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Sport

Dopingsünder Dürr zu 15 Monaten auf Bewährung verurteilt

Mit seinen Aussagen löste er die «Operation Aderlass» vor einem Jahr aus. Nun wird Johannes Dürr zu 15 Monaten auf Bewährung verurteilt. Vor allem seine Rolle im vermuteten Doping-Netzwerk um einen Erfurter Sportmediziner spielte im Prozess eine große Rolle.



Johannes Dürr
Geständiger Dopingsünder: Ex-Langläufer Johannes Dürr.   Foto: Expa/Johann Groder/APA/dpa

Kurz vor dem Urteil steigt bei Johannes Dürr sichtlich die Nervosität an, vor der Richterin wird er dann wieder ganz ruhig.

Der ehemalige Langläufer und Dopingsünder wird teilweise schuldig gesprochen. 15 Monate. Es dauert lange, bis die Richterin dem 32-Jährigen sagt, dass es eine Bewährungsstrafe ist.

Dürr muss nicht ins Gefängnis, das war für seinen Verteidiger das wichtigste. Und doch: Der Makel des langjährigen Dopings wird wohl noch lange an ihm kleben bleiben. Das Urteil ist rechtskräftig, beide Seiten verzichteten nach der ausführlichen Urteilsbegründung auf weitere Rechtsmittel.

Im Zeugenstand gab sich Dürr im Landgericht Innsbruck zuvor sehr reumütig. Dürr war Langläufer, erlebte viele Jahre im Spitzensport. In dieser Zeit reifte seine Sicht: Ohne Doping kann man nicht ganz vorne mitlaufen. Erst griff er zu EPO, dann folgte das Blutdoping. Vor allem in diesen Punkten bekannte er sich schuldig.

Die ehemaligen und ebenfalls bereits mit Bewährungsstrafen verurteilten Sportler Max Hauke und Dominik Baldauf habe er aber nicht an den Erfurter Sportmediziner Mark S., der in München in Untersuchungshaft sitzt, vermittelt, geschweige denn einem anderem Österreicher gar eine Nadel zur Rückführung von Blut gesetzt. Nach den Aussagen der drei folgt ihm das Gericht in diesen Punkten und spricht Dürr diesbezüglich frei.

Der Prozess in Innsbruck markiert einen weiteren Höhepunkt nach den aufsehenerregenden Razzien Ende Februar 2019 in Tirol und Erfurt. Wenige Wochen zuvor hatte die ARD eine Dokumentation ausgestrahlt, in der Dürr sein eigenes Blutdoping zugab und die gleichen Methoden von Teamkollegen andeutete. Die Behörden ermittelten, nahmen bei der «Operation Aderlass» den Erfurter Sportarzt Mark S. fest und erwischten den Skilangläufer Max Hauke bei der Nordischen Ski-WM in Seefeld mit der Nadel im Arm direkt bei der Tat.

Dürrs persönliche Doping-Geschichte beginnt aber schon viel früher. Erstmals fliegt er bei den Olympischen Winterspielen in Sotschi 2014 auf. Der heute 32-Jährige wird gesperrt, lässt sich in seiner Sperre aber erneut Blut abnehmen und dieses in Erfurt einlagern - für ein mögliches Comeback. «Ich hab mein Leben lang nichts anderes gekannt als Spitzensport, jeden Tag den Körper daran zu bringen, ans Leistungsmaximum zu gelangen. Von einem Tag auf den anderen war diese Welt erledigt. Ich war verhasst in dieser Welt und das wollte ich einfach nicht akzeptieren, dass das ein Ende hat», sagte Dürr über seine Gedanken zu dieser Zeit.

An den weiteren Vorwürfen entzündet sich im Prozess aber der Streit. Dass er in den Jahren 2015 bis 2018 zu einem der wichtigsten Personen im vermuteten Doping-Netzwerk um den Erfurter Arzt geworden sei, so lautet zusammengefasst letztlich der Vorwurf der Staatsanwaltschaft, will er nicht stehen lassen. Es habe zwischenzeitlich Pläne gegeben, das Geschäft des Erfurter Arztes quasi zu übernehmen, Blut selbst einzulagern. Er habe auch mal mit einem Bekannten in Slowenien Sim-Karten für die Doping-Kommunikation organisiert. Mehr dann aber doch nicht.

Baldauf und Hauke erklärten am Montag beide in mehr oder weniger glaubwürdigen Aussagen, dass Dürr ihnen die Telefonnummer des Erfurter Arztes, laut Baldauf von den Sportlern nur «der Deutsche» genannt, gegeben habe. Ein Zeuge erklärte vor Gericht zudem nach mehrmaliger Nachfrage, dass Dürr bei ihm eine Blutrückführung durchgeführt habe. Der Erfurter Mediziner Mark S. hatte zudem laut der Richterin in seinen Vernehmungen erklärt, dass Dürr auch nach seiner Beichte in der ARD noch einmal einen Blutbeutel angefordert hatte, was Dürr bestreitet.

Dürrs Anwalt Christian Reiter betonte in seinen Wortmeldungen vor allem, dass Dürr ein Täter sei, der vom System Spitzensport zu einem solchen gemacht worden sei. Auch in der Urteilsbegründung klang diese Sichtweise letztlich an. «Dass es in Österreich eine gewisse Dopingproblematik gibt, das muss man auch von Seiten des ÖSV erkennen», so der Anwalt.

Der Mittelpunkt des vermuteten Doping-Netzwerkes, Mark S., sollte eigentlich per Videoschalte eine Aussage machen, verweigerte diese aber noch kurzfristig. Der Arzt hatte laut den Ermittlungsbehörden nach seiner Festnahme im Februar 2019 zunächst in vielen Vernehmungen ausgesagt, inzwischen aber keine Lust mehr zu weiteren Angaben. Der Prozess gegen den Arzt wird wohl erst in einigen Monaten beginnen. Die Münchner Staatsanwaltschaft wirft ihm und seinen Helfern unter anderem gewerbsmäßige und teilweise bandenmäßige Anwendung verbotener Dopingmethoden beziehungsweise Beihilfe dazu vor. Ihm droht eine mehrjährige Haftstrafe. 23 Sportlern wurden bei den Ermittlungen rund um das vermutete Netzwerk Blutdoping nachgewiesen.

Ebenfalls in Innsbruck mitverhandelt wurde das Verfahren gegen einen ehemaligen österreichischen Langlauf-Trainer, der letztlich zu zwölf Monaten auf Bewährung verurteilt wurde. Unter anderem soll er Sportler zum Doping vermittelt haben.

Für Johannes Dürr dürfte nun ein neues Leben in Niederösterreich beginnen. Er zeigte sich hoffnungsvoll, dass er mit dem Prozess nun den Schlussstrich unter die Affäre ziehen kann. Dürr macht derzeit eine Ausbildung im Bereich Maschinenbau - und will bald die Schmiede seines Vaters übernehmen.

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dpa

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Veröffentlicht am:
27. 01. 2020
20:47 Uhr

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27. 01. 2020
20:47 Uhr



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