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Hoffen auf mehr Gerechtigkeit durch neue Regeln

Handspiel oder nicht? Speziell zu dieser Frage gab es in der vergangenen Spielzeit lebhafte Diskussionen. Das war mit ein Grund dafür, warum über Veränderungen im gesamten Regelwerk nachgedacht wurde. Die Resonanz ist bisher zumeist positiv.



Gelbe Karte
Auch die Trainer können jetzt mit einer Gelben Karte verwarnt werden.   Foto: Arne Dedert

Neue Regeln, mehr Transparenz beim Videobeweis, intensiverer Dialog mit den Vereinen - im Streben um mehr Gerechtigkeit geht der Fußball neue Wege.

Selbst das nicht gerade für seinen Reformeifer bekannte International Football Association Board (IFAB) hat sich im Zusammenspiel mit dem Weltverband FIFA zu umfangreichen Änderungen durchgerungen. «Alle geben sich Mühe, das Spiel gerechter zu machen. Viele Dinge sind sinnvoll», kommentierte BVB-Vertreter Sebastian Kehl am Ende des Regel-Workshops der Vereine in Köln: «Ich hoffe, dass wir in der kommenden Saison nicht mehr so viele Diskussionen haben.»

Spieler, Trainer und Zuschauer erwartet viel Neues. Ein Hauptaugenmerk lag auf einer Präzisierung der Handspielregel. So werden künftig mit der Hand erzielte Tore prinzipiell aberkannt, auch wenn das versehentlich geschah. Springt der Ball vom Körper oder Kopf eines abwehrenden Spielers an die eigene Hand, liegt laut neuer Regel kein Vergehen vor. Das gleiche gilt für den Fall, wenn ein Spieler den Ball im Fallen mit dem Arm berührt, der sich zum Abfangen des Sturzes zwischen Körper und Boden befindet. Befindet sich der Arm jedoch oberhalb der Schulter, wird das bis auf wenige Ausnahmen geahndet.

Um die Vereine in die Entscheidungsfindung einzubinden, wurden ihnen 40 «relevante Handspielsituationen» übermittelt, die von Trainer und Spieler bewertet werden sollten. Die nun vorgenommenen Präzisierungen sollen den Schiedsrichtern und Videoassisteten die Entscheidung erleichtern und leidige Diskussionen zur Auslegung dieser Regel vermindern. «Insgesamt sind nun mehr Fälle explizit beschrieben und eindeutig geklärt», kommentierte DFB-Lehrwart Lutz Wagner, warnte aber vor übertriebenen Erwartungen: «Die Grauzone und der Ermessensspielraum für die Schiedsrichter sind zwar kleiner geworden, es wird aber weiterhin Streitfälle geben.»

Weniger Probleme bereiteten die weiteren Regeländerungen. Alle Spieler des angreifenden Teams müssen bei einem Freistoß einen Abstand von mindestens einem Meter zur Mauer einhalten. Bei der Ausführung eines Strafstoßes muss sich der Torhüter mindestens mit einem Teil seines Fußes auf oder über der Linie befinden und darf nicht hinter der Linie stehen.

Ausgewechselte Spieler müssen den Rasen über die nächste Auslinie verlassen und können damit nicht mehr zum Zeitspiel beitragen. Berührt der Ball den Unparteiischen und geht danach ins Tor oder wechselt dadurch der Ballbesitz, gibt es Schiedsrichterball. Bei Abstößen muss der Ball den Strafraum nicht mehr verlassen. Damit haben die Mannschaften mehr spielerische Lösungen.

Auch die Trainer und Betreuer sind betroffen. Sie können bei unsportlichem Verhalten mit der Roten oder Gelben Karte bestraft werden. Der bei Rot vorgesehene Verweis auf die Tribüne ist mit einer Sperre von mindestens einem Spiel verbunden. Darüber hinaus plant die Deutsche Fußball Liga eine Sperre für die Trainer nach der vierten Gelben Karte. Das DFL-Präsidium werde einen entsprechenden Antrag der Generalversammlung der 36 Profivereine am 21. August in Berlin vorlegen, kündigte Ansgar Schwenken, DFL-Direktor für Fußball-Angelegenheiten und Fans, an.

Auch die Akzeptanz des 2017/18 in der Bundesliga und in diesem Jahr auch im Fußball-Unterhaus eingeführten Videobeweises könnte erhöht werden. So soll ein schnellerer Informationsfluss künftig für mehr Transparenz sorgen. Kompakte textliche Erklärungen auf den Leinwänden und TV-Monitoren informieren die Fans in Zukunft umgehend darüber, warum der Video-Assistent eingeschaltet wurde und welche Szene gerade überprüft wird.

Darüber hinaus sollen neue Kameraperspektiven die Arbeit der Video-Assistenten nachvollziehbarer machen. So bekommt der Zuschauer einen sogenannten «3er-Split» geboten, auf dem sowohl die zu überprüfende Szene als auch der Schiedsrichter am Spielfeldrand beim Bildschirm-Check und der Videoassistent im Kölner Keller bei der Arbeit zu sehen sind. Damit soll nachvollziehbarer werden, auf welcher bildlichen Grundlage der Referee seine Entscheidung trifft. «Wir betreten damit die nächste Stufe in diesem Prozess», sagte Jochen Drees, DFB-Projektleiter für den Bereich Video-Assistent.

Veröffentlicht am:
06. 08. 2019
14:50 Uhr

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Autor

dpa

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Veröffentlicht am:
06. 08. 2019
14:50 Uhr



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