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Die Bayern schwören sich nun aufs Double ein

Eine große Bayern-Generation dankt in Europa ab. Der K.o. gegen Klopps Liverpool ist keine Schande, aber Augen öffnend: Die Bosse müssen handeln. Die jahrelang vermisste Emotion im Titelkampf der Bundesliga verleiht dem Saison-Endspurt einen speziellen Kick.



Champions-League-Aus
Bayern Münchens Abwehrspieler David Alaba war nach dem Aus in der Champions League völlig bedient.   Foto: Peter Kneffel

Das Urteil des höchsten Richters beim FC Bayern fiel schonungslos ehrlich aus.

«Liverpool war einfach besser und hat verdient gewonnen. Mehr möchte ich nicht sagen», sprach Uli Hoeneß emotional beherrscht nach dem europäischen Fußball-K.o. gegen den Vorjahresfinalisten mit Triumphator Jürgen Klopp in einen Strauß von Mikrofonen. Dann drehte der Präsident im Keller der Allianz Arena abrupt ab und entschwand nachdenklich in eine kühle Münchner Nacht, die für den deutschen Rekordchampion eine Zäsur markierte.

Eine ausführliche Urteilsbegründung des Vereinspatrons war in der Stunde der tiefen Enttäuschung nicht zwingend erforderlich. Jeder der 70.000 Augenzeugen im Stadion hatte gesehen, wie eine große Münchner Champions-League-Generation abdanken musste, die in diesem Jahrzehnt mit drei Endspielen, vier Halbfinal-Teilnahmen und dem Titelgewinn 2013 als Krönung das Geschehen in Europas Fußball maßgeblich mit prägte. «Wir haben unsere Grenzen aufgezeigt bekommen», gestand Trainer Niko Kovac am Ende seiner ersten Königsklassen-Spielzeit.

Der Chef appellierte bei aller «berechtigten Enttäuschung» sofort an seine Spieler: «Wir müssen uns aufrichten. Wir dürfen nicht negativ sein.» Als neuen Ansporn rief Kovac noch in der Nacht das Double aus. «Unser Ziel ist es, die Bundesliga und den Pokal zu gewinnen.»

Es ist ein Bayern-Glück, dass im Gegensatz zu den letzten sechs Jahren, als der Meistertitel um diese Jahreszeit praktisch schon gewonnen war, die Bundesliga diesmal hochemotional ist. Nach neun Punkten Rückstand dem Rivalen Borussia Dortmund die Schale doch noch wegzuschnappen, ist ein großer Anreiz für den Dauerchampion.

«In der Meisterschaft haben wir so lange darum gekämpft, wieder vorne zu stehen, dass wir das auf gar keinen Fall aus der Hand geben möchten», verkündete Kapitän Manuel Neuer. Auch Mats Hummels schwor das Team auf den «maximalen nationalen Erfolg» ein - garniert mit einer Mahnung: «Wir müssen jetzt versuchen, nicht in ein Loch zu fallen nach dieser Enttäuschung, wie es uns letztes Jahr nach dem Halbfinal-Aus passiert ist.» Der K.o. gegen Real Madrid zog 2018 bei den Münchnern total den Stecker. Sie verloren sogar das Pokalfinale gegen Eintracht Frankfurt - damals noch trainiert von Niko Kovac.

Der Kroate zog unter Europa einen dicken Strich. «Die Champions League müssen wir für diese Saison abhaken und im neuen Jahr angreifen.» Kein Münchner Protagonist mochte die Berechtigung des Viertelfinaleinzuges des FC Liverpool anzweifeln, nach dem der Vollgas-Coach Klopp auf dem Rasen seine Faust mehrfach wild Richtung Himmel reckte. «So ein Ausrufezeichen zu setzen - das ist schon brutal gut», schwärmte Klopp, der Bayern-Schreck.

«Das Wollen war zu spüren, aber die Umsetzung hat gefehlt», hielt Bayern-Torwart Neuer fest. Seinen 100. Auftritt in der Königsklasse wird er wegen des Patzers beim 0:1 in bitterer Erinnerung behalten.

Deutschlands Fußball-Flaggschiff benötigt nach dem dreifachen Scheitern der Bundesliga gegen die englische Premier League eine umfassende personelle Blutauffrischung und dazu eine spieltaktische Erneuerung. Als Global Player definiert sich der FC Bayern über das internationale Abschneiden: Mitte März nur noch Zuschauer zu sein, das erlebte der Königsklassen-Dauergast zuletzt 2011. Damals gab es gegen Inter Mailand ebenfalls einen Achtelfinal-K.o. daheim.

Die Führungsriege um Hoeneß und Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge dürfte den Geldspeicher nun für noch größere Transfertätigkeiten öffnen, auch wenn ein frühes Aus gegen Liverpool keine Blamage darstellt. «Wir sind gegen eine Topmannschaft ausgeschieden. Das muss man ganz klar sagen», bemerkte Neuer sachlich.

Es war kein schändliches Aus - und dennoch ein Augen öffnendes. «Es war kein Klassenunterschied, aber wir waren einfach nicht gut genug, um weiterzukommen. Es war international am Ende zu wenig», meinte Hummels. Liverpool besaß mehr Persönlichkeit, mehr Willenskraft und in den entscheidenden Momenten mehr individuelle Klasse - ablesbar auch an jedem der drei Tore von Sadio Mané (2) und Virgil van Dijk.

Zu viele Bayern-Profis haben den Zenit überschritten - nicht nur Ribéry. Das Team raffte sich beim 0:0 im Hinspiel noch einmal zu einer bemerkenswerten Abwehrleistung auf. Über 180 Minuten fehlte es aber an Überzeugung und Lösungen im Angriffsspiel. Das 1:1 war ein Eigentor des Ex-Schalkers Joel Matip. Speziell Torjäger Robert Lewandowski hätte sich mehr Risiko gewünscht, mehr Mut zur Attacke. Der Mittelstürmer kritisierte indirekt die vorsichtige Taktik des Trainers. «Wir hatten nicht so viele Chancen. Deswegen haben wir auch keine Argumente, um weiterzukommen», äußerte Lewandowski.

Hummels vermisste «die allerletzte Überzeugung». Liverpools vordere Pressinglinie zu überspielen, gelang kaum. «Sie haben es gegen den Ball sehr gut gemacht - Klopp-like», lobte der einstige Klopp-Schüler Hummels. Unbeantwortet bleibt die Frage, ob Kovac einem im Sommer radikal veränderten Bayern-Ensemble eine Handschrift für einen Offensiv-Fußball einimpfen kann, die in Europa Wirkung zeigt.

Champions League gibt's in München erst wieder im September. Die Double-Option liefert Kovac indes die Aussicht auf ein Happy End eines komplizierten ersten Jahres in München. «Wenn wir die beiden Wettbewerbe, die wir noch haben, erfolgreich bestreiten, können wir noch eine gute Saison draus machen», resümierte Hummels treffend.

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dpa

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14. 03. 2019
12:04 Uhr

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14. 03. 2019
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