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Sport

FC Bayern kontra PSG: Neuer gegen den 400-Millionen-Sturm

Die Fußballfans blicken nach Lissabon. Am Sonntag kommt es zum Showdown um Europas Fußball-Krone. Für den FC Bayern ist es das sechste Champions-League-Finale, für Paris die Premiere. Ein Duell mit großen Spielern - angeleitet von zwei deutschen Trainern.



Hochmotiviert
Im Finale der Champions League treten die Bayern gegen den 400-Millionen-Sturm von Paris Saint-Germain an.   Foto: Miguel A. Lopes/pool EPA via AP/dpa

Auf dieses Endspiel blickt ganz Europa. Bayern München gegen Paris Saint-Germain könnte wegen des Auflaufs der Fußballstars und zweier Teams in großer Form ein Spektakel werden.

Auch wenn der äußere Rahmen ohne Fans im Estádio da Luz am Sonntag (21.00 Uhr/ZDF, Sky, DAZN) coronabedingt ein trister sein wird: Die Hauptdarsteller auf dem Spielfeld in Lissabon werden dennoch vor Leidenschaft brennen, wie Bayern-Kapitän Manuel Neuer sagte: «Jetzt freuen wir uns auf das Endspiel gegen PSG. Wir haben so lange dafür gekämpft und gearbeitet und wollen dieses Finale gewinnen.» Ein Vergleich der Mannschaftsteile und der beiden Finaltrainer.

TOR:

PSG: Die Nummer 1 heißt Keylor Navas und gewann die Königsklasse dreimal nacheinander mit Real Madrid. Allerdings verletzte sich der 33-Jährige aus Costa Rica im Viertelfinale gegen Bergamo und droht nun auch gegen die Bayern auszufallen. Immerhin hat auch sein schon im Halbfinale gegen RB Leipzig zu Null haltender Vertreter Sergio Rico Endspielerfahrung: Der 26 Jahre alte Spanier stand im Tor, als der FC Sevilla 2015 die Europa League gewann.

BAYERN: Manuel Neuer (34) ist einer der ganz großen Bayern-Trümpfe. Champions-League-Sieger 2013, Weltmeister 2014, endspielerprobt und ein kolossaler Rückhalt. «Manuel ist einmalig», sagte Oliver Kahn nach dem 3:0 im Halbfinale gegen Lyon, in dem Neuer allein gegen Toko Ekambi mit einer Weltklasseaktion das Anschlusstor verhinderte. Der frühere Torwart-Titan Kahn weiß nur zu gut, was der Mann im Münchner Tor leisten muss: «Er wird nicht dauerbeschäftigt, aber wenn er gebraucht wird, muss er da sein.» Neuer war das bislang in Lissabon.

ABWEHR:

PSG: Beide Außenverteidiger haben länger in der Bundesliga gespielt. Thilo Kehrer (rechts) wurde genau wie Leroy Sané oder Mesut Özil bei Schalke 04 ausgebildet. Juan Bernat (links) bekam nach vier Jahren beim FC Bayern von Uli Hoeneß verbal nachgeworfen, er habe in der Champions League einen «Scheißdreck» gespielt. Kapitän Thiago Silva (35) geht in sein letztes Spiel als Pariser Abwehrchef. Neben ihm verteidigt der robuste, aber auch fehlerhafte Presnel Kimpembe.

BAYERN: Hansi Flick hat aus der Not heraus eine Abwehrreihe geschaffen, die Erstaunliches leistet. David Alaba verteidigt nicht mehr links, sondern als Chef im Zentrum. Daneben ist Jérôme Boateng wieder stark und wichtig geworden. Wenn wie gegen Lyon die Muskeln streiken, muss der vom Kreuzbandriss genesene Niklas Süle rein. Links hinten ist «Roadrunner» Alphonso Davies die Entdeckung der Saison: Weltklassesolo gegen Barcelona, defensiv wacklig gegen Lyon. Rechts hinten musste Joshua Kimmich aushelfen. Aber Benjamin Pavard, Flicks «Mr. Zuverlässig», kam gegen Lyon nach Verletzung schon kurz zurück.

