagierten und von der Öffentlichkeit oft belächelten Weg in die europäische Spitze steht dadurch aber nicht in Frage. Vielmehr kündigte der Investor weitere Investitionen an.

«Es gibt überhaupt gar keinen Grund und auch keine Ausrede dafür, warum Hertha BSC als Fußballclub der Hauptstadt Deutschlands es nicht schaffen soll, in den nächsten Jahren in führender Position in Deutschland und Europa mitzuspielen», bekräftigte Windhorst. Seine Investition sei daher «sehr, sehr langfristig» angelegt. «Ich gehe fest davon aus, dass wir hier in jedem Fall weit über 10 Jahre engagiert bleiben, das kann auch 20 oder 30 Jahre sein.»

Die beiden freien Posten im vergleichsweise einflussarmen Aufsichtsrat der KGaA von Hertha will Windhorst unter anderem mit einer Person, die «sportliche Fachkompetenz» sowie «Glaubwürdigkeit und Strahlkraft» vereint, besetzen. Sportlich bleibt die Personalie des Nachfolgers von Klinsmann auf dem Cheftrainerposten brisant.

Vorerst bekommen Alexander Nouri und Markus Feldhoff das Vertrauen und betreuen das Team im direkten Duell im Abstiegskampf beim SC Paderborn am Samstag (15.30 Uhr/Sky). «Wir werden mit Nouri und Feldhoff und dem Trainerteam in die nächsten Wochen gehen», sagte Hertha-Manager Michael Preetz. «Wir wissen alle, dass wir schwere Aufgaben vor der Brust haben und in den nächsten Wochen punkten müssen.» Auch Arne Friedrich, für den die Stelle des Performance Managers auf Drängen von Klinsmann geschaffen worden, bleibt im Amt.

Als Chefcoach steht nach «Kicker»-Informationen der frühere Hertha-Profi und ehemalige Bayern-Trainer Niko Kovac weiterhin ganz oben auf der Liste. Im Kovac-Umfeld gilt ein Berlin-Engagement des 48-Jährigen aber nicht als wahrscheinliche Variante. «Es ist unsere Aufgabe einen Cheftrainer zu finden, der ambitioniert und ehrgeizig ist», sagte Preetz mit Blick auf den Sommer.

Auch das Wirken des Geschäftsführers bei der Suche nach einem neuen Chefcoach steht unter genauer Beobachtung. Die Entscheidung für Ante Covic als Nachfolger von Pal Dardai führte maßgeblich zur sportlich prekären Situation. Dazu hatte Klinsmann in einem Videochat am Mittwochabend deutliche Kritik an Preetz sowie der Rollenverteilung innerhalb des Vereins geübt, von «Nebenkriegsschauplätzen» gesprochen und seinen Wunsch nach mehr Kompetenzen deutlich gemacht.

Laut Preetz habe Klinsmann bestimmte Punkte allerdings ihm gegenüber nie thematisiert. «Dinge, die ich gestern gehört habe, dass ich auf der Bank sitze und engagiert auftauche. Das sind keine Dinge, die wir miteinander besprochen haben», sagte der langjährige Manager. Er sei es gewohnt, Konflikte zu besprechen. «Das kann man nicht, wenn man sich umdreht und davonläuft», betonte Preetz in Richtung Klinsmann.

Auch Clubchef Gegenbauer sah sich zu einer Klarstellung genötigt. So habe Klinsmann schon kurz nach Amtsübernahme Ende November ein Trainervertrag vorgelegen. «Er hat nicht nur Hertha BSC verlassen, sondern auch das gemeinsame Projekt verlassen», sagte der Präsident, der im Mai für eine weitere Amtszeit kandidieren will.

Windhorst ließ zwar offen, ob man in einigen Monaten in anderer Form noch auf den Rat Klinsmanns zurückgreifen werde. Seine deutliche Wortwahl macht dies aber schwer vorstellbar. Er sei ebenfalls am Dienstagvormittag von Klinsmann über dessen Entschluss informiert worden, habe aber nicht sofort reagieren können, weil er in einer Aufsichtsratssitzung sein Handy nicht direkt greifbar hatte. «Ich habe die Nachricht vielleicht eine Viertelstunde zu spät gesehen», sagte Windhorst und rang sich ein Lächeln ab.

Nach eigener Aussage war Klinsmann im vergangenen Oktober von Windhorst angesprochen worden, ob er den Unternehmer in Fußballfragen unterstützen könne. Im Folgemonat wurde Klinsmann dann von Windhorst in den Aufsichtsrat berufen. Das einstige Wunderkind der deutschen Wirtschaft hatte nach zwei Insolvenzen 2009 seine Sapinda Holding gegründet, die inzwischen den Namen Tennor trägt. Die Investition von Eigenkapital in Höhe von 224 Millionen Euro für 49,9 Prozent der GmbH & Co. KGaA von Hertha habe er dabei nicht mit der Erwartung auf Rendite getätigt und habe sich auch innerhalb seines Unternehmens kritischen Fragen stellen müssen, erklärte Windhorst.

Einen Gang an die Börse plant der Verein aktuell aber nicht. «Für uns als Investor bei Hertha BSC ist das zunächst ein Thema, was nicht wirklich relevant ist», sagte Windhorst. Zudem müsse das Thema ohnehin «in den Gremien von Hertha BSC besprochen werden», sagte Windhorst und machte deutlich: «Für unser weiteres Engagement ist kein Börsengang erforderlich.» Borussia Dortmund ist seit dem Jahr 2000 der einzige an der Börse notierte Fußball-Bundesligist.

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dpa

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Veröffentlicht am:
13. 02. 2020
14:23 Uhr

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13. 02. 2020
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