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Fall Köln sorgt für neue Zweifel am Geisterspiele-Szenario

Geisterspiele als Grundlage für eine umfassende Studie zur Corona-Pandemie? Sportmediziner Fritz Sörgel hat diesen Vorschlag in die Debatte um Partien ohne Zuschauer in der Bundesliga eingebracht. Der Fußball will endlich loslegen - es gibt aber neue Bedenken.



Birger Verstraete
Fürchtet weitere Corona-Fälle beim 1. FC Köln: Birger Verstraete.   Foto: Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa

Nach dem Fall 1. FC Köln mit drei positiv auf das Coronavirus getesteten Personen sind neue Zweifel am Geisterspiele-Plan der Bundesliga aufgekommen. Debatten gibt es vor allem über die Quarantäne-Regel für Fußballprofis.

Zudem hat mit Kölns Mittelfeldspieler Birger Verstraete erstmals ein Spieler öffentlich Bedenken und Ängste geäußert. Eine schnelle Wiederaufnahme der Saison hält der 26 Jahre alte Belgier für «naiv».

Tim Meyer, Leiter der Task Force der Deutschen Fußball Liga, räumte am Wochenende eine Rest-Anfälligkeit des Hygiene-Konzepts der DFL ein. «Wenn es zu viele positive Fälle gibt, kann dieses System sicherlich ins Wanken geraten. Das ist gar keine Frage», sagte der Nationalmannschaftsarzt bei Sport1. Deswegen sei «extreme Disziplin» aller Beteiligten auch abseits des Spielfeldes wichtig.

Nach «Kicker»-Recherchen fielen die ersten Untersuchungen auf das Virus bei mindestens 14 Bundesligisten negativ aus. Nach den bekannt gewordenen positiven Resultaten in Köln sei die Situation «nur noch an drei Standorten undurchsichtig», schrieb der «Kicker». Die Ergebnisse beim FC Augsburg seien noch nicht bekannt; Borussia Mönchengladbach und RB Leipzig wollen demnach «keine Zwischenergebnisse zwischen den Testreihen bekanntgeben beziehungsweise sich nur im Wochenrhythmus äußern», hieß es.

Da fast 2000 Personen in der Bundesliga getestet worden seien, habe man «einige positive Fälle erwartet», sagte Meyer: «Ich möchte nicht ausschließen, dass es weitere gibt.» Es sei natürlich auch möglich, dass zunächst negativ getestete Spieler «nachträglich positiv werden. Das ist auch einer der Gründe, warum wir wiederholt testen.» Beim geplanten Einstieg ins Mannschaftstraining dürfen nur zweimal negativ getestete Spieler teilnehmen. Es gebe, so Meyer, «kein einhundertprozentiges System, das war auch kein realistisches Ziel».

Beim 1. FC Köln waren zwei Spieler und ein Betreuer positiv getestet worden. Das Trio war in Abstimmung mit dem zuständigen Gesundheitsamt in Quarantäne geschickt worden. Der Rest des Teams setzt das Training wie bisher in Kleingruppen fort. Dies ist auch im medizinischen Konzept der DFL für den Neustart der Bundesliga so vorgesehen. «Die sogenannte häusliche Absonderung ist nur für Personen der Kategorie 1 vorgesehen. Nicht wir, sondern das Gesundheitsamt bewertet, auf wen dies zutrifft», sagte Kölns Mannschaftsarzt Paul Klein.

Am Sonntagabend teilte der FC mit, dass man im Fall der Fortsetzung der Saison plane, ein «quarantäne-ähnliches Trainingslager» zu beziehen. «Der 1. FC Köln wird einen möglichen Einstieg ins Mannschaftstraining freiwillig unter den Bedingungen eines Trainingslagers absolvieren», teilte der Club mit. Zuvor hatte die «Bild» von den Plänen berichtet. Die Rheinländer hätten neben Hotels auch die Sportschule Hennef südöstlich von Siegburg geblockt.

