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Sport

Hoeneß-Kritik an BVB schlägt weiter hohe Wellen

Lange Zeit blieb es ungewohnt ruhig. Doch nun nehmen die Spannungen zwischen den Fußball-Branchenführern aus München und Dortmund wieder zu. Umstrittene Äußerungen von Ehrenpräsident Uli Hoeneß haben die BVB-Bosse mächtig verärgert. War das so gewollt?



BVB-Boss
Auch Hans-Joachim Watzke wehrte sich gegen die Kritik von Uli Hoeneß.   Foto: Roland Weihrauch/dpa

Die Kritik von Uli Hoeneß an der Transferpolitik von Borussia Dortmund aus seinem Alterssitz am Tegernsee schlägt weiter hohe Wellen.

BVB-Boss Hans-Joachim Watzke wertete die umstrittenen Aussagen des einstigen Aufsichtsratsvorsitzenden der Bayern und heutigen Ehrenpräsidenten als gezielte Provokation. «Karl-Heinz Rummenigge und ich bemühen uns seit Jahren darum, dass die beiden größten deutschen Clubs ein respektvolles Verhältnis miteinander pflegen. Ich finde es sehr schade, dass in regelmäßigen Abständen versucht wird, dies zu unterwandern», klagte der BVB-Geschäftsführer via «Bild».

Mit ähnlichem Unverständnis reagierte auch der ehemalige Ligapräsident Reinhard Rauball auf die Verbalattacke von Hoeneß, wonach die vom BVB entwickelten Talente zumeist nur «Verkaufsobjekte» seien. «Die Aussagen hätte sich Uli Hoeneß besser gespart. Der Zeitpunkt ist auch sehr verwunderlich, schließlich haben die Bayern nächste Woche Champions League und eigentlich Besseres zu tun», kommentierte der 73 Jahre alte BVB-Präsident. Am Samstag streben die Münchner gegen den FC Chelsea nach einem 3:0 im Hinspiel den Viertelfinal-Einzug an.

Hoeneß hatte die vielerorts als modellhaft bewertete Strategie der Borussia, Fußballtalente früh zu sichten, zu entwickeln und teuer zu verkaufen, in einem Interview der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» als «unklug» bezeichnet: «Wie soll ein Spieler die DNA eines Vereins aufsaugen, wenn er das Gefühl hat, ein Verkaufsobjekt zu sein? Ein Spieler muss das Gefühl haben: Ich bin Bayern forever.»

Die mangelnde Identifikation mancher Jungstars koste der Borussia in entscheidenden Momenten die nötige Schlagkraft. «Ich glaube, solange die Dortmunder dieses System nicht ändern, werden sie diese letzten zehn Prozent nicht kriegen, dass man in wichtigen Spielen die richtigen Leistungen bringt», stichelte Hoeneß, stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender bei den Münchnern. Die Transferpolitik der Bayern habe andere Maßstäbe: «Bei uns gibt es das überhaupt nicht. Wir holen Spieler für Bayern München. Und niemals, um daraus Geschäfte zu machen. Wichtige Spieler haben wir selten verloren. Die Dortmunder verlieren oft wichtige Spieler.»

Ohne diese Strategie wäre der BVB jedoch kaum konkurrenzfähig. Denn finanziell spielt der FC Bayern bei einem Jahresumsatz von rund 750 Millionen Euro im Geschäftsjahr 2018/19 in einer anderen Liga als der BVB und kann seinen Spielern deutlich mehr Gehalt bezahlen. Auf dieses Kräfteverhältnis verwies auch BVB-Sportdirektor Michael Zorc, der die Aussagen von Hoeneß als «ziemlich arrogant» bezeichnet hatte: «Wenn man jedes Jahr 250 Mio. Euro mehr in der Tasche hat, lässt es sich mit vollen Hosen gut stinken.»

Der stete Verlust von Talenten und Leistungsträgern schmerzt die Dortmunder, schafft aber auch neue Spielräume zum Umbau des Kaders. Nur dem exzellenten Ruf des Clubs als Talente-Veredler ist es zu verdanken, dass Spieler wie Jadon Sancho, Erling Haaland und nun Jude Bellingham das schwarzgelbe Trikot tragen.

Dass die Münchner beim Werben um Talente im Wettstreit mit den Dortmundern zum wiederholten Mal den Kürzeren zogen, könnte nach Einschätzung des ehemaligen BVB-Torhüters Roman Weidenfeller ein Grund für die Kritik von Hoeneß gewesen sein: «Da scheint der Frust mal wieder tief zu sitzen, dass sich Jude Bellingham gegen die Bayern und für den BVB entschieden hat.» Dem Vernehmen nach hatte sich auch der deutsche Rekordmeister um den erst 17 Jahre alten Mittelfeldspieler von Birmingham City bemüht.

Ähnlich war es den Bayern schon 2017 bei Sancho ergangen. «Mit Sancho war bei uns alles klar, aber im letzten Moment entschied er sich für Dortmund», verriet Hoeneß. Diese Behauptung bezeichnete Zorc als «de facto falsch». Demnach war sich die Borussia schon vorher mit dem mittlerweile zum Star gereiften englischen Nationalspieler einig.

© dpa-infocom, dpa:200804-99-32890/3

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Veröffentlicht am:
04. 08. 2020
12:59 Uhr

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04. 08. 2020
12:59 Uhr



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