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Club erholt sich nicht von frühem Schock

Der Fußball-Zweitligist 1. FC Nürnberg kassiert die zweite Heimniederlage in Folge. Gegen Hannover fällt das Spiel des FCN nach einer Situation in sich zusammen. Folge: eine 0:3-Niederlage.



Patrick Erras kommt gegen Hannovers Timo Hübers (Zweiter von links), der in dieser Szene die Gäste-Führung erzielt, zu spät. Foto: Sportfoto Zink
Patrick Erras kommt gegen Hannovers Timo Hübers (Zweiter von links), der in dieser Szene die Gäste-Führung erzielt, zu spät. Foto: Sportfoto Zink  

Nürnberg - Im Nürnberg bricht gerade die 17. Minute der Zweitliga-Partie zwischen dem 1.FC Nürnberg und Hannover 96 an. Es ist der Zeitpunkt, als die Bundesliga-Fanproteste auch den Club erreichen. Vor der FCN-Fankurve steht ein Banner, das sich gegen den DFB richtet. "Bei einem alten weißen Milliardär seid ihr betroffen. Bei Toten in Katar feiert ihr trotzdem. Dumme verlogene Heuchler" hängt quer über die Kurve. Das beinahe schon obligatorische "Fick dich, DFB" fehlt auch nicht. Kein Grund für Schiedsrichter Markus Schmidt die Partie zu unterbrechen. Obwohl es womöglich den Nürnberger Spielern auf dem Platz gut getan hätte. Denn mitten in die Wechselgesänge, mitten in die Schmähungen gegen den Verband beider Fanlager hinein ist plötzlich wieder das Geschehen auf dem Platz wichtig. Den FCN holt seine Schwäche bei Standards wieder ein. Bei einem Eckball fehlt dem Team von Trainer Jens Keller im Zentrum die Zuordnung, Patrick Erras - letzte Woche in Karlsruhe noch der gefeierte Club-Held - lässt Timo Hübers ziehen, sprang beim Kopfballduell gar nicht erst mit. Hübers stand damit goldrichtig am kurzen Pfosten, Tor.

Unbekannte bedrohen Nürnberger Spieler

Fassungslos stand FCN-Coach Jens Keller nach Spielende im Pressekonferenzraum. "An solchen Tagen gerät der Fußball in den Hintergrund, wenn du dich mit solchen Dingen befassen musst", sagte er und meinte damit das, was am Freitagvormittag passiert war. Rund um das Stadion- und Trainingsgelände hatten bislang Unbekannte Aufkleber angebracht, auf denen Nürnberger Spieler bedroht wurden. "Das waren schon ganz eindeutige Drohungen gegen einzelne Personen, sodass wir die Polizei einschalten mussten", sagte ein ebenfalls sichtlich geschockter FCN-Sportdirektor Robert Palikuca. Die Polizei nahm daraufhin Ermittlungen auf, noch habe man allerdings keine Erkenntnisse über die Täter, sagte ein Club-Sprecher. Auf Anraten der Polizei habe der FCN auch keine Fotos von den Aufklebern veröffentlicht und verzichtete auch darauf, die bedrohten Spieler zu benennen. Die Betroffenen beiden Spieler wussten aber davon. "Sie haben sich aber entschieden zu spielen", sage Keller. Beide standen im Kader, konkreter wurden die Nürnberger Verantwortlichen nicht. Mit Unterstützung von Fans aus der Nordkurve wurden die Aufkleber noch vor dem Spiel entfernt. Trotzdem: "Bei solchen Aktionen musst du dir schon überlegen, ob du überhaupt Fußball spielst", sagte Palikuca. Der Club spielte - und verlor. "Ich weiß nicht, ob es eine Zusammenhang zwischen der Bedrohung und dem Spiel gibt", sagte Trainer Keller. "Bis auf die beiden betroffenen Spieler wusste kein anderer Spieler etwas." msc


Vielleicht hatten sich die Club-Spieler vom Protest ihrer Fans ablenken lassen? Eher nicht. Jedenfalls dann nicht, wenn man die nachfolgende Spielphase als Maßstab nimmt. Denn nach dem Rückspiel spielt der Club unkonzentriert, unsicher und lässt Hannover gewähren. Das gesamte Selbstvertrauen nach dem 1:0-Erfolg in Karlsruhe war mit einem Mal dahin. Wie brüchig das Nürnberger Spiel auch im Jahr 2020 noch ist, zeigt sich beispielhaft an dieser Szene. Denn in der Anfangsphase waren die Franken präsent. Sie liefen die Gäste, mit denen der Club in der Vorsaison zusammen aus der Bundesliga abgestiegen ist, früh an. Das Nürnberger Spiel gefiel, auch wenn bis auf Michael Freys abgefälschtem Warnschuss (3.) nicht viel Zählbares dabei heraussprang.

