Lade Login-Box.
Corona Newsletter
Topthemen: Coronavirus in ThüringenCorona-HilfsbörseFreies Wort hilftFolgen Sie uns auf Instagram

Sport

Fall Torunarigha: Tönnies bekräftigt Wille zur Aufklärung

Nach dem Rassismus-Vorwurf beim Pokal-Match zwischen den Fußball-Bundesligisten FC Schalke 04 und Hertha BSC hat sich S04-Aufsichtsratschef Clemens Tönnies dem Vereinsstatement angeschlossen.



Clemens Tönnies
Clemens Tönnies, Aufsichtsratschef des Bundesligisten fC Schalke 04.   Foto: Bernd Thissen/dpa

Vorstand und Trainer hätten es absolut treffend formuliert. Auch das Statement des Vereins könne er nur unterstreichen, sagte der 63-Jährige der «Bild»-Zeitung. «Wir werden alles daransetzen, die Angelegenheit aufzuklären.»

Zahlreiche weitere Profis hatten Torunarigha in sozialen Netzwerken unterstützt. «Wir stehen alle hinter dir Bruder!!! #notoracism», schrieb sein früherer Teamkollege Davie Selke, der inzwischen bei Werder Bremen spielt, bei Instagram.

«Hätte nicht gedacht, dass so etwas in Deutschland 2020 möglich ist! Bin fassungslos!», schrieb Bayern Münchens Jérôme Boateng bei Twitter. «#F%** Racism I am with you my man» (Ich bin bei dir), teilte dessen älterer Bruder Kevin-Prince mit. «Wenn Engstirnigkeit nur mit geschlossenen Mündern einhergehen würde...!» Kevin-Prince Boateng war in seiner Karriere schon mehrfach Ziel von Rassismus durch Zuschauer gewesen und setzt sich aktiv gegen Hass und Intoleranz ein.

Im Pokal-Achtelfinale am 4. Februarsollen Schalke-Fans unter anderem Affenlaute in Richtung des Hertha-Profis und Junioren-Nationalspielers Jordan Torunarigha gerufen haben. Schalke hatte in einem Vereinsstatement bekräftigt, die Aussagen des Spielers hinsichtlich «rassistischer Aussagen und Laute gegen ihn» sehr ernst zu nehmen.

Die Polizei Gelsenkirchen hat nun auch Ermittlungen aufgenommen. «Wir haben von Amts wegen ein Ermittlungsverfahren eingeleitet», sagte ein Polizeisprecher. Es gehe um den Anfangsverdacht der Beleidigung, sagte der Polizeisprecher. Was während des Spiels konkret vorgefallen ist, sei Gegenstand der Ermittlungen. Eine Anzeige des Berliner Spielers liege der Polizei nicht vor.

Die DFB-Ethikkommission hatte Aussagen von Tönnies, die er im Juli über Afrika gemacht hatte, als rassistisch gewertet. Der Schalker Ehrenrat hatte darufhin beschlossen, dass der Fleisch-Unternehmer für drei Monate sein Amt nicht ausüben darf. Nach seiner Rückkehr hatte Tönnies seine Äußerungen als «Fehler» bezeichnet.

Jordan Torunarighas Vater Ojokojo hat über eigene Erfahrungen mit Rassismus berichtet. «Diskriminierungen lauerten überall. Ich wurde bei einem Stadtfest durch die Stadt gejagt», sagte der frühere Spieler des Chemnitzer FC der «Bild»-Zeitung. «Die Polizei half mir erst, als sie erkannten, dass ich ein Fußball-Profi war. Ich habe immer versucht, den Rassismus von meinen Kindern fernzuhalten.»

Der gebürtige Nigerianer Torunarigha kam kurz nach der Wende nach Deutschland und spielte unter anderem für den CFC und Borussia Neunkirchen. Sein Sohn Jordan ist seit der Jugend bei Hertha BSC.

«Vielleicht muss er seine Emotionen manchmal besser in den Griff bekommen», sagte Ojokojo Torunarigha über seinen Sohn. «Aber Rassismus tut unglaublich weh. Viele, die sich jetzt darüber erheben und eine schlaue Meinung haben, wissen nicht, wie es sich anfühlt, rassistisch beleidigt zu werden.»

In seiner Kindheit spielte Jordan Torunarigha auch in Chemnitz und berichtete im vergangenen Jahr in der «Berliner Zeitung» über seine Erfahrungen. «In Chemnitz haben mich einige Eltern meiner Freunde früher nicht akzeptiert», sagte er im März. «Beim Fußball wurde ich komisch angeschaut. Nicht von den Kindern, die kennen Rassismus nicht, aber von deren Eltern habe ich schon immer wieder eine Abneigung gespürt. Mit acht Jahren bin ich dann nach Berlin gekommen. Hier war alles komplett anders.»

