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Sport

DFB-Präsident Keller rechnet mit Insolvenzen im Profifußball

In der Corona-Krise mehren sich die Hilferufe der Vereine. DFB-Präsident Keller nimmt diese sehr ernst und rechnet mit Pleiten auch im Profifußball.



Fritz Keller
Rechnet mit Insolvenzen im Profifußball durch die Virus-Krise: DFB-Präsident Fritz Keller.   Foto: Patrick Seeger/dpa

Die Angst vor dramatischen Folgen für den deutschen Fußball durch die Coronavirus-Pandemie nimmt zu.

«Ich glaube nicht, dass nach der Corona-Krise die Landschaft des Fußballs gleich sein wird wie heute», sagte DFB-Boss Fritz Keller dem TV-Sender Phoenix. «Wir werden einige vermissen, und ich glaube, je länger das geht, umso mehr Insolvenzen werden wir auch im Profifußball haben.»

Gleich 13 der 36 Vereine aus der 1. und 2. Bundesliga sollen nach Informationen des «kicker» von der Insolvenz bedroht sein. Der FC Schalke 04 wies seine Fans bereits darauf hin, dass der Verein «aktuell vor einer potenziell existenzbedrohenden wirtschaftlichen Situation» stehe. «Die Lage ist sehr ernst und kritisch», sagte Alexander Jobst, Marketingchef und Vorstandsmitglied, am Mittwochabend in einem Live-Chat mit Anhängern des Fußball-Bundesligisten.

Auch beim Bundesliga-Schlusslicht SC Paderborn geht es langsam ans Eingemachte. «Wir können das noch ein, zwei Monate hinauszögern, aber dann geht uns die Luft aus», sagte Geschäftsführer Martin Przondziono in einem Interview von Sport1. «Sollten die TV-Gelder auch nicht bei uns landen, wird es für uns eng.»

Keller schließt nicht aus, dass auch in der Eliteklasse des deutschen Fußballs der eine oder andere Vereine von einer Pleite betroffen sein wird. «Die Hilferufe sind seriös und sehr ernst. Je länger es geht, dass der Spielbetrieb nicht fortgesetzt werden kann, werden wir dieses Szenario leider erleben müssen. In der 2. Liga sowieso und in der 3. Liga sieht es noch schlimmer aus», sagte der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes.

Und auch für den Amateurfußball malte der 63-Jährige ein düsteres Bild. Viele Vereine bis in die Kreisligen seien stark gefährdet. Am Nachmittag richtete er deshalb einen klaren Appell an die Politik. «Der Sport wird der Gemeinschaft dabei helfen, nach der Krise zur Normalität zurückzufinden, doch dabei benötigen wir Unterstützung», schrieb Keller in einem offenen Brief. «Gerade in einer solchen Krise darf niemand an Bürokratiefragen scheitern, etwa daran, welche Organisationsform der Verein gewählt hat. Essenziell ist, dass die behördlichen Hilfen so schnell und so unkompliziert wie möglich von den Vereinen in Anspruch genommen werden können.»

Der «oft ja als so reich dargestellte DFB» selbst könne die finanzielle Hilfe nicht stemmen. «Aus zwei Gründen. Erstens: Der DFB darf Einnahmeausfälle von Vereinen nicht durch Zuschüsse oder Darlehen ausgleichen», schrieb Keller. «Zweitens: Der DFB hätte nicht die Mittel, den Bedarf für rund 25.000 Vereine tatsächlich angemessen abzudecken. Aber wir tun das, was unsere Aufgabe als Dachverband ist: Wir sind bestrebt, unsere Vereine bestmöglich zu entlasten, sie zu beraten und flexible Handlungsmöglichkeiten zu bieten.»

Um den drohenden Absturz vieler Vereine in den vier höchsten Spielklassen von der Bundesliga bis zu den Regionalligen etwas abzufedern, haben die Deutsche Fußball Liga und der DFB die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für eine Lizenz angepasst und den obligatorischen Neun-Punkte-Abzug im Falle einer Insolvenz für diese Saison ausgesetzt.

Das könnte jedoch dazu führen, dass Vereine in eine Planinsolvenz gehen. Entsprechende Überlegungen gibt es bereits beim Zweitligisten Karlsruher SC und Drittligisten 1. FC Kaiserslautern. «Die Insolvenz in Eigenverwaltung bietet natürlich auch eine Chance für Unternehmen und Vereine, die schon vorher Probleme hatten, einen Schuldenschnitt zu vollziehen», sagte der Insolvenzexperte Matthias Hofmann dem «Kicker».

Nach Ansicht des Sportökonomen Daniel Weimar von der Uni Duisburg-Essen droht dadurch eine Wettbewerbsverzerrung. «Weil die sportliche Konsequenz nun wegbricht, könnte das ein Vorteil für alle Clubs werden, die zuletzt hohes Risiko gefahren haben», sagte Weimar unlängst dem «Tagesspiegel».

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dpa

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Veröffentlicht am:
09. 04. 2020
18:00 Uhr

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