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«Hölle» vor WM: Stäblers Kampf gegen den eigenen Körper

Frank Stäbler will bei der Ringer-WM wieder für Furore sorgen und Gold holen. Einen harten Kampf hat er schon Tage zuvor zu bestehen. Er muss sich auf das Kampfgewicht runterhungern. Und das diesmal unter extremen Bedingungen. Ein Gang zwischen «Kick» und «Hölle».



Frank Stäbler
Reist optimistisch zur WM: Ringer Frank Stäbler.   Foto: Christoph Schmidt

Frank Stäblers härtester Kampf beginnt schon Tage vor seinen ersten Duellen bei der Ringer-WM in Kasachstan. Und dieser Kampf wird brutal - denn der dreimalige Weltmeister tritt gegen seinen eigenen Körper an.

Er muss in kürzester Zeit mehrere Kilogramm abnehmen und dann gegen die Besten der Welt bestehen. «Das wird die Hölle», prognostiziert Stäbler. Aber er lächelt dabei, fast so, als kämen ihm vor seiner letzten WM und der erhofften Qualifikation für Olympia diese extrem erschwerten Bedingungen gerade recht.

«Wenn alle sagen, das ist unmöglich, dann muss ich es der ganzen Welt beweisen. Das ist mein großer Ansporn, das ist der Kick», sagt der willens- und nervenstarke Ausnahmeathlet. Und dann erzählt Stäbler der Deutschen Presse-Agentur, was ihn erwartet, wenn er nach seinem Hinflug am Mittwoch in die kasachische Hauptstadt Nur-Sultan - dem bisherigen Astana - mit der notwendigen Extrem-Diät beginnt.

«Ich werde drei, vier Tage so gut wie nichts mehr trinken und nichts essen, höchstens mal einen Eiweißriegel von 40 Gramm oder ein paar Hundert Milliliter Wasser. Dennoch wird den ganzen Tag trainiert, dick eingepackt in einen Neoprenpulli und mit einer Schwitzjacke drüber.» Der Körper werde ausgedrückt wie ein Schwamm. «Da kannst du nicht mehr klar denken, kannst nicht schlafen. Du kannst nicht mehr schlucken und wünschst dir nur zu trinken. Das ist das Schlimmste.»

Der Grund für Stäblers bevorstehende Tortur ist das Reglement, wonach seine gewohnte Gewichtsklasse von 72 Kilogramm in Tokio 2020 nicht olympisch ist. Um bei seinen letzten Sommerspielen dabei zu sein, muss der 30-Jährige also das Gewicht am Kampftag auf 67 Kilogramm drücken, das sind rund acht Kilogramm weniger als sein Normalgewicht.

Dieses sogenannte «Abkochen» kennt Stäbler eigentlich. Schon immer hungerte er sich wie die meisten Ringer zum erlaubten Kampfgewicht runter. Dennoch wird es diesmal anders sein. Bis vor zwei Jahren fand das Wiegen nämlich einen Tag vor dem Wettkampf statt. Also hatten die Sportler eine Nacht Zeit, zu essen und sich für den Wettkampf etliche Kilogramm zurückzuholen. Inzwischen aber steht das Wiegen am Morgen der Kämpfe an und die Athleten müssen mit jenem Gewicht antreten. Noch schlimmer: Weil nach den Vorkämpfen die Duelle um die Medaillen erst am folgenden Tag ausgetragen werden, und dann noch mal gewogen wird, kann Stäbler auch nach dem ersten Kampftag kaum etwas essen.

Der Routinier musste also grundsätzlich und nicht nur kurzfristig runter mit dem Gewicht - was schwierig ist beim Körper eines Leistungssportlers mit nur rund acht Prozent Körperfett. Vier Kilogramm ist er seit Frühjahr dauerhaft losgeworden durch eine umfangreiche Diät: Weißer Zucker wurde komplett gestrichen, am Abend gab es keine Kohlenhydrate mehr. Scharfe Gewürze und Lebensmittel wie Chili und Ingwer kurbelten den Stoffwechsel an, dazu gab es spezielle Nahrungsergänzungsmittel und Stoffe wie Jod und Bor. Stäbler musste ein «Verbrennungsmotor» werden, forderte sein Ernährungsberater.

Diese Phase samt Ayurveda-Diät habe er sehr gut überstanden und fühle sich im Alter von 30 Jahr sogar fitter als je zuvor, berichtete der Athlet aus Musberg in Baden-Württemberg. Zuletzt gewann er den Grand Prix in Dortmund, seine Generalprobe für die WM in Nur-Sultan.

«Projekt 67» nennt er die Mission, die mehrere Ziele hat: Zunächst muss er die 67 Kilogramm am Sonntagmorgen beim Wiegen erreichen. Dann will er in die Medaillenkämpfe, denn damit ist ihm die Qualifikation für Olympia sicher. Und warum nicht gleich den vierten WM-Titel holen? «Der Frank fährt nicht da hin, um Dritter zu werden», sagt der Sportdirektor des Deutschen Ringer-Bundes, Jannis Zamanduridis.

Sorgen um seinen profiliertesten Athleten macht sich Zamanduridis nicht, «er hat schon mehrfach nachgewiesen, dass er Weltklasse-Leute besiegen kann.» Und auch, dass er schwitzen kann. «Früher bin ich schon mal in der Sauna ohnmächtig geworden, weil ich einfach nicht mehr konnte. Aber dann wurde ich mit Eiswürfeln wachgerüttelt und weiter ging es», erzählt Stäbler und fürchtet: «So extrem kann es wieder werden. Aber wir haben ja einen Arzt dabei.»

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dpa

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10. 09. 2019
09:48 Uhr

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10. 09. 2019
09:48 Uhr



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