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Sport

Fan-Rückkehr ungewiss - vorsichtige Zustimmung der Politik

Der Anfang ist gemacht. Doch die Rückkehr der Fans in die Fußballstadien bleibt ein Streitpunkt. In der Politik gibt es keine einheitliche Meinung, die Fans denken schon weiter voraus.



Fan-Rückkehr?
Die Politik muss über eine mögliche Rückkehr der Fußball-Fans in die Stadien entscheiden.   Foto: Sven Hoppe/dpa

Die Deutsche Fußball Liga hat ihre Hausaufgaben gemacht, auch die Bundesregierung verteilte ein vorsichtiges Lob. Doch die Rückkehr der Fans in die Stadien bleibt ein Streitthema mit vielen Beteiligten und ungewissem Ausgang.

Es komme «entscheidend darauf an», wie die von den 36 Clubs mehr vereinheitlichten Regelungen gemeinsam mit den Behörden vor Ort umgesetzt werden, sagte ein Sprecher des Gesundheitsministeriums. Die Signale aus den Ländern sind angesichts der steigenden Corona-Fallzahlen aber alles andere als eindeutig.

«Auf dem Papier lässt sich vieles darstellen», sagte Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) der Deutschen Presse-Agentur. «Ob das dann auch in der Praxis so durchzuhalten ist, das wird erst noch sehr genau zu prüfen sein, auch wenn ich mir es als Fußballfan wünschen würde.» Die Gesundheitsminister der Länder wollen am kommenden Montag (10. August) weiter über das DFL-Konzept beraten, Entscheidungen sind eher nicht zu erwarten.

Die DFL-Mitgliederversammlung hatte am Vortag mehrheitlich, aber nicht einstimmig für den Fall der Fan-Rückkehr ein Alkoholverbot sowie die Streichung der Stehplätze bis zum 31. Oktober beschlossen. Bis zum Jahresende sollen zudem keine Gästetickets verteilt werden und Maßnahmen getroffen werden, die eine Nachverfolgung von Infektionsketten möglich macht. Am ehesten scheint das über personalisierte Tickets zu realisieren sein.

«Ich bitte wirklich darum, dass man diese Debatten nicht zu einer Grundsatzdiskussion macht, über die Bedeutung von Stehplätzen oder Fans im Allgemeinen», sagte DFL-Geschäftsführer Christian Seifert. «Es geht aktuell wirklich nicht im deutschen Fußball an sich um selbstverständliche Grundsätze, sondern es geht immer noch darum, einem Infektionsgeschehen Rechnung zu tragen, das man nicht unterschätzen darf.»

Ein Sprecher des Innen- und Sportministeriums bezeichnete die DFL-Vereinbarung in Berlin als einen «begrüßenswerten Schritt». Priorität hätten das Wirtschaftsleben und die Bildungseinrichtungen, betonte die stellvertretende Regierungssprecherin Ulrike Demmer, «erst daran anknüpfend gilt es natürlich, den Freizeitsektor zu betrachten».

In der Bundesliga und 2. Liga soll am dritten September-Wochenende wieder gespielt werden, im DFB-Pokal bereits vom 11. bis zum 13. September. Der ab der 3. Liga und für den Pokal zuständige Deutsche Fußball-Bund bietet zur Unterstützung ein Tool der Manchester Metropolitan University zur Kapazitätsberechnung an. «Das Tool hilft, Stadien unter Berücksichtigung der durch Covid-19 notwendigen Abstandsregeln neu zu beurteilen», teilte der Verband mit. Dass aber schon zum Saisonstart wieder Zuschauer zugelassen sind, scheint sehr fraglich.

«Ich stehe dem Vorschlag der DFL, Bundesliga-Begegnungen wieder vor Zuschauern zu veranstalten, sehr skeptisch gegenüber», sagte Bremens Innensenator Ulrich Mäurer (SPD), der wegen der Polizeikosten-Debatte im Streit mit der DFL liegt, dem «Weser-Kurier». «Niemand kann im Augenblick absehen, wo wir im September stehen werden und mit welchen Herausforderungen wir umzugehen haben werden.» Seifert hatte betont, dass der Fußball keinesfalls Forderungen stellen, sondern nur für den Fall der Fälle bestens vorbereitet sein will.

Aus den eigenen Reihen meldeten sich nach der Versammlung allerdings unter anderen Eintracht Frankfurt und vor allem der 1. FC Union Berlin mit Kritik. «Da wir mit dem Vorgehen grundsätzlich nicht einverstanden sind und zudem die Anträge zu Gästefans, Stehplätzen und Alkoholausschank für unausgewogen im Hinblick auf unsere allgemeine gesellschaftliche Verantwortung, aber auch auf unsere spezielle Verantwortung für Fußballanhänger halten, haben wir bei diesen drei Anträgen mit Nein gestimmt», erklärte Berlins Club-Präsident Dirk Zingler. Die Eintracht stimmte gegen das Alkoholverbot.

Den Fan-Vereinigungen fehlen hingegen in der Rückkehr-Debatte grundlegendere Entscheidungen zur Zukunft des Fußballs. «Aus unserer Sicht fehlt ein glaubhafter Grundsatzbeschluss, mit dem die Richtung vorgegeben wird», kritisierte «Unser Fußball»-Sprecher Manuel Gaber. «Uns ist wichtig, dass der Reformprozess von jenen gestaltet wird, die auch Interesse haben, im Fußball wirklich etwas zu verändern.»

Seifert hatte nach der Mitgliederversammlung angekündigt, dass die Taskforce «Zukunft Profifußball» im September ihre Arbeit aufnehmen werde. Sie soll «Entwicklungen zur Vergangenheit reflektieren, interdisziplinär diskutieren und schließlich gangbare Wege für die Zukunft entwerfen». Möglichst vielfältige Perspektiven sollen dabei berücksichtigt werden. Von Fan-Organisationen ist dabei nicht direkt die Rede, aber «Unser Fußball» geht nach Gesprächen der AG Fankulturen mit DFL und DFB davon aus, dass diese eingebunden werden.

© dpa-infocom, dpa:200805-99-47665/10

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Veröffentlicht am:
05. 08. 2020
16:14 Uhr

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