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Held des Finales: Neuer ist der Größte

Der Bayern-Torwart hält im Endspiel der Champions League so stark, dass PSG-Trainer Tuchel von Wettbewerbsverzerrung spricht. Wie lange kann der Weltbeste dieses Niveau halten?



Held des Finales: Neuer ist der Größte
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Lissabon – Das hatte sich Thomas Tuchel so schön ausgedacht. Nach den Siegen gegen Borussia Dortmund (Achtelfinale) und RB Leipzig (Halbfinale) wollte der Trainer von Paris St. Germain mit seinem Starensemble im Finale der Champions League nicht nur den FC Bayern schlagen – sondern danach gleich noch die Schale fordern, die der deutsche Meister als Zeichen seiner Regentschaft erhält. Es kam anders. PSG verlor 0:1, ein netter Spruch ging Tuchel aber trotzdem über die Lippen. Als er auf die herausragende Leistung von Manuel Neuer angesprochen wurde, meinte er mit bittersüßem Lächeln, eigentlich sei dies „Wettbewerbsverzerrung“ gewesen.

Es war die kürzeste von vielen Lobeshymnen. Und während Oliver Kahn, der frühere Weltklasse-Torhüter, Neuer über Legenden wie Toni Turek, Sepp Maier oder sich selbst stellte, gab sogar der Vielgepriesene die vornehme Zurückhaltung auf, die ihn neben seinen Reflexen und Paraden sonst stets auszeichnet. „Ja, doch“, meinte Neuer, „ich habe ein super Spiel gemacht.“ Entsprechend einig waren sich Experten wie Medien: Neben Siegtorschütze Kingsley Coman war Neuer, der mit dem geklauten Tornetz als Umhang über den Schultern nach dem Triumph wie der legendäre Comic-Held Superman aussah, der Garant für das gewonnene Triple. Kahn hob seinen Nachfolger denn auch flugs in den Torwart-Olymp. „Wir in Deutschland hatten immer ganz große Torhüter“, sagte das neue FCB-Vorstandsmitglied, „aber er ist sicherlich einer der ganz, ganz Großen.“ Blieb nur die Frage offen: Ist Neuer sogar der Beste? „Wenn man schaut, was er alles gewonnen hat – den WM-Titel, zweimal die Champions League – und wie er der Mannschaft dabei immer geholfen hat“, meinte Kahn, „dann kann man das so sagen!“ Rekordnationalspieler Lothar Matthäus erklärte: „Neuer ist einer der besten Torhüter, die es je auf unserem Planeten gegeben hat.“ Dazu passten die Schlagzeilen in der spanischen Presse. Dort wurde Neuer (34) als Münchens „Lebensretter“ tituliert und seine „Weltherrschaft“ im Torwartspiel unterstrichen.

Der Kapitän des FCB und des deutschen Nationalteams hatte den 1:0-Sieg mit mehreren starken Paraden festgehalten – und PSG-Coach Thomas Tuchel schier zur Verzweiflung gebracht: „Er hat nicht nur das Torwartspiel auf ein neues Niveau gehoben. Er ist auch im falschen Moment in absoluter Topform.“ Das bekam vor allem Neymar zu spüren. Neuers spektakulärste Rettungstat war gleich die erste gegen den Brasilianer, als er überragend mit dem Bein parierte (18.). Auch Angel di María, Kylian Mbappé und Marquinhos scheiterten an den unglaublichen Reflexen des Torwarts. „Wir hatten heute auch etwas Glück – und Manuel Neuer zwischen den Pfosten“, meinte Kollege Thomas Müller nach dem Abpfiff. Coach Hansi Flick erklärte derweil in aller Gelassenheit: „Wir haben eben Manuel, den weltbesten Torhüter.“ Der allerdings in seiner erfolgreichen Karriere auch schon andere Phasen erlebt hat.

Nicht wenige haben Neuer wegen dessen Verletzungsanfälligkeit schon öfter abgeschrieben. Konkurrent Marc-Andre ter Stegen (FC Barcelona) schien auf dem Weg zur Nummer eins im deutschen Tor, der FC Bayern verpflichtete in Alexander Nübel sogar schon einen Nachfolger. Doch Neuer trotzt dem Umbruch. Seinen Vertrag in München hat Neuer unlängst bis 2023 verlängert. Dann ist er 37 – und noch lange nicht am Ende. Meint zumindest Oliver Kahn. „Wenn ein Torwart älter wird, wird er ja nicht schlechter“, sagte der Ex-Titan.
 
„King“ Coman im Zwiespalt
 
Der frisch gekrönte „King“ von Bayern kämpfte nach seiner Ruhmestat im Champions-League-Finale mit extremen Gefühlen. Kingsley Coman spürte „an dem schönsten Tag meines Lebens, was den Fußball angeht“, eben „auch einen kleinen, wunden Punkt im Herzen.“ Es war am Sonntagabend in Portugal ja auch eine dieser immer wieder ganz besonderen Geschichten, die der Sport oft schreibt – und die eine Karriere in die eine oder andere Richtung lenken können.