MITTELFELD:

PSG: Die Schwachstelle des französischen Meisters? Trainer Thomas Tuchel zieht in wichtigen Spielen immer den gelernten Verteidiger Marquinhos vor, um sein Team zu stabilisieren. Dessen wichtigster Nebenmann, Marco Verratti, ist zudem nicht richtig fit. Von allen anderen Kandidaten wie dem Spanier Herrera, dem Argentinier Paredes oder dem Senegalesen Gueye verkörpert kein PSG-Akteur eine gehobene internationale Klasse. Nationalspieler Julian Draxler ist in Tuchels 4-3-3-System trotzdem keine Startelfoption.

BAYERN: Im Maschinenraum zwischen Abwehr und Angriff sind die Münchner top bestückt. Weil Kimmich nach rechts hinten ausweichen musste, bilden der inzwischen auch grätschende Edeltechniker Thiago und der dynamische Leon Goretzka die Doppel-Sechs. Für Thiago (29) dürfte das Finale das Abschiedsspiel im Bayern-Trikot sein, er wechselt wohl zum FC Liverpool. Für den Spanier heißt es frei nach Pep Guardiola, der ihn 2013 nach München lockte: Titel oder nix!

ANGRIFF:

PSG: Paris hat den teuersten Sturm der Welt. Die beiden Superstars Neymar und Mbappé kosteten den Club zusammen geschätzte 400 Millionen Euro an Ablösesummen. Obwohl Weltmeister Mbappé verletzt in Portugal ankam, drehten beide Angreifer beim Finalturnier auf. Kahn warnt vor Kontern nach eigenen Ballverlusten: «Dann geht die Post ab über Mbappé, über Neymar, dann knallt's meistens.» Der «dritte Mann» vorne ist der Argentinier di Maria, der unter Tuchel wieder zu der Form fand, mit der er schon bei Real Madrid die Königsklasse gewann.

BAYERN: Die Münchner Offensivabteilung kostete weniger Geld, aber sie produziert Tore am Fließband: 42 in zehn Königsklassenpartien. Robert Lewandowski traf 15 Mal, Lyon-Bezwinger Serge Gnabry neunmal. Thomas Müller ist unter Flick wieder wichtig, der Ur-Bayer steht vor seinem vierten Champions-League-Finale nach 2010, 2012 und 2013. Der robuste Ivan Perisic verlor mit Kroatien 2018 das WM-Finale gegen Frankreich. Kingsley Coman und Philippe Coutinho waren bislang Flicks Edeljoker.

TRAINER:

PSG: Soll man Thomas Tuchel (46) beneiden, weil er in Paris mit lauter Superstars arbeiten darf? Oder eher bemitleiden, weil bei diesem Club nichts außer dem Gewinn der Champions League zählt? So weit wie Tuchel kamen mit PSG weder Carlo Ancelotti noch Laurent Blanc noch der Spanier Unai Emery. Unter seiner Führung ordnen sich sogar die großen Namen wie Neymar und Mbappé der Teamtaktik unter. «Thomas macht einen sensationellen Job», sagte Finalkontrahent Flick.

BAYERN: Sensationell wäre als Beurteilung der Arbeit von Flick (55) in den ersten neun Monaten als Chefcoach untertrieben. Er hat alle überrascht, vielleicht sogar sich selbst. Flick kam im Sommer 2019 als Assistent, war dann erst für zwei Spiele und später bis zum Jahresende Chefcoach. Inzwischen ist der Weltmeister-Assistent von Joachim Löw Double-Gewinner und 2020 mit seinem Team ungeschlagen. Sein Vertrag wurde in der Corona-Pause gleich bis 2023 verlängert. Besonnenheit, Empathie und eine klare Strategie zeichnen den Ex-Profi aus. Am Sonntagabend könnte Flick der zweite Münchner Triple-Trainer nach dem legendären Jupp Heynckes (2013) werden.

© dpa-infocom, dpa:200820-99-245718/3

Veröffentlicht am:
21. 08. 2020
07:30 Uhr

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Autor

dpa

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Veröffentlicht am:
21. 08. 2020
07:30 Uhr



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