Die Bundesligisten hatten in der Hoffnung, an diesem Mittwoch nach der Konferenz von Bundeskanzlerin Angela Merkel mit den Ministerpräsidenten die Genehmigung für den Liga-Start noch im Mai zu bekommen, am Donnerstag mit Corona-Tests aller Spieler und Betreuer begonnen. «Wir sehen jetzt im Alltag, dass unser Konzept frühzeitig Risiken erkennt und reduziert», betonte Meyer.

«Ich fand es, ehrlich gesagt, ein bisschen bizarr», sagte der belgische Mittelfeldspieler Verstraete dem TV-Sender VTM auf die Frage, warum er nicht in Quarantäne sei. «Der Physiotherapeut ist der Mann, der mich und andere Spieler wochenlang behandelt hat. Und mit einem der beiden fraglichen Spieler habe ich am Donnerstag im Fitnessstudio ein Duo gebildet», sagte Verstraete in dem Interview, über das «Het Laatste Nieuws» berichtete.

Es sei daher «nicht ganz richtig», dass kein anderer aus dem Team der Kölner mit den Betroffenen in Kontakt gekommen sei. Verstraetes Freundin zählt wegen einer Herz-Vorerkrankung zur Risikogruppe. «Ich will, dass erst jeder wieder gesund ist und dann erst wieder Fußball spielen», betonte er. Am Sonntag verschickte der FC eine ausführliche Pressemitteilung mit Erläuterungen zu dem Vorgang. «Nachdem die drei positiven Fälle in unserem Kreis bekannt wurden, habe ich einem Interview über meine persönlichen Sorgen vor einer Ansteckung meiner Freundin berichtet. Dabei habe ich mich an einigen Stellen falsch ausgedrückt, so dass in der Übersetzung ein missverständlicher Eindruck entstanden ist, der mir leid tut», wurde Verstraete zitiert.

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) zeigt sich offen für einen Wiederbeginn des Profifußballs im Mai, forderte aber zugleich strenge Auflagen. «Ich finde den Zeitplan der DFL plausibel und unterstütze einen Neustart im Mai», sagte Seehofer, der zugleich Sportminister ist, der «Bild am Sonntag»: «Für mich ist aber auch klar, dass es keine Privilegien für die Fußball-Bundesliga geben kann.»

Grundbedingung seien unter anderem strikte Auflagen im Falle eines Positiv-Tests: «Wenn es einen Corona-Fall in einer Mannschaft oder bei der Mannschaftsbetreuung gibt, dann müssen der gesamte Club und gegebenenfalls auch die Mannschaft, gegen die man zuletzt gespielt hat, zwei Wochen lang in Quarantäne.» Das Interview wurde nach Auskunft der Zeitung vor dem Bekanntwerden der Fälle in Köln geführt. Seehofers Einschätzung habe sich auch nach deren Bekanntwerden nicht geändert, erklärte ein Ministeriumssprecher am Sonntag auf Nachfrage.

Der Sportmediziner Fritz Sörgel sprach sich aus wissenschaftlichen Gründen für eine Fortsetzung der Bundesliga-Saison aus. Der Pharmakologe sieht die Chance, eine bislang so nicht mögliche Studie über das Coronavirus anfertigen zu können. «Macht man sich frei davon, dass da ein sportlicher Wettkampf stattfindet, erfüllen diese Geisterspiele im Ansatz die Kriterien für eine wissenschaftliche Studie», schrieb Sörgel in einem Beitrag für den «Tagesspiegel».

Nach dem Plan der DFL würden etwa 1500 relativ junge Menschen in einem räumlich festgelegten Umfeld regelmäßig aufeinandertreffen. «Die Frage wäre nun, ob es an diesem Arbeitsplatz zu Infektionen mit dem Sars-CoV-2-Virus kommt», schrieb der 69-Jährige. Daraus könnten Rückschlüsse auf andere Arbeitsumfelder gezogen werden.

Veröffentlicht am:
03. 05. 2020
20:33 Uhr

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Autor

dpa

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Veröffentlicht am:
03. 05. 2020
20:33 Uhr



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