Mit seinem Kopfball verewigte sich der französische Nationalspieler beim 1:0 gegen Paris Saint-Germain auf ewig in den Geschichtsbüchern des FC Bayern München. Er ist jetzt ein Torheld im Finale, wie Arjen Robben es 2013 in Wembley war. Aber der vor 24 Jahren in Paris geborene Coman traf mit seinem Tor in der 59. Minute eben auch jenen Verein mitten ins Herz, bei dem er das Fußballspielen lernte, für den er als gerade einmal 16-Jähriger sein Profidebüt feierte. „Paris Saint-Germain ist ein großer Verein für mich. Ich bin dort aufgewachsen fußballerisch“, erzählte der von der Uefa als „Man of the Match“ ausgezeichnete Coman nach dem wichtigsten Tor seiner Karriere, das dem Anlass entsprechend der 500. Münchner Treffer in der Champions League war. „Also, es ist sehr, sehr viel Freude da, aber auch ein ganz klein wenig Trauer“, verriet Coman.

Flicks finaler Schachzug mit dem Außenstürmer ging auf. Im Endspiel änderte der Bayern-Coach die bisherige Turnier-Startelf dann doch auf einer Position. Coman lief links vorne anstelle von Ivan Perisic auf. Flick setzte einfach auf einen Schuss „Extra-Motivation“ bei Coman gegen dessen Ex-Club – und die Idee zündete prächtig.

Die Geschichte von Coman, der bei Bayern schon vor dem Finaltor von jedem „King“ genannt wurde, ist speziell – und bleibt spannend. Seit fünf Jahren stürmt er für die Bayern. Vier davon verbrachte er weitgehend im Schatten der großen Münchner Flügelzange Robben und Franck Ribéry. Und jetzt, im ersten Jahr nach „Robbéry“, krönt sich Coman prompt zum König von Lissabon.
Er hat sich positioniert, auch intern bei Bayern, das gerade für 50 Millionen Euro als neuen Stürmerstar auf dem Flügel Leroy Sané verpflichtet hat. Viele in München schwärm(t)en schon von der neuen Münchner Flügelzange mit Serge Gnabry und Sané, sozusagen eine deutsche Robbéry-Ausgabe. „Ja klar wird es wieder viel Konkurrenz geben wie jedes Jahr. Wir haben immer einige gute Flügelspieler, das macht eben auch die Kraft unserer Mannschaft aus“, sagte Coman nach der Krönung.
 
 
 
Die Randnotizen

Torschützenkönig

Mit Robert Lewandowski hat als erster Spieler eines Fußball-Bundesligisten seit 1994 die meisten Tore in einer Champions-League-Saison erzielt. Der Torjäger von Bayern München kam auf 15 Treffer und lag damit vor Erling Haaland, der für Red Bull Salzburg und Borussia Dortmund zehn Tore erzielte, sowie seinem Teamkollegen Serge Gnabry (neun Tore). Letzter Bundesliga-Spieler mit den meisten Toren war der Neuseeländer Wynton Rufer, der 1993/1994 achtmal für Werder Bremen erfolgreich war. Den Torrekord verpasste Lewandowski: Der Portugiese Cristiano Ronaldo traf in der Saison 2013/2014 für Real Madrid 17-mal.

 

TV-Quote

Das Champions-League-Finale hat dem ZDF eine Spitzenquote beschert. Im Schnitt 12,79 Millionen Fußballfans verfolgten am Sonntagabend die Liveübertragung im Zweiten. Der Marktanteil betrug 39,9 Prozent. Das Endspiel in der Königsklasse wurde auch live vom Pay-TV-Sender Sky und dem Streamingdienst DAZN ausgestrahlt. In der Schlussphase wurden sogar bis zu 13,67 Millionen Zuseher verzeichnet, das Spiel ist die meistgesehene TV-Sendung des Jahres 2020.

 

Zahlenspiele

Als erster Champions-League-Sieger hat der FC Bayern alle Spiele auf dem Weg zum Titel gewonnen. Mit dem sechsten Titel im Wettbewerb der Landesmeister zog der Rekordmeister mit dem FC Liverpool gleich. Häufiger gewonnen haben nur Real Madrid (13) und der AC Mailand (7).

 

Mammutprogramm

Der FC Bayern München steht nach dem zweiten Triple der Vereinsgeschichte vor einem gnadenlosen Mammutprogramm. Nur 19 Tage nach dem Triumph von Lissabon starten Kapitän Manuel Neuer und Co. mit dem Erstrundenspiel im DFB-Pokal am 11. September (20.45 Uhr/Sport1) gegen Fünftligist 1. FC Düren in die neue Saison. Insgesamt warten bis zu 57 Pflichtspiele binnen 260 Tagen. Dazu kommen für das Gros des Kaders auch noch Länderspiele. Nach dem Pokalauftakt geht es für den Titelverteidiger am 18. September mit dem Bundesliga-Start gegen Schalke 04 weiter. Am 24. September wartet der europäische Supercup in Budapest gegen Europa-League-Sieger FC Sevilla, am 30. September geht es im deutschen Supercup in München gegen den "ewigen" Rivalen Borussia Dortmund. Im Dezember müssen die Bayern zur Club-WM nach Katar (zwei Spiele), es folgen wohl die zweite Pokalrunde einen oder zwei Tage vor Heiligabend und die kürzeste Winterpause der Bundesliga-Geschichte. dpa/sid

 

 

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Veröffentlicht am:
25. 08. 2020
00:00 Uhr

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