Der Fußball-Weltverband FIFA betonte grundsätzlich die Notwendigkeit zum Kampf gegen Diskriminierung. Man habe Mitgliedsverbände, Ligen und Clubs aufgefordert, «ein ähnliches Verfahren wie die FIFA und eine Null-Toleranz-Politik für alle Formen von Diskriminierung im Fußball anzuwenden und scharfe Sanktionen für jede Art solchen Verhaltens auszusprechen», teilte der Weltverband auf Anfrage mit. Zum konkreten Fall im DFB-Pokal äußerte sich die FIFA wie auch der Europäische Fußball-Union UEFA zunächst nicht.

Die FIFA verwies auf einen am 25. Juli verschickten Brief, in dem die Maßnahmen dargelegt wurden, um Rassismus zu verhindern. In einem dreistufigen Verfahren soll der Schiedsrichter bei derartigen Vorfällen das Spiel zunächst unterbrechen und die Zuschauer per Stadiondurchsage auffordern, mit dem diskriminierenden Verhalten aufzuhören. Sollte sich das Verhalten indes wiederholen, kann ein Spiel auch abgebrochen werden.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
06. 02. 2020
13:11 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Berliner Zeitung Bild (Zeitung) Borussia Neunkirchen Brüder Clemens Tönnies DFB-Pokal Davie Selke Eltern FIFA Hass Hertha BSC Jordan Torunarigha Jérôme Boateng Kevin-Prince Boateng Polizei Profi-Fußballer Schalke 04 Schalke-Fans Söhne Twitter UEFA Werder Bremen Wille
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Jordan Torunarigha

06.02.2020

Torunarigha: Kann «Idioten» nicht verstehen

Der Vorwurf der rassistischen Beleidigungen gegen Fußball-Profi Jordan Torunarigha schlägt weiter hohe Wellen. Verbände, Vereine und die Polizei ermitteln. Viele Profis solidarisieren sich mit dem Berliner. Dieser meldet... » mehr

Jordan Torunarigha

05.02.2020

DFB ermittelt: Rassismus-Eklat um Herthas Torunarigha

Das Pokal-Duell in Gelsenkirchen wird Auswirkungen haben. Schalke-Anhänger sollen Herthas Torunarigha rassistisch beleidigt haben. Der Abwehrspieler wird später vom Platz gestellt. Der DFB ermittelt. » mehr

Spiel gedreht

04.02.2020

Frankfurt, Düsseldorf, Bremen und Schalke im Viertelfinale

Die ersten vier Bundesligisten haben es ins Viertelfinale des DFB-Pokals geschafft. Drittligist Kaiserslautern verliert. Für Werder Bremen bereitet ein Rückkehrer den Weg zum Sieg. » mehr

Krisen-Modus

07.02.2020

Darüber spricht die Liga: Von Werder-Hoffnung bis RB-Krise

Die Nachwehen der Achtelfinal-Spiele im DFB-Pokal reichen bis in den 21. Spieltag der Fußball-Bundesliga. » mehr

Jordan Torunarigha

07.02.2020

Alle für Torunarigha: Hertha-Profi einsatzbereit

Herthas Jordan Torunarigha ist bereit für das Spiel gegen den FSV Mainz. Nach dem Vorwurf der rassistischen Beleidigungen gegen den Fußball-Profi steht sein Club Hertha BSC voll hinter ihm. Die eigenen Fans setzen im Oly... » mehr

Bayer Leverkusen - Borussia Dortmund

09.02.2020

BVB verliert Verfolgerduell - Bremen enttäuscht

Das müssen der FC Bayern und RB Leipzig erst einmal toppen. Borussia Dortmund verliert ein am Ende spektakuläres Spiel in Leverkusen. Der Abstiegskampf der Bundesliga bleibt zudem spannend - in Bremen sieht es düster aus... » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Sperrung vor Neustadt am Rennsteig Neustadt am Rennsteig

Sperrung Neustadt am Rennsteig | 23.03.2020 Neustadt am Rennsteig
» 4 Bilder ansehen

Brand in Katzhütte Katzhütte

Brand Katzhütte | 23.03.2020 Katzhütte
» 4 Bilder ansehen

inbound3887575027251749210

#Ichbleibdaheim |
» 8 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
06. 02. 2020
13:11 Uhr



^