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Biathlon-WM: Silber für Damen, Bronze für Herren

Die deutsche Damen-Staffel hat bei den Biathlon-Weltmeisterschaften in Antholz Silber gewonnen. Es war der erste Podestplatz der Saison. Die Männer vergaben Gold, feierten Bronze trotzdem. Ein Weltmeister aus Russland gerät ins Visier der Polizei.



Silber
Franziska Preuss (r) bei der Übergabe an Staffel-Schlussläuferin Denise Herrmann.   Foto: Hendrik Schmidt/dpa » zu den Bildern

Staffel-Gold war drin, doch auch über Silber und Bronze freuten sich die deutschen Biathleten überschwänglich.

Während Karolin Horchler, Vanessa Hinz, Franziska Preuß und Denise Herrmann eine fast schon verlorene WM-Medaille noch mit Silber veredelten, verloren die Männer das durchaus mögliche Gold und sogar das schon sicher geglaubte Silber bei den Weltmeisterschaften im italienischen Antholz beim allerletzten Schießen.

Schlussläufer Benedikt Doll musste beim Sieg der Franzosen vor den Norwegern in die Strafrunde - der Titel war futsch. «Später werde ich mich bestimmt freuen, aber jetzt ärgere ich mich fürchterlich», sagte Doll und hatte Mitleid mit seinen Teamkollegen: «Die haben es sehr überragend gemacht und mir einen Riesenvorsprung mitgegeben. Irgendwie ist mein Selbstbewusstsein an dem Schießstand bei minus zehn und das macht es mir schwer. Das war nicht mein Rennen heute», meinte der Schwarzwälder. Vorwürfe an Doll gab es von Erik Lesser, Philipp Horn und Arnd Peiffer nicht. «Ich bin total froh, dass wir uns belohnen konnten», sagte Olympiasieger Peiffer: «Ich hoffe, dass sich Benni bei der Siegerehrung über Bronze freuen kann.»

Vor dem Finale am Sonntag in der Südtirol-Arena mit den beiden Massenstart-Wettkämpfen war es nach viermal Silber die fünfte deutsche Medaille - die erste für die deutschen Männer.

Zum zweiten Mal während der Titelkämpfe in Südtirol gab es Doping-Schlagzeilen. Das Hotelzimmer von Sprint-Weltmeister Alexander Loginow im Mannschaftsquartier der Russen war am frühen Morgen von der Polizei durchsucht worden. Loginow und sein Teamkollege Jewgeni Garanitschew wurden im Schlaf überrascht. Das Vorgehen sei gedeckt durch den Artikel 586 des Strafgesetzbuches, Verwendung oder Verabreichung von Dopingmitteln, erläuterte die Staatsanwaltschaft in Bozen. Loginows Telefon und sein Computer wurden ebenso beschlagnahmt wie Vitaminpräparate und Cremes, wie Loginow nach dem Rennen sagte. «Ich bin sauber, ich bin wahrscheinlich der am meisten getestete Athlet der Welt und werde behandelt wie ein Schwerverbrecher.»

Schon am vergangenen Samstag hatte es Doping-Schlagzeilen gegeben. Olympiasieger Jewgeni Ustjugow, 2014 Staffel-Läufer der Russen, war vom Biathlon-Weltverband des Dopings für schuldig befunden worden. Damit könnten Lesser, Daniel Böhm, Peiffer und Simon Schempp nachträglich Olympia-Gold bekommen.

Loginow war bereits zwei Jahre wegen Epo-Dopings gesperrt, seit November 2016 darf er wieder starten. Der 28-Jährige wurde vor und während des Rennens, wo die die Russen Vierte wurden, ausgebuht. Olympiasieger Peiffer hofft, «dass sich da keine Verdachtsfälle erhärten, das wäre mein Wunsch», sagte der 32-Jährige. «Ich tippe, dass bei den Italienern auch konkrete Anhaltspunkte nötig sind, man wird nicht einfach so in ein Hotelzimmer gehen. Ich hoffe einfach, dass da nicht wieder was ist und das Thema langsam mal gut ist.»

Lesser hatte gar Mitleid mit Loginow, wenngleich er sich für lebenslange Sperren bei Epo-Dopern ausspricht. «Es ist schon ziemlich hart, das an einem Staffeltag zu machen. Ich dachte, man hätte Blutbeutel oder so konfisziert. Aber davon ist man ja weit weg mit Handy und Laptop. Ganz ehrlich, das hätten sie gestern machen können oder jetzt, aber nicht vor einem Mannschaftsrennen», sagte Lesser.

Nach den Frauen wurde auch das deutsche Männer-Quartett in der Südtirol-Arena von den vielen Fans aus der Heimat gefeiert. Die Männer lagen nach einer Strafrunde und acht Nachladern 36,2 Sekunden hinter Frankreich (4 Nachlader) und 14,2 Sekunden hinter dem entthronten Weltmeister Norwegen (1 Strafrunde/12 Nachlader).

Die Frauen waren schon so gut wie geschlagen, doch am Ende jubelten Herrmann, Preuß, die Einzel-Zweite Vanessa Hinz und Karolin Horchler noch über Silber. «Wir haben es gerockt», sagte die Verfolgungszweite Herrmann. Nach einer völlig verrückten Damen-Staffel lagen die Deutschen nach neun Nachladern 10,7 Sekunden hinter Titelverteidiger Norwegen. «Ich habe mitgekriegt, dass ein Wunder geschehen muss, wenn wir da vorn mitmischen wollen», sagte Preuß, die eine überragende Leistung zeigte.

Den Grundstein für den Medaillen-Coup bei den Männern legte Lesser. Der eigentlich nur als Ersatzmann für die Titelkämpfe nominierte Thüringer zeigte einmal mehr eine blitzsaubere Leistung. Zwei Tage nach dem Gewinn von Silber in der Single-Mixed-Staffel zusammen mit Preuß zeigte der 31-Jährige, dass er noch lange nicht zum alten Eisen gehört. Nun wird er seine Saison beenden und am Sonntag statt zur Europameisterschaft nach Minsk aus persönlichen Gründen nach Hause fahren.

Veröffentlicht am:
22. 02. 2020
17:50 Uhr

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dpa

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Veröffentlicht am:
22. 02. 2020
17:50 Uhr



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