Aber immerhin passte der Eindruck. Bis zur 17. Minute. Mit dem Gegentreffer stürzte das Club-Spiel wie ein Kartenhaus in sich zusammen. "Unerklärlich", sagte Club-Keeper Mathenia passenderweise. "Dass wir das Spiel in unsere Situation so hergeschenkt haben, kann ich mir nicht erklären. Wir kamen gut ins Spiel, sind dann aber wieder in alte Muster verfallen. Wir haben das Spiel komplett hergeschenkt." Für Hannover war es ein Leichtes, zu Torchancen zu kommen. Und so war das 2:0 nur eine Frage der Zeit. Ausgerechnet der frühere Cluberer Cedric Teuchert, nun in Diensten für Hannover, marschierte unbedrängt und mit viel Zeit bis zum FCN-Strafraum und steckte durch auf Linton Maina. Er jagte den Ball aus kurzer Distanz unter die Latte des Torwartecks. Das Problem: Beim Club passten die Abstände zwischen Offensive und Defensive nicht. "Die Abstände waren viel zu groß", bestätigte Mathenia. "Michael Frey hatte versucht, aktiv am Spiel teilzunehmen und ist hoch angelaufen und wir sind hinten zurückgewichen. Daher konnte Hannover ganz schnell zwischen unsere Ketten spielen. Daraus waren sie brandgefährlich."

Das stimmte: Denn dass es zur Pause nur 0:2 stand, war aus Club-Sicht fast noch das Tröstlichste. Nur kam es kurz vor dem Seitenwechsel noch schlimmer: Enrico Valentini, immerhin ein Aktivposten im Nürnberger Spiel, musste verletzt raus. Für ihn kam Fabian Nürnberger ins Spiel. Keller brachte zudem nach dem Wechsel noch Fabian Schleusener für Nikola Dovedan, der völlig von der Rolle war. Mit dem Doppelwechsel war die Hoffnung verbunden, dass das offensive Stückwerk, das der Club über weite Strecken der ersten Halbzeit angeboten hatte, ein Ende haben würde.

Immerhin kehrten die Gastgeber mit mehr Engagement aus der Pause zurück. Nur fehlte im Spiel nach vorn die Präzision. Spätestens zehn Meter vor der Gäste-Strafraum zerstörten ungenaue Pässe die Hoffnungen auf eine Nürnberger Aufholjagd. Der nimmermüde Frey arbeitete sich auf, fand aber keine Anspielstationen. Hannover tat sich daher leicht, den Vorsprung zu verwalten. Der Club wirkte zwar entschlossen, aber der Weg zum 96er-Tor verschlossen.

Da half dann auch nicht die zweite Protestaktion der Club-Fans zu Beginn der zweiten Halbzeit, um noch einmal für einen Stimmungsumschwung zu sorgen.

Zwanzig Minuten vor Schluss wollter Jens Keller vor 26 745 Zuschauer im Max-Morlock-Stadion noch einmal alles nach vorn werfen. Doch auch das ging nicht, wie es sich der Trainer vorgestellt hatte. Gerade als er Mikael Ishak ins Spiel bringen wollte, verletzte sich Innenverteidiger Asgar Sörensen. Keller musste zwangsläufig etwas defensiver wechseln und brachte Felix Lohkemper.

Womöglich hätte Ishak dem Club-Spiel gut getan, denn es fehlte auch danach die zündende Idee. Fraglos: Hannover stand in der Defensive konzentriert, dem Club fiel allerdings auch zu wenig ein, um die Standhaftigkeit der niedersächsischen Defensiv-Qualitäten auszutesten.

Die Nürnberger Hoffnungen richteten sich auf die eine Szene, die noch einmal Spannung ins Spiel würde bringen können. Ein Zufallstreffer oder ein Tor nach einem Standard - schon wäre wieder alles offen gewesen. Doch weder sprang eine echte Torchance für den Club heraus, noch vermittelte Hannover nicht den Eindruck, dass sie noch einen Wackler zeigen würden. Im Gegenteil: Sie versuchten die Räume mit Kontern zu nutzen. In der Schlussminute bestraften sie die 90-minütige Nürnberger Harmlosigkeit mit dem dritten Treffer.

"Wir haben 17 Minuten nur das umgesetzt, was wir uns vorgenommen hatten", sagte Club-Coach Keller. "Aber nach dem Tor hat uns der Mut verlassen. Die Mannschaft hat sich nicht so gewehrt, wie wir uns das vorgestellt hatten."

Für den 1.FCN bleibt nach dem 0:3 die bittere Erkenntnis: Noch ist der Abstiegskampf nicht vorüber. Will das Team von Trainer Keller aus der Abstiegszone, sollten schleunigst Heimsiege her.

Autor
Marcus Schädlich

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Veröffentlicht am:
06. 03. 2020
22:52 Uhr

Aktualisiert am:
06. 03. 2020
20:50 Uhr

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Marcus Schädlich

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06. 03. 2020
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