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Bundestrainer Löw vor Auslosung: «Nehmen es, wie es kommt»

Vier Zeitzonen, sieben Währungen, zehn Sprachen, zwölf EM-Länder. Was Michel Platini einst als romantische Idee ersann, ist für viele Fans ein Ärgernis und für die neue UEFA-Führung ein Problem. Joachim Löw hat für sich einen Vorteil im befürchteten EM-Durcheinander erkannt.



Joachim Löw
Freut sich auf die EM-Auslosung in Bukarest: Bundestrainer Joachim Löw.   Foto: Tom Weller/dpa

Die drastische Wortwahl von Kevin De Bruyne zum heiß diskutierten EM-Modus kommt Joachim Löw nicht über die Lippen. Aber die Erleichterung des Bundestrainers, im kommenden Fußball-Sommer zumindest in der Gruppenphase einem Stress-Faktor zu entgehen, ist deutlich zu spüren.

«Das ist ein Vorteil, dass man nicht reisen muss», sagte Löw angesichts von drei garantieren Heimspielen in München. «Man kommt nach einem Spiel spät zurück. Das ist natürlich gut, wenn man sich auf kurze Reisen einstellen kann.»

Im Gegensatz zu Löw macht sich bei einigen Konkurrenten der deutschen Nationalmannschaft wie Weltmeister Frankreich, Vize-Champion Kroatien oder Titelverteidiger Portugal um Superstar Cristiano Ronaldo kurz vor der Gruppenauslosung am Samstag (18.00 Uhr) in Bukarest Sorge breit. Leidtragender des einst vom später gesperrten UEFA-Boss Michel Platini erdachten Zwölf-Gastgeber-Systems will nämlich keiner werden.

In der Italien-Gruppe A droht zum Beispiel mindestens einem Team ein doppeltes Kontinentehopping zwischen den drei Gruppenspielen in Rom und Baku am Kaspischen Meer mit insgesamt fast 30 Flugstunden über zwei Zeitzonen hinweg. Die rund zwei Stunden Busfahrt des DFB-Teams von der Allianz Arena ins EM-Hauptquartier in Herzogenaurach wirken da im Vergleich wie ein entspannter Team-Ausflug.

«Mit der Auslosung bekommt ein Turnier sein Gesicht, daher freue ich mich auf die Reise nach Bukarest. Wenn wir unsere Gegner und weitere mögliche Konstellationen kennen, können wir in die weiteren konkreten Planungen einsteigen. Ich bin sehr gelassen, wir nehmen es, wie es kommt», sagte Löw.

Belgiens Superstar De Bruyne wird im Sommer zwischen Kopenhagen und St. Petersburg pendeln und sieht die Sache nicht so gelassen. Dass seine EM-Route schon vor der Loszeremonie im Romexpo Messezentrum aufgrund der komplizierten Turnierarithmetik feststeht, bezeichnete der Mittelfeldprofi von Manchester City als «Schande». «Für mich fühlt sich das an wie Wettbewerbsverzerrung», sagte De Bruyne.

Leverkusens Torwart Lukas Hradecky hingegen hofft auf die 50-Prozent-Chance der Finnen genau in diese Gruppe zu kommen. «Wir haben ja nur zwei Möglichkeiten: Die italienische Gruppe oder die russische. Für all unsere finnischen Fans, die mitreisen, wäre es schon geil, wenn wir in Kopenhagen und Russland spielen würden.»

De Bruyne ist mit seinen Aussagen zum prominenten Turnierkritiker geworden. «Fußball ist mehr und mehr ein Geschäft geworden», sagte er dem belgischen Sender VTM Nieuws. Und so paradox es klingt: Auch in der UEFA-Zentrale in Nyon am Genfer See bekommt er - zumindest hinter vorgehaltener Hand - Zuspruch.

Wie eine skurrile Anekdote der Fußballgeschichte wirkt die Aussage des heutigen FIFA-Präsidenten Gianni Infantino, der 2012 noch als Platini treu ergebener UEFA-Generalsekretär versprach: «Wir werden bei der EM 2020 die größte Party feiern, die je bei einer Europameisterschaft gefeiert wurde.»

Die Entscheidung für das Pan-Europa-Turnier hatte damals viele Gründe. Platini sprach vom völkerverbindenden Charakter 60 Jahre nach dem Premierenturnier 1960, aber vor allem erhoffte er sich gute Publicity und ein zufriedenes Wahlvolk in Osteuropa. Die Türkei als aussichtsreicher alleiniger Gastgeber erschien zudem vielen schwer vermittelbar - ein Argument das bis heute trägt.

Mittlerweile ächzt der Kontinentalverband wegen des komplizierten Turnierablaufs. Kommunikation und Logistik mit zehn Gastgebersprachen und vier Zeitzonen sind das Eine, sieben verschiedene Währungen und die große Ungewissheit möglicher Brexit-Folgen das Andere.

Die Aufstockung für den Spielort London auf sieben EM-Partien inklusive der ursprünglich geplanten zwei Halbfinals und des Endspiels hatte paradoxerweise hauptsächlich ökonomische Gründe. 80 Millionen Euro sparte man an Planungskosten ein, so verriet ein hochrangiger UEFA-Funktionär der Deutschen Presse-Agentur. Genau deshalb machte man nach dem Gastgeber-Entzug von Brüssel Wembley zum EM-Herz und entschied sich gegen Cardiff oder Stockholm als möglichen 13. Turnierort.

Für Löw wird der Heimvorteil mit Ende der Gruppenphase allerdings auch vorbei sein. In der K.o.-Phase ist je nach Abschneiden vor der Finalwoche im Wembley alles möglich - von Dublin bis Baku und von Bilbao bis St. Petersburg. «Reisestrapazen können ein Thema sein», sagte Löw. Das weiß er seit der komplizierten Turnierlogistik auf dem Weg zum WM-Titel 2014 in Brasilien.

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dpa

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Veröffentlicht am:
28. 11. 2019
11:26 Uhr

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28. 11. 2019
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