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Fußball-Fandebatten in der Not: «Jetzt zahlen wir den Preis»

Fußball ohne Zuschauer - bis vor Kurzem war das nur eine Drohkulisse nach Ausschreitungen. Was halten Fan-Organisationen von Geisterspielen? Und: Ist ihre Meinung überhaupt gefragt?



Geisterspiele
Wohl bald ein häufiges Bild: Geisterspiele in der Corona-Krise.   Foto: Roland Weihrauch/dpa

Der Widerstand gegen Geisterspiele ist gebröckelt, die Fan-Organisationen wollen aber bei den Notfall-Szenarien der Bundesliga mitreden - und machen sich Gedanken über den Profifußball nach der Corona-Krise.

«Der Fußball muss den Spagat zwischen gesellschaftlicher Verantwortung und wirtschaftlichen Interessen bewältigen und damit ganz besonders sensibel umgehen», sagte Helen Breit, Vorstandsvorsitzende von «Unsere Kurve», der Deutsche Presse-Agentur.

«Im Moment schauen wir alle wie mit einer Lupe auf den Fußball. Man sollte auch aus der Krise lernen und sie als Chance verstehen: Welche Schritte könnten den Fußball gesünder machen? Wie kann man das überdrehte Rad zurückdrehen?», erklärte die Freiburgerin. Zu den im Mai angestrebten Geisterspielen in der 1. und 2. Bundesliga habe «Unsere Kurve» derzeit «keine abschließende Position», nachdem das Bündnis sie im März zu Beginn der Krise noch abgelehnt hatte.

Auch «Pro Fans» mit seinen Ultra-Anhängern spricht sich nicht mehr gegen Partien ohne Zuschauer aus. «Das Verständnis für Geisterspiele hat sich weitgehend durchgesetzt in der Szene. Die Spiele würden - auch vor dem TV - bei weitem nicht so attraktiv sein wie mit einer vollen Hütte. Aber vielen Vereinen steht ja das Wasser bis zum Hals», sagte «Pro Fans»-Sprecher Sig Zelt. Falls die Saison nicht beendet werden kann, würden den Clubs insgesamt rund 750 Millionen Euro an TV-Einnahmen verloren gehen.

Noch sind es nur Szenarien, wie und wann der Ball wieder rollen kann. Die Entscheidung fällt die Politik, am Freitag steht zudem die nächste Mitgliederversammlung der Deutschen Fußball Liga (DFL) an. Der Präsident der Wissenschaftsakademie Leopoldina rechnet über einen langen Zeitraum mit Geisterspielen im Fußball. «Es wird sicherlich viele Monate dauern, es kann bis zu eineinhalb Jahre sein», sagte Gerald Haug den ARD-«Tagesthemen» auf die Frage, wie lange auf Besuche in Stadien verzichtet werden sollte. Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) hält hingegen Bundesligaspiele vor Zuschauern im Herbst für nicht ausgeschlossen.

Für Michael Gabriel, Chef der Koordinationsstelle Fanprojekte (KOS), hat der Austausch zwischen Fans und Verbänden in der ungewissen Lage «größte Bedeutung». Am Donnerstag gibt es eine Videoschalte der Ad hoc-Gruppe Fan-Institutionen und Verbände zu Corona, in der auch Präsidiumsmitglieder der DFL und des Deutschen Fußball Bundes (DFL) vertreten sind. Im Nachrichtenmagazin «Der Spiegel» mahnte Gabriel: Bei den erwarteten Geisterspielen werde der Fußball einen «Kulturverlust» erleben. «Der Fußball ist nur durch Fans das, was er ist. Daher müssten die Vereine sich um die Sorgen der Anhänger kümmern. Ihr Engagement darf nicht als selbstverständlich betrachtet werden.»

Derzeit konzentrieren sich viele Fangruppen laut Gabriel «in beeindruckender Weise» auf ihr soziales Engagement in Zeiten der Pandemie. Künftig würden die Anhänger aber auch ihre Kritik am modernen Profigeschäft wieder mit Aktionen deutlich machen. Der Fußball müsse die Fans «auch bei den konfliktbehafteten Themen» einbinden, mahnte der KOS-Leiter.

Es gibt aber auch überaus kritische Stimmen zu Geisterspielen mit den damit verbundenen aufwendigen Maßnahmen. Mehrere Fangruppen von Fortuna Düsseldorf sind gegen die möglichen Massen-Tests auf das Coronavirus bei einer Wiederaufnahme des Spielbetriebs. «Dass Fußball ohne uns Fans stattfindet, ist mit Sicherheit nicht in unserem Interesse. Viel wütender macht uns jedoch der Fakt, dass laut diversen Medienberichten alle Spieler der Bundesliga und 2. Bundesliga vor jedem Spieltag auf Covid-19 getestet werden sollen», heißt es in einer Erklärung der Gruppen Dissidenti Ultra, Antirasisters und Casual Punx. Sie fordern: «Tests für diejenigen, die sie benötigen, auch wenn dies bedeutet, dass die Saison abgebrochen werden muss.»

Das Finanzgebaren der nun in Not geratenen Clubs bewertet das Bündnis Aktiver Fußballfans (BAFF) schonungslos: «Dann kann der Fußball aber so ehrlich sein und sagen: Wir haben uns den Rechteinhabern mit Haut und Haaren ausgeliefert und zahlen jetzt den Preis dafür. Wir müssen das jetzt irgendwie zu Ende spielen, sonst fließen die Restzahlungen nicht mehr und wir sind am Arsch.»

Veröffentlicht am:
14. 04. 2020
13:27 Uhr

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Autor

dpa

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Veröffentlicht am:
14. 04. 2020
13:27 Uhr



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